Bochumer Fans : "So spielt ein Absteiger"

Bochum verliert durch das 2:3 gegen Mainz bei den Fans weiter an Kredit.

Richard Leipold

BochumVor dem Anpfiff schwelgten die Fans des VfL Bochum in der Vergangenheit. Der Vereinsvorstand ernannte die Bochumer Fußball-Ikone Michael, genannt „Ata“ Lameck, auf dem Rasen zum Ehrenmitglied. Der frühere Kapitän steht für jene Bundesligageneration des VfL, die als „unabsteigbar“ galt. Der sechzigste Geburtstag von Lameck, der mehr als 500 Erstligaspiele für Bochum bestritt, war den Fans ein Anlass, der guten alten Zeit zu gedenken. Die Gegenwart erscheint ihnen zu negativ. Durch das 2:3 gegen den FSV Mainz fühlten sie sich einmal mehr darin bestätigt. Viele Anhänger forderten die Entlassung des Trainers Marcel Koller, der seit langem unbeliebt ist. Aber auch Vorstand und Aufsichtsrat haben an der Basis ihren Kredit verspielt.

„Nur für Ata sind wir heute hier“, stand auf Plakaten, die Hunderte Anhänger hochhielten. Von der aktuellen Mannschaft haben viele dagegen „die Schnauze voll“. Dem Torschrei in der siebten Minute wollten sie sich aber nicht verschließen. Mimoun Azaouagh hatte von einer Unsicherheit des Mainzer Torwarts Christian Wetklo profitiert, der einen Freistoß von Anthar Yahia zu kurz abgewehrt hatte. Danach geschah so gut wie nichts – bis zur 45. Minute. Auch die Mainzer nutzten ihre erste Möglichkeit. Andreas Ivanschitz traf prompt das Tor, doch Diego Klimowicz gelang Sekunden später, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, abermals der Führungstreffer für die Heimelf. Davon wiederum ließen sich die Mainzer, die äußerst schwach begonnen hatten, nicht entmutigen. Sie steigerten sich nach der Pause, und Mittelfeldspieler Andre Schürrle stürzte Bochum mit zwei Treffern in noch tiefere Depressionen. „Mit der ersten Hälfte war ich gar nicht zufrieden. Aber wir haben den Spielern in der Pause ins Gewissen geredet und sie haben dann viel mutiger gespielt“, erklärte der Mainzer Coach Thomas Tuchel den Wandel. Und die Reaktion von den Rängen? „Und so spielt ein Absteiger“, sang ein Teil der 16 000. Wer wollte ihnen widersprechen? 

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