Bochum - Mönchengladbach : Von Frust auf Lust in zwölf Minuten

Der VfL Bochum liegt zur Pause 0:3 gegen Mönchengladbach zurück und gleicht noch zum 3:3 aus.

Richard Leipold[Bochum]
VfL Bochum - Borussia Mönchengladbach 3:3
Kaum zu fassen. GlladbachsTobias Levels kann es nicht glauben.Foto: dpa

45 Minuten waren die Spieler des VfL Bochum vorgeführt und fast gedemütigt worden. Die eigenen Fans pfiffen und buhten, Borussia Mönchengladbach lag im Stadion der Bochumer schier uneinholbar 3:0 in Führung. Doch der Heimmannschaft gelang in einem Spiel, das einer wilden Achterbahnfahrt glich, die Wiederauferstehung auf dem Fußballplatz. Am Ende stand es 3:3, der Spielverlauf hatte die Nerven der Fans beider Klubs arg strapaziert. „Zum Glück kam irgendwann die Pause, da habe ich den Spielern gesagt, dass es wieder bei null beginnt“, sagte VfL-Trainer Marcel Koller. Die Bochumer Profis müssen ihm geglaubt zu haben. Voller Leidenschaft machten sie sich in der zweiten Hälfte daran, das scheinbar Unmögliche zu schaffen und die drei Gegentore von Juan Arango, Roberto Colautti und Roel Brouwers aufzuholen.

Dabei richteten sich die Bochumer am schmächtigsten Mann auf dem Platz auf. Mimoun Azaouagh weckte in der 51. Minute mit einem präzisen wie wuchtigen Distanzschuss in den Winkel wieder Hoffnung. Nur 48 Sekunden später fügte er diesem kraftvollen Kunstschuss eine Kopie hinzu, die dem Original in nichts nachstand. Dieser Doppelschlag brachte die Bochumer, die zuvor desolat gewirkt hatten, wieder ins Spiel. „Azaouaghs Tore haben das Spiel gedreht“, sagte der Mönchengladbacher Trainer Michael Frontzeck. So ein Kunststück eines gegnerischen Spielers im Minutentakt habe er „noch nie erlebt“. Prompt war es vorbei mit der Gladbacher Souveränität. Die Borussen gerieten nun derart aus dem Tritt wie die Bochumer schon nach den ersten Minuten der Partie.

Wie weggeblasen war die Überlegenheit aus der „fast perfekten ersten Halbzeit“, die Frontzeck gesehen hatte. Als die Bochumer sich, gemessen an ihren Mitteln, nah an den Rand zur Perfektion steigerten, waren sie nicht mehr aufzuhalten, auch nicht von Dante, der Stanislav Sestak nach einer Stunde nur mit einer Notbremse zu stoppen vermochte und dafür mit der Roten Karte des Feldes verweisen wurde. Wenig später ließ Sestak sich weder behindern noch beirren und erzielte den Ausgleich. Innerhalb von zwölf Minuten hatte der VfL aus dem 0:3 ein 3:3 gemacht. Von da an waren die wie aufgedreht stürmenden Bochumer dem Siegtor näher. Und Frontzeck wusste nicht recht, wie er den Teilerfolg nach dieser Teilleistung einstufen sollte. „So wie das Spiel in der zweiten Halbzeit gelaufen ist, müssen wir mit dem Punkt sogar zufrieden sein“, sagte er.

Anfangs hatten die Borussen, inspiriert von ihren neuen südamerikanischen Offensivkräften Juan Arango und Raul Bobadilla, die Angst vor den Bochumern abgelegt, in deren Stadion sie seit 13 Jahren kein Bundesligaspiel haben gewinnen können. Knapp zehntausend Gladbacher Fans hatten ihre Lieblingsmannschaft ins Ruhrgebiet begleitet. Bei so viel Unterstützung von den Rängen, „kann man nicht wirklich von einem Auswärtsspiel sprechen“, sagte Trainer Michael Frontzeck.

Die Gladbacher Heimspielatmosphäre, die dem Westflügel des Bochumer Stadions entströmte, übertrug sich rasch auf den Rasen. Besonders Arango machte seine Bundesliga-Premiere zu einem rauschenden Fest, das aber wie die ganze Gladbacher Herrlichkeit nur eine Halbzeit dauerte. Spätestens nachdem Roberto Colautti mit dem Kopf auf 2:0 erhöht hatte, brach Gladbach mit der Wucht eines Wirbelsturms über den Bochumer Strafraum herein.

Aber der Wind drehte sich und blies später den Gladbachern aus der Gegenrichtung mindestens so heftig ins Gesicht wie zuvor den Westfalen. „Für die Fans war es ein Fest“, sagte der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl, „für die Verantwortlichen war es eine Berg- und Talfahrt, bei der der Puls Tango getanzt hat.“

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