Sport : Borussia Dortmund: Fit für die deutsche Champions League

Oliver Trust

Da saßen die Helden in Schwarz-Gelb in ihrer Kabine am Betzenberg. Frisch geduscht, schaufelten sie nach dem 4:1 über Kaiserslautern Nudeln mit Tomatensoße und Gemüse in sich hinein, dachten an Manchester United und Bayern München. Nicht, dass die Dortmunder am Dienstag etwa gegen den berühmten Klub aus England spielen werden. Die Herren der Aktiengesellschaft aus Dortmund aber schauen sich ganz genau an, wie die Bayern in Manchester spielen, damit sie vorbereitet sind für das, was sie die deutsche Champions League nennen, dieses Duell mit dem Tabellenführer am Samstag im Westfalenstadion, das schon zum Endspiel um die Deutsche Meisterschaft ausgerufen wird.

Der BVB hat sich zurückgemeldet im Kreis der Großen und hegt nach Wochen der Bescheidenheit neue Ziele. Es war ein karges Arbeitsessen einer Mannschaft, die endlich bewiesen hat, "dass wir auch Spitzenspiele gewinnen können. Das war wichtig, damit das ganze Gerede aufhört", sagte Trainer Matthias Sammer. "Jetzt können wir voll angreifen." Mit einem breiten Grinsen kamen sie durch die Tür. Einer nach dem anderen. Auftritte der Sieger. Hände lässig in den Taschen, Gel in den Haaren, die Schnürsenkel hingen aus den Turnschuhen. Sie glauben wieder an sich und sehen sich auf dem Weg zum Bayern-Jäger Nummer eins weit vorne. War dieser Sieg in Kaiserslautern ein erster Warnschuss für ihren ehemaligen Trainer Ottmar Hitzfeld und seine Bayern? "Am Samstag werden die Ziele neu definiert", sagte Lars Ricken nach dem ersten Sieg nach fast 14 Jahren in Kaiserslautern. "Hier sind wir sonst immer wie die geprügelten Hunde vom Platz geschlichen. Jetzt ist die Ausgangsbasis gut."

4:1 auf dem Betzenberg - das war so etwas wie ein Reifezeugnis. "Wir haben, abgesehen von Hertha, immer gegen die Spitzenteams schlecht ausgesehen", sagte Jürgen Kohler. "Die Mannschaft wächst zusammen. Aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen." Sie wollen die Bayern stürzen, gleich nächsten Samstag. Und nun glauben sie daran, dass sie endlich die Kraft haben. "Wir können die Bayern schlagen, das wissen wir", sagte Stürmer Otto Addo, einer der Matchwinner von Kaiserslautern. Drei Tore hat er mit vorbereitet. Fredi Bobic, Addo selbst, Lars Ricken und Jörg Heinrich - sie alle spielten groß auf und führten die Pfälzer vor. Bei denen sprach nach der Niederlage nur einer noch vom Titel, und der hätte besser geschwiegen. "Wir werden trotzdem Meister", tönte Mario Basler, und das, obwohl er einen mehr als unangenehmen Abend verbracht hatte. Den selbstbewussten Super-Mario nahmen die Dortmunder am Sonntag ordentlich auseinander. Selten ist ein Libero so entzaubert worden. "Wir stehen wieder auf", sagte er, von der Nationalmannschaft hat er diesmal nichts erzählt. Aber Basler weiß auch, dass sich ein Klassenunterschied offenbarte. "Ich hoffe, das ist ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit. So haben wir mit dem Titel nichts zu tun." Hatte er nicht gerade gesagt, Kaiserslautern werde trotzdem Meister?

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