Sport : Borussia Dortmund gegen Hertha BSC: Rollentausch im Westfalenstadion

Frank Bachner

Ist ja doch im Moment ziemlich unterhaltsam, die Geschichte. Auch für Leute, die es sonst nicht so mit Aktien haben. Ein Klick ins Internet, verbunden mit der Frage: Fällt der Kurs? Oder steigt er etwa? Aber, ehrlich gesagt: Rechnet denn einer momentan ernsthaft damit, dass ausgerechnet dieser Wert steigt? Der Kurs der Aktie von Borussia Dortmund, des ersten deutschen Fußballklubs, der an die Börse gegangen ist? Nein, das glaubt natürlich keiner nach dem 2:6 gegen Bayern München, der dritten Dortmunder Niederlage in Serie, der höchsten seit neun Jahren. Unklar ist nur, wie stark der Wert fällt. Gestartet war das Dortmunder Wertpapier vor zwölf Tagen mit elf Euro. Gestern eröffnete die BVB-Aktie mit 9,66 Euro, stürzte auf 9,60 Euro und stieg dann bis auf 9,68 Euro. Am Dienstag lag der Schlusskurs noch bei 9,75 Euro.

Heute ist nicht mit einem tiefen Sturz zu rechnen. Dortmund spielt erst um 20 Uhr 15 gegen den Tabellenführer Hertha BSC im Westfalenstadion, da ist die Börsen schon geschlossen. Gut möglich aber, dass die Aktien am Montag zur Eröffnung der neuen Börsenwoche dort steht, wo Manager Uli Hoeneß am vergangenen Sonnabend nach dem 6:2-Sieg seiner Bayern mit dem Finger hindeutete: tief unten.

Kurssturz, drohende BVB-Niederlage im Westfalenstadion - ausgerechnet gegen Hertha BSC? Das hört sich ein bisschen seltsam an, wenn "Sport Bild" gleichzeitig auflistet, dass Hertha in den letzten fünf Spielen vier mal klar verlor, der BVB die letzten sieben Heimpartien gewann und Hertha-Manager Dieter Hoeneß gestern verkündete, "dass wir nicht vor Ehrfurcht erstarren dürfen". Nur: So seltsam ist das alles gar nicht. Das ist schlicht die Reaktion auf einen Rollentausch. Borussia Dortmund ist nicht mehr der schärfste Konkurrent der Bayern, auch in dieser Saison nicht.

Dafür starren nun alle auf Hertha BSC. Tabellenführer! Das hört sich zwar gewaltiger an, als es in Wirklichkeit ist. Noch ist Hertha kein ernsthafter Titelaspirant. Außerdem fühlen sich die Berliner noch längst nicht stark genug, um an die Börse zu gehen. Am 26. November, bei der Mitgliederversammlung, sollen lediglich die Zustimmung für die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft eingeholt werden. Und dieser Schritt, betont Hoeneß, "ist nicht verbunden mit dem Muss, Geld zu verdienen".

Aber Hertha BSC ist allemal stark genug für einen starken Auftritt im Westfalenstadion. Denn in Dortmund tauchen schon Horrorvisionen auf von einem drohenden Abstieg, wie in der vergangenen Saison. Nationalkeeper Jens Lehmann stellte bereits fest, "dass wir spielerisch nicht viel stärker geworden sind als im letzten Jahr".

Na also. Wenn Bayern München derzeit auf eine Mannschaft aufpassen muss, dann sind es die Berliner. "Wenn wir aus den nächsten beiden Spielen vier Punkte holen, überwintern wir auf einem Spitzenplatz", sagt Hoeneß. Spielmacher Stefan Beinlich kann sich in Dortmund aktiv daran beteiligen. Der angeschlagene Nationalspieler signalisierte gestern nach dem Abschlusstraining: Ich kann spielen. Dafür fallen die verletzten Dariusz Wosz und Andreas Schmidt aus. Defensivmann Schmidt hat allerdings schon seinen öffentlichen Auftritt: Er vertrat den Verein bei der Kundgebung gegen Rassismus.

So wollen sie spielen

Dortmund: Lehmann - Wörns, Metzelder, Kohler - Addo (Evanilson), Stevic, Ricken, Dede - Reina.

Hertha BSC: Kiraly - Rehmer, van Burik, Konstantinidis - Deisler, Veit, Beinlich Tretschok, Hartmann - Preetz, Alves.

Schiedsrichter: Meyer (Braunschw.).

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