Sport : Boris im Museum

Becker wird in die Ruhmeshalle des Tennis aufgenommen

Bernd-Volker Brahms

Newport. Eigentlich war es wie immer. Boris Becker stand auf dem Tennisplatz, hustete und pustete, wirkte angespannt und bewegte seinen Kopf. Mal nach links und mal nach rechts. So, als würde er sich gerade auf ein Match vorbereiten. Auf einer Bank in einiger Entfernung saßen Freunde, seine ehemalige Frau Barbara und die beiden Söhne. Nur eines stimmte an diesem Nachmittag nicht, Becker trug einen schwarzen Anzug und hielt statt eines Tennisschlägers ein Mikrofon in der Hand. In Newport wurde Boris Becker am Wochenende in einer feierlichen Zeremonie in die Hall of Fame, also die Ruhmeshalle, des Tennissports aufgenommen. Seit 1954 werden in dem Nobelbadeort an der Ostküste der USA die besten Tennisspieler geehrt und in einem Museum präsentiert.

„Ich war überrascht, als ich vor ein paar Monaten informiert wurde“, sagt der 35-jährige Becker. „So alt bin ich ja noch gar nicht.“ Lediglich der Schwede Björn Borg war 1987 bei seiner Aufnahme in die Ruhmeshalle jünger. Viele der bisher 183 Tennislegenden wurden erst Jahrzehnte nach ihrem Karriereende oder gar nach ihrem Tod aufgenommen – so wie der 1978 verstorbene Baron Gottfried von Cramm, der bislang der einzige deutsche Spieler in der illustren Gesellschaft war.

Auf der historischen Tennisanlage in Newport, auf der bereits 1881 das erste Vorläuferturnier der heutigen US Open gespielt wurde, sprach Beckers langjähriger Manager Ion Tiriac die Laudatio. Der Rumäne erzählte vor 4000 Zuhörern von seiner ersten Begegnung mit Becker. Dieser sei damals elf Jahre alt gewesen und habe wie besessen auf den Ball eingeschlagen. Tiriac habe ihm damals gesagt, dass er zu dicke Beine habe und anders trainieren müsse. Das hatte er dann offensichtlich gemacht: Becker wurde mit seinen sechs Erfolgen bei Grand-Slam-Turnieren zu einem der erfolgreichsten Spieler aller Zeiten.

„Der wichtigste Titel war für mich die Verteidigung des Titels von Wimbledon 1986“, sagte Becker in Newport. „Damit habe ich damals bewiesen, dass ich zu den Topspielern gehöre.“ Das ist natürlich schon ein paar Jahre her, für manchen gar zu lange Geschichte. Beim Rundgang durchs Tennismuseum in Newport fragte Beckers neunjähriger Sohn Noah: „Papa, wie alt warst du noch mal, als du zum zweiten Mal Wimbledon gewonnen hast – auch 17?“

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