Borussia Dortmund gegen Bayern München : Die Probleme des Mario Götze

Mario Götze sucht wie Borussia Dortmund seine Form. Dass jetzt auch noch das Topspiel gegen Bayern München ansteht, macht es nicht leichter.

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Mario Götze am Donnerstag beim Mannschaftstraining von Borussia Dortmund.
Es läuft nicht. Mario Götze am Donnerstag beim Mannschaftstraining von Borussia Dortmund.Foto: imago/Kirchner-Media

Auch an diesem Abend warten die meisten Reporter vor allem auf ihn. Kurz vor Mitternacht ist es so weit. Der kräftige junge Mann mit der adretten Frisur und dem Dreitagebart tritt vor die Mikrofone und liefert Statements wie dieses: „Das ist nicht unser Anspruch, definitiv nicht.“ Oder: „Das darf uns nicht passieren, wir müssen vor dem Tor eiskalter sein.“

Sätze für die Ewigkeit sind das nicht, doch darauf kommt es an diesem Abend, an dem sich Borussia Dortmund zu einem 1:1 gegen Apoel Nikosia gequält hat, auch nicht an. Mario Götze ist immer noch das prominenteste Gesicht im mit Prominenz gespickten Kader von Borussia Dortmund. Schließlich hat dieser junge Mann Dinge erlebt, von denen nur die wenigsten Fußballer berichten können. Vor allem natürlich jenen Moment am 13. Juli 2014, der noch Generationen überdauern wird. Wer ein WM-Finale entscheidet, wie es Götze gegen Argentinien gelang, steigt zum ewigen Helden auf.

Doch all der Glanz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Alltag des einstigen Wunderknaben so grau und ungemütlich daherkommt wie ein wolkenverhangener Herbsttag im Revier. Für den begnadeten Fußballer Mario Götze gilt derzeit das Gleiche wie für den gesamten BVB: Es läuft nicht. Nach mitreißendem Saisonstart ist der Klub immer weiter in die Bredouille geschliddert. Mittlerweile ist die Mannschaft von ihrer Form so weit entfernt, dass sie sich und ihren Fans immer rätselhafter wird.

Die Formkrise von Mario Götze passt also perfekt ins Gesamtbild. Der 25-Jährige sucht nach der Genialität und dem Selbstverständnis, die sein Spiel früher so hinreißend machten. Die fehlende Leichtigkeit hat viel mit der Krankengeschichte zu tun, die Götze neben vielen Verletzungen durchleiden musste. Im Februar wurde bei ihm eine Stoffwechselkrankheit diagnostiziert, die ihn monatelang außer Gefecht setzte. Seit seiner Genesung kämpft er verbissen darum, wieder in die Verfassung zu kommen, die ihn einst zu einem der großen Hoffnungsträger des Weltfußballs machte.

Wieder im Nationalteam

Immerhin: Bundestrainer Joachim Löw hat ihn für die anstehenden Länderspiele erstmals seit einem Jahr wieder in die Nationalmannschaft berufen. Und sein Vereinstrainer Peter Bosz stärkt ihm mit nicht nachlassendem Langmut den Rücken, überhaupt betonen sie in Dortmund immer wieder, Götze alle Zeit zu geben, die er benötigt. Bis dahin bleibt der Rückkehrer aus München ein Versprechen, das darauf wartet, eingelöst zu werden.

Alles in allem fällt das Arbeitszeugnis gar nicht mal so schlecht aus: Götze läuft viel, bietet sich an, ist ständig unterwegs. Doch das, was ihn eigentlich ausmacht, ist irgendwo zwischen Bayern und dem Ruhrgebiet auf der Strecke geblieben: die explosiven Tempodribblings, überraschende Richtungswechsel, die Geistesblitze, mit denen eine Abwehr ausgehebelt werden kann.

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Wenn Götze darauf angesprochen wird, verweist er darauf, er interpretiere sein Wirken nun anders als zu seiner Sturm-und-Drang-Phase. Den unwiderstehlichen Mario von früher werde es nicht mehr geben, mit 25 sei er gereift und bevorzuge einen anderen Stil. Eher aber scheint es so, dass Götze immer noch am liebsten all das zeigen würde, was die Menschen in Dortmund herbeisehnen. Dass er dazu aber derzeit schlicht nicht in der Lage ist.

Der Ist-Zustand sieht so aus: willig, fleißig, bieder, einfallslos. Ausgerechnet in dieser Phase kommt an diesem Samstag mit dem Rekordmeister aus Bayern der schwerstmögliche Gegner nach Dortmund. „Wir müssen nach vorn schauen, wir haben ein Spiel zu Hause, das sehr, sehr wichtig für uns ist“, sagte der ehemalige Münchner Götze über das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem Zweiten und dem Ersten. Er sprach über die Mannschaft des BVB, doch es klang, als referiere er über sich selbst: „Wir wollen den Fans, die ins Stadion kommen, mal wieder was bieten.“

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