Sport : Borussia Dortmund: Fehler in der Dramaturgie

Glanzlos der Sieg, glänzend die Perspektiven - beim einstigen Weltpokalsieger Borussia Dortmund wächst der Glaube an bessere Zeiten. Mit einem 2:0-Arbeitssieg über den FC Energie Cottbus festigte der Fast-Absteiger der vorigen Saison nicht nur den dritten Tabellenplatz, sondern tankte dank des Doppelschlags von Christian Nerlinger (65.) und Fredi Bobic(66.) zum Bundesliga-Wiederbeginn zusätzlich Selbstvertrauen. Selbst ein Berufspessimist wie Matthias Sammer, der kurzfristig auf den erkrankten Rekord-Einkauf Tomas Rosicky verzichten musste, wittert nach acht Spielen ohne Niederlage seine Chance. Der Trainer der Dortmunder sagte: "Wir haben noch reichlich Potenzial - nach oben offen."

Sammer hat allen Grund zur Zuversicht: Seit der mit viel Hohn und Spott bedachten 2:6-Schlappe beim FC Bayern München am 4. November 2000 gewann sein Team bei einem Torverhältnis von 14:3 immerhin 20 von 24 möglichen Punkten. Der Prognose von einem bevorstehenden Spitzenkampf begegnete Fredi Bobic jedoch mit Argwohn: "Wir lassen uns jetzt nicht locken und zu irgendwelchen Aussagen hinreißen. Es bleibt noch viel zu tun, um sich oben zu etablieren."

Vor allem die mäßige erste Halbzeit offenbarte die Schwächen der Borussia. "Da hat man gesehen, warum wir Rosicky geholt haben", sagte Manager Michael Meier den über weite Strecken unbeholfenen Spielaufbau. Auf das angekündigte Bundesliga-Debüt des hochgelobten Tschechen wartete der Dortmunder Manager zusammen mit rund 20 eigens angereisten Prager Journalisten jedoch vergeblich. Eine über Nacht erlittene Mandelentzündung zwang den 20 Jahre alten 25-Millionen-Einkauf zum Zusehen. "Vereinsarzt Preuss hat mir kurz in den Hals geschaut und nur gesagt: Mein Gott", erzählte Rosicky. "Dabei war die ganze Dramaturgie auf Rosicky ausgerichtet", ärgerte sich der Dortmunder Manager Meier.

Weil zudem Sunday Oliseh, Victor Ikpeba, Otto Addo und Giuseppe Reina fehlten, musste der noch leicht Grippe geschwächte Jan Derek Sörensen seinen Einstand bei Borussia Dortmund geben. Befürchtungen, wonach der Norweger nach seiner schlagzeilenträchtigen Doppelunterschrift in München und Dortmund mit Pfiffen empfangen werden könnte, bestätigten sich nicht. Nach einer passablen Vorstellung verabschiedeten ihn die Fans im Westfalenstadion bei seiner Auswechslung in der 78. Minute mit Applaus.

Der Beifall der Cottbuser Fans für das eigene Team fiel ungleich bescheidener aus. Nach der siebten Auswärtsniederlage dieser Saison haderte Eduard Geyer einmal mehr mit der bedenklichen Chancenverwertung. Gute Kontermöglichkeiten durch Sebastian Helbig (3.) und Moussa Latoundji (40., 59.) blieben ungenutzt. Immer noch wartet der Aufsteiger auf den ersten Auswärtssieg in der Bundesliga. "Wir sind zu liederlich. Nur zu kämpfen reicht nicht, manchmal muss man einfach ins Tor treffen", klagte der Cottbuser Coach. Der Trainer hofft trotz wachsender Abstiegssorgen auf ein Happy End für seine Mannschaft. Eduard Geyer rechnete den Journalisten vor: "Wir treten jetzt noch acht Mal auswärts und sieben Mal zu Hause an. Jedes dieser Spiele müssen wir betrachten, als wäre es ein Endspiel."

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