Sport : Boris Jelzin musste trösten

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Das WM-Finale war verpasst, den Russinnen war zum Heulen, doch sie mussten Haltung bewahren. Boris Jelzin, der ehemalige russische Präsident und oberste Volleyball-Fan seines Landes, hatte die Niederlage von der Loge der Max-Schmeling-Halle aus beobachtet, und nun versuchte er, die Verliererinnen zu trösten. Die klammerten sich fest an ihre Handtücher, während Jelzin mit Nikolai Karpol, dem Trainer der Russinnen, sprach. Die beiden kennen sich noch aus alten Zeiten. Damals war Karpol Trainer bei Uralotschka Swerdlowsk und Boris Jelzin Generalsekretär der KPdSU.

Anzug und Krawatte, weißes Haar und Brille, die Hände in den Hosentaschen: Karpol wirkt wie ein lieber Opa – so lange er nicht den Mund aufmacht. Er gilt als Choleriker, der seine Spielerinnen in den Auszeiten anblafft – kurz, aber scharf. „Show fürs Publikum“ sei das, hat er einmal gesagt – und gestern wurde deutlich, dass das Dauerschreien Aufgabe einer Frau ist: Kotrainerin Walentina Ogujenko zappelte auf der Trainerbank, tippelte mit ihren Füßen auf dem Boden herum und feuerte an. Karpol selbst, dessen Mannschaft bei den letzten beiden Weltmeisterschafts-Turnieren Bronze gewonnen hatte und bei Olympia in Sydney Silber, war am Ende einfach nur traurig. „Ich werde meine Spielerinnen nicht öffentlich kritisieren. Wenn die Mannschaft verliert, ist der Trainer schuld“, sagte er. In der Niederlage bewies er Stil. Helen Ruwald

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