Bomben auf Boston-Marathon : "Hundertprozentige Sicherheit kann es nie geben"

Der Anschlag von Boston hat die Sportwelt in Alarmbereitschaft versetzt. Die Veranstalter überprüfen ihre Sicherheitskonzepte, die Betreiber des Berliner Olympiastadions sehen sich gerüstet.

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Alljährliches Risiko. Beim Pokalendspiel in Berlin ist das Olympiastadion regelmäßig mit 74 000 Zuschauern gefüllt.
Alljährliches Risiko. Beim Pokalendspiel in Berlin ist das Olympiastadion regelmäßig mit 74 000 Zuschauern gefüllt.Foto: picture alliance / dpa

Am Sonntag werden wieder mehrere tausend Menschen ins Olympiastadion strömen. Hertha BSC spielt dann gegen den SV Sandhausen, mit einem Sieg könnten die Berliner in die Fußball-Bundesliga aufsteigen. Rund 50 000 Zuschauer werden erwartet. Das ist nur ein kleiner Teil im Vergleich zu der halben Million Menschen, die dem Boston-Marathon beiwohnten, aber allemal genug, um ein mögliches Ziel für Anschläge jeglicher Art darzustellen.

Seit Montag, als beim Marathon in Boston drei Menschen durch einen Bombenanschlag getötet und mehr als 170 verletzt wurden, wird im Sport wieder verstärkt über das Thema Sicherheit bei Massenveranstaltungen diskutiert.

Auch in Berlin. Jedes Jahr findet hier im September ein Marathonlauf statt, dazu gibt es oft Welt- und Europameisterschaften in sämtlichen Sportarten oder mit dem Istaf ein großes Leichtathletik-Meeting. Die Events unter freiem Himmel ziehen in der Regel viele Besucher an – und sind damit gleichzeitig ein Sicherheitsrisiko. Die schwer überschaubaren Massen lassen sich nicht vollständig kontrollieren. Daran wird sich auch in Zukunft kaum etwas ändern. Trotz Boston. „Die hundertprozentige Sicherheit kann man nie gewähren“, sagt Bernd Schwintowski von der Betreibergesellschaft Olympiastadion Berlin GmbH. „Das ist bei so großen Menschenansammlungen nicht möglich. Auch jetzt nach den schlimmen Geschehnissen beim Marathon nicht.“

Schwintowski möchte sich zu möglichen neuen Maßnahmen nicht äußern, er sagt nur: „Wir machen uns ständig Gedanken über mögliche Verbesserungen. Dabei besprechen wir uns mit der Polizei und den jeweiligen Mietern.“ Im Falle des Olympiastadions kommt hinzu, dass es nicht nur einen Mieter über das Jahr verteilt gibt. „Wir übergeben das Stadion am Veranstaltungstag nach Abstimmung an den Mieter, der dann für die Sicherheit während der Veranstaltung zuständig ist“, sagt Schwintowski.

In Berlin ziehen nicht nur große Sportveranstaltungen viele Zuschauer an, auch Spiele im normalen Ligabetrieb sind stark frequentiert. Etwa beim Fußball oder Eishockey. Ins Olympiastadion kommen in dieser Saison im Schnitt knapp 40 000 Zuschauer, um in der Zweiten Bundesliga die Spiele von Hertha BSC zu verfolgen. Für die Polizei stellt die Durchführung unter Sicherheitsaspekten eine gewaltige Herausforderung dar, ein großes Umdenken im Bezug auf die Konzepte soll nach dem Anschlag beim Boston-Marathon aber nicht einsetzen. „Unsere Sicherheitskonzepte befinden sich auf einem hohen Niveau und müssen wegen bestimmter Vorfälle nicht geändert werden“, sagt der Berliner Polizeisprecher Michael Maaß.

Näher ins Detail will auch er nicht gehen. „Zu konkreten Sicherheitsvorkehrungen möchten wir aus taktischen Gründen keine Angaben machen.“

Was Berlin betrifft, scheint man vom deutschlandweiten Konsens nicht abweichen zu wollen. Vielerorts heißt es: Unsere Standards sind sehr hoch und vollständig kontrollieren lassen sich Massenveranstaltungen ohnehin nicht.

Ähnlich äußern sich auch internationale Veranstalter. „Es ist immer riskant, wenn eine große Gruppe von Menschen an einem Ort zusammen- kommt“, sagt Nasser Fahad Al-Khater. Er ist Marketing Director des katarischen „Supreme Committee“. Katar richtet 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft aus.

Dann werden vermutlich mehr als eine Million Besucher in den kleinen Golfstaat kommen. Für den Ansturm sieht Al-Khater den WM-Gastgeber bestens gerüstet. „Wir haben bereits ein Sicherheitskomitee gegründet und arbeiten auch mit Interpol zusammen.“ Im Bezug auf die Sicherheit arbeitet auch ein Deutscher in einer entscheidenden Position für Katar 2022 mit. Helmut Spahn war bereits Sicherheitschef bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland und ist nun beim Internationalen Center für Sicherheit im Sport tätig. Das Center hat seinen Sitz in Katars Hauptstadt Doha. „Wir sind der sicherste Staat im Nahen Osten“, sagt Al-Khater.

Als verhältnismäßig sicher schätzt Bernd Schwintowski auch das Olympiastadion ein. „Unser Sicherheitsstandard ist sehr hoch“, sagt er.

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