• „Borussia bettelt nicht um Hilfe“ BVB-Präsident Rauball über das Bayern-Angebot

Sport : „Borussia bettelt nicht um Hilfe“ BVB-Präsident Rauball über das Bayern-Angebot

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Herr Rauball, Bayern München und Schalke 04 haben Ihrem angeschlagenen Verein Hilfe angeboten. Wieso haben Sie abgelehnt?

Die Hilfsangebote sind uns nicht persönlich, sondern über die Medien gemacht worden. Wir haben uns mit den Bayern ausgetauscht und dabei erfahren, dass dieses Angebot absolut unkonkret war. Warum in diesem Zusammenhang von Bettelei die Rede war, erschließt sich mir nicht. Mittlerweile hat sich das Thema erledigt. Wir versuchen, unsere Probleme selbst zu lösen.

Die Dortmunder Fans empfanden solche Hilfsangebote als Demütigung.

Zu Recht. Das verletzt den Stolz. Deshalb habe ich auch klargestellt, dass es kein Betteln um Hilfe gegeben hat und auch in Zukunft nicht geben wird. Wir dürfen den Stolz unserer Fans nicht verletzen.

Können Sie sich Stolz bei 98 Millionen Euro Schulden noch leisten? Für Borussia Dortmund geht es nicht nur darum, den Abstieg zu vermeiden, sondern auch darum, überhaupt die Lizenz für die Bundesliga zu erhalten.

Die Lizenzerteilung muss die Geschäftsführung der KGaA bis zum 15. März vorbereiten. Unser Restrukturierungsprogramm ist vorgestellt worden, und wenn diese Punkte alle abgearbeitet werden, bekommen wir auch die Lizenz.

Vor Wochen haben Sie noch gesagt, die Lage sei ernster als vermutet.

Ich stehe zu meiner Einschätzung. Wir erleben die schwierigste Zeit unserer Vereinsgeschichte, stehen vor der wichtigsten Rückrunde überhaupt und müssen froh sein über jedes Erfolgserlebnis, das wir uns Schritt für Schritt erarbeiten können. Auch wenn das nach Rückschritt ausschauen mag, bleibt es der einzig gangbare Weg.

Hatte Ihr Vorgänger Gerd Niebaum das Maß für das Machbare verloren?

Nach meiner Überzeugung sind die dritte Stufe des Ausbaus des Westfalenstadions und der Transfer von Marcio Amoroso Knackpunkte, die wesentlich zur momentanen Situation beigetragen haben. Ein Rückkauf des Stadions oder ein ähnliches Modell wäre ein wesentlicher Schritt, das Thema Amoroso ist nicht mehr zu ändern.

Welche weiteren Schritte planen Sie?

Wir werden die Personalkosten auf unter 30 Millionen Euro senken und sie damit im Vergleich zu den Zeiten eines Amoroso halbieren.

Borussia Dortmund ist also kein Großeinkäufer mehr, sondern nur noch Schnäppchenjäger?

Der beste Einkauf in den letzten Jahren war Christoph Metzelder, der als Amateur von Preußen Münster geholt wurde. Es ist doch viel anspruchsvoller, solche Leute zu finden.

Ist es den verwöhnten Fans vermittelbar, auf Sicht keine Stars zu holen?

Ich würde dem Publikum gerne Spieler präsentieren, deren Namen internationalen Klang haben. Aber das ist ausgeschlossen. Wir brauchen Leute, mit denen sich die Fans identifizieren können. Leute, die weit weg sind vom Begriff Millionario.

Wird es einen Weg zurück in die Champions League geben?

Wir haben ja schon über den Wechsel der Politik beim BVB geredet. Es macht keinen Sinn, nach den Sternen zu greifen und zu vergessen, wo der Boden ist.

Nachdem publik geworden ist, dass Sie ein Jahresgehalt von 480 000 Euro beziehen, mutmaßte der „Kicker“, Sie predigen Wasser und trinken Wein.

Alles wurde von einem Juristen geprüft, vom Präsidialausschuss genehmigt und dem Aufsichtsrat vorgelegt. Mehr Transparenz geht nicht. Im Übrigen habe ich bislang noch keinen Cent in Anspruch genommen. Herr Niebaum verzichtet auf Bezüge in Höhe meines Honorars, weil er diese Arbeit nicht mehr macht. Da wir nach dem Ausstieg von Stefan Reuter dessen Gehalt als Teammanager sparen, ergibt das auf der Ebene der Geschäftsleitung eine erhebliche Reduzierung der Kosten. Für mich ist klar, dass es Zahlungen an mich nur geben kann, wenn die finanzielle Lage stabilisiert worden ist.

Das Gespräch führte Felix Meininghaus.

Reinhard Rauball, 58,

ist Präsident des Fußball-Bundesligisten

Borussia Dortmund. Der gelernte Jurist übernahm das Amt

im November 2004

von Gerd Niebaum.

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