Sport : Böse Regionalliga

Ante S. beschuldigt im Wettskandal zehn Spieler

Frank Bachner,Tanja Buntrock

Berlin - Von den rund 13 000 Zuschauern, die das Stadion von Holstein Kiel fasst, kamen zwar nur 2100 an jenem 1. Mai 2004. Doch sie sahen immerhin einen 3:0-Sieg des Fußball-Regionalligisten gegen den Chemnitzer FC. Für die Fans ein ganz normales Fußballspiel. Nicht aber für Ante S., der als Drahtzieher des Wettskandals gilt. Der Kroate sagte nach Tagesspiegel-Informationen in seinem Geständnis, dass das Spiel manipuliert worden sei. Auch die Regionalliga-Partie Sachsen Leipzig gegen Dynamo Dresden vom 9. Mai 2004 sei verschoben worden. Bislang war von diesen Spielen beim Wettskandal noch keine Rede.

Außerdem nannte Ante S. der Staatsanwaltschaft zehn Regionalliga-Spieler, die in den Skandal verwickelt sein sollen. Die Spieler, die Ante S. erwähnte und die dem Tagesspiegel bekannt sind, standen unter anderem im Kader des Chemnitzer FC, von Sachsen Leipzig und Dynamo Dresden.

Auch zu den Vorwürfen gegen den Berliner Schiedsrichter Dominik Marks sind nach Ante S.’ Geständnis Details bekannt geworden. Sie haben beim Deutschen Fußball Bund (DFB) dazu geführt, dass der Kontrollausschuss des DFB am Freitag vom DFB-Sportgericht offiziell gefordert hat, dass Marks lebenslang als Schiedsrichter gesperrt wird. „Schiedsrichter Marks hat durch sein Fehlverhalten die ihm als Schiedsrichter obliegende Pflicht zu einer neutralen Spielleitung ingröbster Weise verletzt“, heißt es unter anderem in der DFB-Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft wiederum beschuldigt Marks, drei Spiele manipuliert zu haben. Zudem soll er von Ante S. ein Darlehen von 7000 Euro angenommen haben. Marks habe gewusst, dass das Geld aus den Gewinnen manipulierter Spiele gekommen sei. Marks schweigt bislang zu den Vorwürfen. Nach Tagesspiegel-Informationen hat Ante S. ausgesagt, dass Marks von ihm 40000 Euro verlangt habe. Mit dem Geld habe Marks seine Anwälte bezahlen wollen. Er, S., habe ihm das Geld auch gegeben. Marks hatte sich zu Beginn der Ermittlungen von Rechtsanwalt Christian Schößling aus Leipzig vertreten lassen. Schößling hatte das Mandat bis Mitte März, dann gab er es ab.

Der 32-jährige Schößling ist seit 1995 DFB-Schiedsrichter. Schößling sagte auf Nachfrage: „Es besteht derzeit kein Mandatsverhältnis.“ Auf die Frage, warum das Mandat nicht mehr bestehe, antwortete er: „Dies unterliegt der Schweigepflicht.“ Es sei aber nie Druck vom DFB oder sonst irgend jemandem ausgegangen. Schößling: „Ich entscheide stets unabhängig. Eine Beeinflussung durch Dritte ist in jedem Fall auszuschließen.“

Durch das Geständnis von Ante S. dürfte sich auch die Lage seiner beiden ebenfalls inhaftierten Brüder Milan und Filip S. ändern. Der Anwalt von Milan S., Johannes Eisenberg sagte am Freitag: „Wir haben Haftprüfung beantragt.“ Er rechne damit, dass die Staatsanwaltschaft aufgrund der nun neuen Erkenntnissen dem Antrag nachkommt.

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