Sport : Borussia bin ich

Aktionär Homm will in Dortmund allein regieren

Felix Meininghaus

Dortmund – Es ist nicht leicht, Bert van Marwijk aus der Fassung zu bringen. Der Niederländer ist ein ausgeglichener Mensch, doch gestern hat sich der Trainer von Borussia Dortmund nach eigener Aussage „unglaublich geärgert. Ich lasse mich nicht von einem Mann wegschicken, der nicht in Dortmund wohnt, noch kein Spiel des BVB gesehen hat und mich nicht kennt.“ Er meinte Florian Homm. Der hatte verkündete, einer wie Bielefelds Trainer Uwe Rappolder würde gut zum BVB passen. Dabei hatte der neue Großaktionär des Börsenklubs zuvor noch von sich selbst behauptet, von Fußball keine Ahnung zu haben: „Ich bin ein Laie.“

Doch schon am Dienstag bei der Aktionärsversammlung war klar geworden, wer inzwischen der wichtigste Mann im Klub ist. Während die angeschlagenen Geschäftsführer Gerd Niebaum und Michael Meier ihre Wortbeiträge in aller Demut vortrugen, trat Florian Homm wesentlich resoluter auf. Nach drei, vier energischen Schritten war er am Rednerpult und las den Verantwortlichen für die 118 Millionen Euro Schulden beim Bundesligisten schonungslos die Leviten. Niemand widersprach dem Neckermann-Erben, denn er allein lässt den Verein mit seinem Geld überleben. Sein Motiv? „Mir geht es darum, aus dem Investment einen Return zu bekommen“, sagt Homm. Reinhard Rauball wird bei dieser Aussage beruhigt in sich hinein gelächelt haben, denn sie nährte die Hoffnung, dass der neue Vereinspräsident zumindest im sportlichen Bereich die Entscheidungshoheit behält.

Ein Irrtum, wie sich schnell herausstellte. In der Dortmunder Vereinszentrale brach nach Homms öffentlichem Angriff auf den eigenen Trainer Chaos aus. Schnell ließ Rauball eine Presseerklärung herausgeben, in der er mitteilte, Homm habe über die Belange in der Abteilung Profifußball nicht zu befinden. Zumindest vorläufig scheint er sich durchgesetzt zu haben. Homm kündigte per Fax an, dass es „weitere Aussagen zum Thema Sport von mir nicht geben wird“. Allerdings stand nicht darin, wie lange dieses Zugeständnis gilt.

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