Sport : Bochum verzweifelt an sich selbst

Frank Hellmann[Bremen]

Es hatte etwas von Machtlosigkeit, als Bochums Trainer Peter Neururer seinen Kollegen Thomas Schaaf ganz nah an sich zog. Bremens Coach senkte den Kopf, als Neururer die Bitte für alle Umstehenden vernehmbar artikulierte. „Ihr spielt ja auch noch gegen die anderen da unten“, sagte Neururer, „dann hoffe ich, dass ihr auch so auftrumpft wie heute.“ Schaaf nickte. Was blieb ihm nach Werders locker herausgespielten 4:0 gegen den VfL Bochum auch anderes übrig? Aus eigener Kraft scheint dieses Team sich nicht mehr retten zu können, auch wenn Neururer ankündigte: „Nächstes Jahr werden wir hier einen neuen Anlauf starten, die Punkte mitzunehmen.“

Woher Neururer diese Zuversicht nimmt, bleibt sein Geheimnis. So brav und bieder hat in dieser Saison kein Gegner dem Deutschen Meister die Punkte überlassen. In Abwehr und Angriff desaströs, in Sachen Einsatz und Engagement nach der Pause mit einem Verhalten, das der Realität Abstiegskampf spottete. „Teilweise sind wir vorgeführt worden“, räumte der Trainer ein, „uns sind Grenzen aufgezeigt worden.“ Von der Nummer eins, dem patzenden Torwart Christian Vander, bis zur Nummer elf, Vratislav Lokvenc, hatte Bochum kein Bundesliganiveau. „Wir haben Werder ja zum Toreschießen eingeladen“, schimpfte Dieter Meinold, Leiter der Bochumer Lizenzspieler-Abteilung. Und am Ende, als Bremen seine großzügige Phase hatte, vergaben die Bochumer noch fahrlässig ihre Chancen. „Wir können uns nicht Woche für Woche darauf verlassen, dass Mainz oder Nürnberg auch verlieren“, ergänzte Meinold.

„Glücklicherweise spielen wir nicht jede Woche gegen Gegner wie Werder Bremen“, sagte Neururer milde lächelnd. Seine Position gerät selbst nach solch desolater Außendarstellung erstaunlicherweise nicht ins Wanken. „Wir haben uns im gesamten Verein darauf verständigt“, sagte Meinold noch in den Katakomben des Weserstadions, „dass über den Trainer nicht mehr diskutiert wird.“

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