Borussia Dortmund : Der instinktive Moderne

Dortmunds Verteidigung steht im Gegensatz zur letzten Saisons gut. Ein Verdienst von Neven Subotic. Er verkörpert den neuen Typ eines Innenverteidigers.

Stefan Hermanns[Cottbus]
Subotic
Neven Subotic -Foto: dpa

Vermutlich gibt es nicht allzu viele Fußballer, die sich so gewissenhaft auf ein neues Umfeld vorbereiten wie Neven Subotic. Der 19-Jährige scheint fast wissenschaftliche Studien betrieben zu haben, als sein Wechsel aus Mainz zu Borussia Dortmund anstand. Er habe „schon mal nachgeforscht“, dass viele Verteidiger, die in der Zweiten Liga als Torschützen auffällig geworden sind, „in der Bundesliga keine Tore mehr gemacht haben“, berichtete Subotic nach dem 1:0-Sieg der Dortmunder in Cottbus. „Ich wollte keiner sein.“ Diese Gefahr besteht nicht mehr. Den einzigen Treffer in Cottbus erzielte Neven Subotic.

Mit seinem zweiten Saisontor machte er aus dem Erfolg des BVB endgültig einen Sieg der Innenverteidigung. Als die Cottbuser am Ende auf den Ausgleich drängten, sicherte Subotic mit dem gleichaltrigen Mats Hummels den Erfolg. Wie er und sein Kompagnon sich der Bedrohung erwehrten, die Gefahren zeitig erkannten, „das haben sie sensationell gut gemacht“, fand ihr Trainer Jürgen Klopp. Im Grunde hatte es Hummels noch ein bisschen sensationeller gemacht als sein Nebenmann. Subotic erlaubte sich einige Fehler, hier einen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, da einen Stellungsfehler in der Verteidigung. Hummels hingegen besitzt ein instinktives Gefühl für die moderne Form der Verteidigung. Er erobert den Ball im Raum, nicht im Nahkampf Mann gegen Mann.

Abwehrspieler, die das räumliche Denken beherrschen, sind hierzulande immer noch selten. Die Deutschen haben so lange ihrer Manndeckertradition vertraut, bis ihnen eine komplette Generation moderner Viererkettenverteidiger fehlte. Es ist kein Zufall, dass Hummels’ Planstelle in der vorigen Saison noch von Christian Wörns, dem letzten Vertreter der Mannheimer Vorstopperschule, besetzt war. Genauso wenig ist es ein Zufall, dass die Bundesliga allein in diesem Sommer zwölf ausländische Innenverteidiger verpflichtet hat.

Die Innenverteidigung ist im deutschen Fußball eine Art Notstandsgebiet, jetzt aber drängen die ersten Vertreter einer neuen Verteidigerschule in die Bundesliga: Serdar Tasci beim VfB Stuttgart, der Schalker Benedikt Höwedes, Marvin Compper aus Hoffenheim, und die beiden Dortmunder Hummels und Subotic. Ihre Karriereaussichten sind glänzend. Wer als deutscher Innenverteidiger Stammspieler ist, wird mangels Masse fast automatisch ein Kandidat für die Nationalmannschaft.

Bei Subotic stellt sich die Sache etwas komplizierter dar: Er ist gar kein Deutscher. Subotic ist in Banja Luka geboren, er hat den amerikanischen Pass und für die USA schon an der U-17-WM teilgenommen. Wenn man seine Andeutungen aber richtig deutet, hat er eine Art Bewerbung an den Deutschen Fußball-Bund abgeschickt. Er könne für viele Länder spielen, berichtete er, für die USA natürlich, aber auch den ganzen Balkan. Seine Entscheidung steht noch aus, nur Bosnien hat er abgesagt. Das deutet darauf hin, dass sich Subotic von rationalen Erwägungen leiten lässt. Die Chance, mit Bosnien Weltmeister zu werden, muss als eher gering gelten.

„Er ist ein Globetrotter“, sagt Klopp über Subotic. „Da ist es schwierig, ein absolutes Heimatgefühl zu entwickeln.“ Beim TSV Schwarzenberg in der Nähe von Pforzheim hat Subotic mit dem Fußball angefangen. Später zog seine Familie in die USA, mit 16 kehrte er alleine nach Deutschland zurück. Klopp hätte nichts dagegen, würde sich Neven Subotic für den DFB entscheiden. „Mir wäre es lieb, er müsste nicht so weit fahren“, sagt er. „Gold-Cup oder so was muss nicht sein.“

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