Sport : Bonbon mit viel Tempo

Lukasz Piszczek überzeugt bei Borussia Dortmund

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Seine schwierigste Prüfung bestand Lukasz Piszczek Ende vorigen Jahres: Da erstattete der Pole Selbstanzeige und gab damit zu, in der Saison 2005/06 an einer Spielmanipulation beteiligt gewesen zu sein. Piszczeks damaliger Klub MKS Zaglebie Lubin benötigte noch einen Punkt für die Qualifikation zum Uefa-Pokal und zahlte dafür 250 000 Euro. In Dortmund, wo Piszczek seit dem vergangenen Sommer unter Vertrag steht, halten sie trotzdem zu ihrem Spieler. Trainer Jürgen Klopp begründet seine Loyalität damit, dass Piszczek seinerzeit in Lubin als Bankdrücker lediglich ein Mitläufer gewesen sei. „Er war weit hinten in der Hierarchie“, sagt Klopp, was an Schiebung gelaufen sei, „haben andere entschieden“. In dem fraglichen Spiel kam Piszczek gar nicht zum Einsatz.

Die Betrugsaffäre, die von der Staatsanwaltschaft Breslau verfolgt wird, ist nur ein kleiner Schatten auf Piszczeks bisheriger Zeit in Dortmund, die in den acht Monaten seit seiner Ankunft glanzvoll verlaufen ist. Der 25-Jährige ist ein echter Allrounder, außer im Tor kann er überall auflaufen. Man habe ihn auch deshalb aus Berlin von Hertha BSC geholt, „weil er so vielseitig einsetzbar ist“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. Und Klopp ergänzt: „Sein hohes Tempo hat uns von Beginn an überzeugt. Und als Bonbon kann Lukasz auch in der Offensive zum Einsatz kommen.“ Dortmunds Trainer liebt Spieler, die sein laufintensives Spiel umsetzen können, und Piszczek, so die Eindrücke nach zwei Dritteln seiner ersten Saison, ist ein typischer Klopp-Spieler. In Dortmund erlebt der polnische Nationalspieler im Vergleich zu seiner letzten Saison bei der Hertha ein krasses Kontrastprogramm. „Der Abstieg tut mir heute noch weh“, sagt er. „Aber das musst du abhaken und nach vorn schauen, sonst belastet es dich zu sehr.“

Diese mentale Übung ist durchaus gelungen, und am Ende der Saison wird Piszczek, der auch heute gegen Köln (20.30 Uhr) wieder rechts verteidigen wird, wohl die Meisterschale in die Höhe halten. Davon sind in Dortmund mittlerweile alle überzeugt. Und seit dem Sieg in München dürfen das die Spieler sogar öffentlich aussprechen.

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