Sport : Böse, böse Statistik

Warum Albas Basketballer ihre Favoritenstellung einbüßten

Ulrich Hartmann

Leverkusen. Emir Mutapcic schaute fassungslos auf seinen DIN-A4-Zettel. Beinahe angewidert las der Berliner Trainer in den endlosen Zahlenreihen der statistischen Spielanalyse, während neben ihm sein Leverkusener Kollege Heimo Förster gut gelaunt über die zweite Basketball-Play-off-Partie zwischen Bayer Leverkusen und Alba Berlin plauderte und darüber, dass man ja durchaus seine Chancen bekommen könne gegen das übermächtige Alba Berlin – aber dass man sie auch nutzen müsse. Die Leverkusener haben ihre Chance am Montag genutzt, sie haben Berlin mit 106:94 besiegt, und das dritte Viertel hat ihnen gereicht, um den in der Defensive seltsam indisponierten Berlinern davonzueilen.

Weil die Bayer Giants nach sieben Jahren und 16 Play-off-Niederlagen in Serie mal wieder ein Finalrunden-Spiel gegen Berlin gewinnen konnten, steht es nun 1:1 in dieser Viertelfinal-Serie zwischen dem Vorrundenersten aus Berlin und dem Vorrundenachten aus Leverkusen, und das heißt für die Berliner, dass sie nach dem dritten Spiel am Freitag (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) auf jeden Fall am Sonntag noch einmal nach Leverkusen müssen.

Vor allem zwei Zahlen haben Mutapcic am Montag die Laune verdorben: die Defensiv-Rebounds und die Trefferquote. Beide Ziffern wiesen einen deutlichen Vorteil zu Gunsten der Leverkusener aus. Mutapcic wirkte ein bisschen ratlos angesichts dieser Zahlen, die nüchtern dokumentierten, dass die Berliner nur 49 Prozent ihrer Korbwürfe aus dem Feld heraus versenkt hatten (Leverkusen 66 Prozent) und unter dem eigenen Korb gerade mal 16 Rebounds fingen, während die Leverkusener unter dem ihren gleich 29 Bälle kassierten. Diese Zahlen belegen, warum in einem flott und sehr offen geführten Spiel die Gastgeber über hundert Punkte erzielten, während sich die Berliner mit 94 Punkten begnügen mussten.

„Die Statistik sagt alles“, klagte Mutapcic und wedelte mit dem Analysezettel. „Die Leverkusener waren in jedem Bereich besser.“ Die Unterschiede kulminierten im dritten Viertel, das Bayer mit 27:14 für sich entschied. „Da sind wir eingebrochen“, sagte Berlins Spielmacher Mithat Demirel.

Weil die drei anderen Viertel nahezu ausgeglichen endeten, haben die Berliner die Partie letztlich nur binnen weniger Minuten verloren, doch Emir Mutapcic hob nach dem Spiel theatralisch zu einer Grundsatzdiskussion an. „Alle sagen, wir sind Favorit“, sagte er, „aber heute haben wir gesehen: Favoriten gibt es in dieser Liga gar nicht.“ Spiele mit Berliner Beteiligung sind vor allem auswärts nicht mehr vorhersehbar. Schon gar nicht, wenn Alba, der Serienmeister der vergangenen sieben Jahre, so auftritt wie am Montag und wie streckenweise auch im ersten Spiel (92:86), in dem das erste Viertel 24:34 verloren ging. Erst mit der Einwechslung von Henrik Rödl , der durch seinen großen Kampfgeist seine Kollegen mitriss, kippte die Partie. Doch Rödl kann es nicht immer richten.

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