Sport : Bodenständig durch die Luft

Georg Späth, Deutschlands derzeit solidester Skispringer, ist so etwas wie der Gegenentwurf zu den Teenie-Lieblingen Schmitt und Hannawald

Benedikt Voigt[Innsbruck]

Es ist nicht so, dass die Mädchen unterhalb der Olympiaschanze von Garmisch-Partenkirchen Georg Späth nicht kennen. „Schorschi zieh“ oder, zurückhaltender, „Wir grüßen Georg Späth“ haben einige weibliche Fans auf Plakate gemalt. Der 23-jährige Skispringer hat sie gesehen. „Es ist schön, wenn sie mich unterstützen“, sagt Georg Späth brav. Dann fügt er noch einen Satz hinzu: „Aber mehr auch nicht.“

Die Zeit der skispringenden Popstars in Deutschland ist vorbei. Früher spielten Martin Schmitt und Sven Hannawald noch aktiver mit den Sehnsüchten weiblicher Fans. Bereitwillig suchte die „Bild“-Zeitung fast jährlich eine Freundin für beide, in einem TV-Spot spielte Hannawald sein Image als Mädchenschwarm aus. Inzwischen aber spielen beide sportlich keine Rolle – und der Glamourfaktor des deutschen Skisprungteams sinkt. Das liegt vor allem daran, dass die anderen deutschen Springer noch keine vergleichbaren Erfolge zu verzeichnen haben. Aber auch der besonnene Bundestrainer Peter Rohwein hat Anteil daran, dass eine neue Bodenständigkeit in die Mannschaft eingezogen ist. „Er hat das Zusammenleben in der Mannschaft auf seine Art verändert“, sagt Späth. Und wenn heute das dritte Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck (13.45, live auf RTL) beginnt, liegen die größten Erwartungen auf dem solidesten der deutschen Springer: Georg Späth.

Der 23-jährige Sportsoldat taugt lediglich für sportliche Schlagzeilen. Das aber ist in diesen Tagen ein nicht unwichtiges Talent im deutschen Skisprungteam. Mit seinem dritten Platz beim Neujahrsspringen hat er fast im Alleingang den Niedergang bei der Vierschanzentournee aufgehalten. „Ich hoffe, dass jetzt der Druck von der Mannschaft genommen ist“, sagte Georg Späth, „das gibt Selbstvertrauen.“ Auch der Bundestrainer freute sich: „Bisher hat ein Platz auf dem Podest gefehlt, das ist immer das Salz in der Suppe.“ Das größte Problem im deutschen Team scheint nun der Magen-Darm-Virus zu sein, der Michael Uhrmann befallen hat.

Doch Georg Späths Freude über den Erfolg vom Neujahrstag ist nicht ungetrübt. In Oberstdorf hatte er sich mit einem 21. Platz um alle Chancen auf einen vorderen Platz in der Gesamtwertung der Tournee gebracht. „Die Gesamtwertung interessiert mich zurzeit nicht“, sagt Späth, „wenn ich jetzt noch zwei gute Springen hinbekomme, kann ich nach Bischofshofen noch einmal draufschauen, wievielter ich geworden bin.“ Vor dem heutigen Springen in Innsbruck liegt Michael Uhrmann in der Gesamtwertung als bester Deutscher auf Rang sechs. Georg Späth folgt auf Rang zehn. Im K.-o.-Springen trifft er auf seinen ehemaligen Teamkameraden Michael Möllinger, der jetzt für die Schweiz startet. Späth weiß, was ihm noch fehlt: der ganz große Erfolg. Er ist zwar der beständigste deutsche Springer, zwei dritte Plätze stehen in dieser Saison zu Buche, im Weltcup liegt er auf Rang neun. Doch zu einem Sieg reichte es in seiner Karriere noch nicht. Dass sich daran während der Vierschanzentournee etwas ändert, scheint angesichts der Überlegenheit des Finnen Janne Ahonen undenkbar. In Garmisch-Partenkirchen lag Späth nach dem ersten Durchgang hinter dem Finnen auf Platz zwei, trotzdem hat er nicht einen Moment lang an einen eigenen Weltcupsieg geglaubt. „Es wäre vermessen, wenn ich daran gedacht hätte, Ahonen zu schlagen“, sagt Späth.

Doch er entwickelt sich weiter. Sein Phlegma scheint er abgelegt zu haben. Vor einem Jahr stand der 1,89 Meter große Springer unsicher im Pressezentrum in Garmisch-Partenkirchen. Nun hielt er seine Pressekonferenz als Drittplatzierter souverän und selbstbewusst ab, ohne jedoch großspurig zu wirken. Die neue Rolle als Leistungsträger bekommt Späth auch finanziell gut. Die Sportmarketinggesellschaft IMG managt ihn neuerdings, auf seinem Helm wirbt er für einen österreichischen Waffelhersteller. Das aber ist schon wieder fast alles, was abseits der Schanze bekannt geworden ist. Vielleicht noch dies: Er hat eine Freundin, die in Garmisch-Partenkirchen im Zielraum stand. „Wir haben Silvester kurz zusammen gefeiert“, sagt Späth. Noch so ein Satz, der ihm vielleicht den einen oder anderen Fan kosten könnte. Aber das ist ihm auch nicht wichtig.

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