Sport : Bochum zähmt Leverkusen

Der VfL lässt wenig zu und gewinnt am Ende 2:0

Richard Leipold

Bochum - Nach dem Schlusspfiff wirkte Rudi Völler ein wenig blass. Der Sportdirektor von Bayer Leverkusen hatte auf dem Fußballplatz etwas Ungewöhnliches gesehen. Beim 0:2 im Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum konnte sich das sonst für seine Spielkunst gerühmte Bayer-Ensemble in der Offensive überhaupt nicht durchsetzen. „Die Bochumer haben nichts zugelassen, das passiert selten gegen uns“, sagte Völler. „Mehr als ein 0:0 wäre für uns diesmal nicht drin gewesen.“ Weil Thomas Zdebel und Christoph Dabrowski für den VfL trafen, reichte es für Leverkusen nicht einmal zu einem Unentschieden. Die erste Niederlage in der Rückrunde kostete Leverkusen den dritten Tabellenplatz. Die Bochumer hingegen betrachten die Abstiegsplätze inzwischen aus sicherer Entfernung; ihr Vorsprung beträgt nun schon zwölf Punkte.

Den zuletzt hochgelobten Leverkusenern fiel es schwer, sich gegen die aggressiv und konzentriert spielenden Bochumer in Szene zu setzen. „Wir haben vergessen, Fußball zu spielen“, sagte Mittelfeldspieler Bernd Schneider, der es ebenso wenig wie Tranquillo Barnetta und Sergej Barbarez verstand, Stefan Kießling in der Offensive zu unterstützen. Sobald Leverkusen einen Angriff aufzuziehen versuchte, störten die Bochumer den Ballführenden mit der Strategie zwei gegen einen und hielten den Gegner von ihrem Tor fern. Während der ersten Halbzeit neutralisierten sich beide Mannschaften im Mittelfeld derart, dass die Bochumer nicht einmal ihren besten Stürmer vermissen mussten: Stanislav Sestak fehlte, weil er aufgrund der fünften Gelben Karte gesperrt war. Auf der Gegenseite blieb zunächst Theofanis Gekas, der erfolgreichste Bochumer Angreifer der vergangenen Saison außen vor – allerdings aus anderen Gründen. Gekas ist derzeit bei Trainer Michael Skibbe nicht erste Wahl.

Wie wenig sich gerade die als ballfertig und kreativ bekannten Leverkusener zu entfalten vermochten, belegt eine Szene aus der 35. Minute. Von Schneider im Rücken angespielt, stolperte Gonzalo Castro den Ball über die Seitenlinie ins Aus. Auch nach der Pause blieb es in den Strafräumen zunächst ruhig. Erst nach mehr als einer Stunde brachte Bayer zwei halbwegs gefährliche Vorstöße zustande. Schneider und Barbarez scheiterten am Bochumer Torwart Jan Lastuvka.

Die Bochumer ließen sich durch diese Schreckschüsse aber nicht einschüchtern. Auch der VfL zeigte sich nun zielstrebiger und ging prompt in Führung. Von Christoph Dabrowski angespielt, hatte Kapitän Thomas Zdebel mitten im gegnerischen Strafraum freie Bahn und schoss Bochum in Führung (66. Minute). Kurz darauf reagierte Skibbe auf den Rückstand mit einem Personalwechsel und schickte zwei frühere Bochumer Offensivkräfte aufs Feld: Theofanis Gekas und Paul Freier. Dennoch kam Bayer nicht wie gewohnt zum Zuge. Kurz vor Schluss machte Dabrowski sich einen präzisen Pass des eingewechselten Azaouagh zunutze und erhöhte auf 2:0. „Wir haben die Bochumer mit Fehlern im Spielaufbau zu den Toren eingeladen“, schimpfte Bayers Trainer Skibbe. Die VfL-Fans dagegen jubilierten: „Siehst du, Gekas, so wird das gemacht!“ Richard Leipold

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