Borussia Dortmund : Den Rückschlag kleingeredet

Das Dortmunder Spiel gibt Rätsel auf. Es war nicht nur die Anfangsphase, die Zweifel an der diesjährigen Leistungsstärke der Dortmunder weckte. Trainer Jürgen Klopp versucht nun den Rückschlag kleinzureden.

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Jürgen Klopp, der Trainer von Borussia Dortmund, brüllt vom Spielfeldrand.
Trainer Jürgen Klopp versucht - vergeblich - sein Team zu Höchstleistung anzuspornenFoto: dpa

Mit dem Statistikzettel in den Händen versuchte Jürgen Klopp dem Spiel etwas Gutes abzugewinnen: „26 Torschüsse, da kann man eigentlich nicht meckern.“ Massenhaft Chancen hatte sich Borussia Dortmund beim Hamburger SV herausgespielt, doch am Ende stand vor allem wegen schlampiger Defensivarbeit eine 2:3-Niederlage. Klopp sagte: „Wir haben 31 Mal nicht verloren, da kann man nach der ersten Niederlage nicht so viel Negatives über die Mannschaft sagen. Aber es war einfach ein sehr schlechter Anfang von uns.“ Von Hochmut beim Meister vier Tage nach dem Start in die Champions League gegen Ajax Amsterdam wollte Klopp nichts wissen: „Wir waren nicht arrogant, wir haben nur viele Fehler gemacht.“

Trotzdem wirkte es, als wolle Dortmund den HSV im Vorbeigehen besiegen. Das misslang, weil Hamburg die frühe Schläfrigkeit der Dortmunder ausnutzte und im Grunde die gesamte Spielzeit von dem frühen 1:0 durch Son in der zweiten Minute profitierte. Das sah auch Klopp so: „Wenn der Gegner nicht gerade von Selbstvertrauen beseelt ist, darfst du ihm nicht mit so einer Anfangsphase beschenken.“ Da kam dann doch etwas Zorn beim Coach durch; er berichtete, seine Elf vor genau diesem Verlauf gewarnt zu haben: „Wenn der HSV führt, ist das Stadion da, sie werden wie verrückt kämpfen und wir kriegen unsere Probleme.“ Genau so kam es.

Es war allerdings nicht nur die Anfangsphase, die Zweifel an der diesjährigen Leistungsstärke der Dortmunder weckte. Nach Perisics glücklichem Ausgleichstreffer in der 46. Minute, ließ Klopps Team zu schnell wieder nach, anstatt den bekannt lauf- und kampfstarken Fußball à la BVB zu zelebrieren. So gestattete Dortmund den Hamburgern das 2:1 durch Ivo Ilicevic in der 55. Minute und das 3:1 durch Son vier Minuten später. Nur phasenweise flackerte die enorme Offensivstärke der Dortmunder auf. Mehr als Perisics 3:2 in der 60. Minute wollte dieses Mal aber nicht gelingen. Besonders selbstkritisch wirkten die Dortmunder nicht. „Wir müssen das Spiel 5:3 gewinnen“, sagte Nationalspieler Mats Hummels, „wir hatten genug Möglichkeiten, auch drei Hamburger Tore auszugleichen.“ Die Wahrheit war eher, dass Dortmund (auch wegen Hummels Fehler) hinten anfällig wirkte und nach vorn nicht den Schwung ins Spiel brachte, den man vom BVB kennt. Weder Mario Götze noch Marco Reus überzeugten am Samstag.

Videointerview mit Jürgen Klopp: "Fehler wurden gemacht."

In Tateinheit mit dem überzeugenden Münchner Sieg beim FC Schalke schmerzte die Hamburger Niederlage wohl doch mehr, als mancher Dortmunder zugeben mochte. Nach vier Spieltagen haben die Bayern bereits fünf Punkte mehr. Gut, in der Vorsaison waren die Bayern einmal sogar acht Punkte enteilt, und der BVB holte sie trotzdem noch ein. Derzeit wird man aber das Gefühl nicht los, dass die Münchner die Vielzahl an Spielen genießen, damit sich die Mannschaft einspielen und Trainer Heynckes alle Möglichkeiten zur Rotation ausprobieren kann. Ob Dortmund der Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und Champions League standhält, ist hingegen eine der spannenden Fragen in dieser Frühphase der Saison.

Aus München hatte man bereits ein großes Fragezeichen hinter die Belastbarkeit des großen Rivalen gesetzt. In Dortmund hält man das Thema aber lieber klein. Das Amsterdam-Spiel habe nichts mit der Hamburg-Niederlage zu tun, sagte Verteidiger Neven Subotic. Schaut man den Kader an, müsste es Klopp eigentlich gelingen, den Kräfteverschleiß seiner Profis in Grenzen zu halten: beim HSV saßen in Sven Bender, Jakub Blaszczykowski, Kevin Großkreutz und Julian Schieber vier Profis auf der Bank, die auch Stammkräfte sein könnten. Wie sehr die Champions League der Dortmunder Leistungskraft in der Bundesliga schadet, wird man wohl erst am Ende der Hinrunde sagen können.

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