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Borussia Dortmund - Hertha BSC 2:0 : Herthas Abwärtstrend hält an

Durch das 0:2 bei Borussia Dortmund setzt sich der Abwärtstrend von Hertha BSC fort - die Dardai-Elf kommt der Abstiegszone immer näher. Sorgen macht auch die Einstellung der Hertha nach dem Spiel.

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Jubel bei Borussia Dortmund, Trauer bei Hertha BSC um Sebastian Langkamp (li.).
Jubel bei Borussia Dortmund, Trauer bei Hertha BSC um Sebastian Langkamp (li.).Foto: dpa

Pal Dardai bewegte sich kaum mehr als ein Wachsoldat vor dem Buckingham Palace. Der Ungar stand, leicht breitbeinig, an der Seitenlinie, die Arme vor der Brust verschränkt. So sieht ein Trainer aus, der der Ansicht ist, dass auf dem Platz alles in den richtigen Bahnen läuft. Oder einer, der den Eindruck hat, dass er von außen sowieso nichts Entscheidendes mehr ändern kann. Beim Auswärtsspiel des Berliner Fußball-Bundesligisten in Dortmund dürfte Dardai eher das Gefühl der Hilflosigkeit geplagt haben. „Wir haben heute nichts verdient“, sagte Herthas Trainer. Seiner Mannschaft gelang gegen Borussia Dortmund nach vorne nichts, hinten machte sie zu viele Fehler, so dass am Ende eine verdiente 0:2 (0:1)-Niederlage heraussprang.

Während die Berliner damit noch mehr in Not geraten, rückten die Dortmunder auf Platz sieben vor, der ihnen (als Pokalfinalist) auf jeden Fall für die Qualifikation zur Europa League genügt. Für Borussias Trainer Jürgen Klopp fühlt er sich an „wie der Platz an der Sonne: Von hinten haben wir zwar Druck, aber nach vorne haben wir eine Perspektive.“ Hertha hingegen hat nach der dritten Niederlage hintereinander nur noch Druck von hinten.

In den vergangenen Jahren, als der BVB noch mit den Bayern die Liga beherrschte, hatten die Berliner zwei Mal hintereinander in Dortmund gewonnen; diesmal waren sie chancenlos, obwohl die Borussen nur noch gehobenes Mittelmaß sind. Die Dortmunder erstickten schon zu Beginn jeglichen Spieltrieb der Berliner schon im Keim. Wagte sich Hertha mal, was selten genug geschah, über die Mittellinie, war der Ball gleich wieder weg. „Wir waren ein bisschen blockiert, ein bisschen ängstlich“, sagte Dardai.

Dardai: "Die erste Halbzeit kann man komplett vergessen"

Wenn man nach vorne wenig zustande bringt, sollte man zumindest hinten sicher stehen. Herthas Verteidigung aber präsentierte sich erstaunlich sorglos. Nach der ersten Ecke des BVB kam Mats Hummels frei zum Kopfball – der Ball flog über die Latte. Bei der zweiten Ecke nur zwei Minuten später stand erneut einer der bekanntermaßen kopfballstarken Dortmunder Innenverteidiger völlig frei. Neven Subotic traf zum 1:0, Herthas verantwortliche Verteidiger Sebastian Langkamp, Marvin Plattenhardt und John Anthony Brooks schauten sich nur fragend an.

„Danach war das Spiel schwierig für uns“, sagte Peter Pekarik. Erst fünf Minuten vor Ende der ersten Halbzeit kamen die Berliner zu ihrer ersten Offensivaktion. Valentin Stocker setzte den Ball von der Strafraumgrenze weit übers Dortmunder Tor. Es war der erste und einzige Torschuss der Berliner vor der Pause, eine echte Chance sollte bis zum Schlusspfiff nicht mehr herausspringen. „Die erste Halbzeit kann man komplett vergessen“, sagte Dardai. Zur zweiten brachte er Sandro Wagner für Salomon Kalou. Der Ivorer hatte ganze 13 Ballkontakte gehabt und sich keine allzu große Mühe gegeben, seine Lustlosigkeit zu verbergen. Als er nach dem Spiel um einen Kommentar gebeten wurde, lachte er nur.

Ist Hertha der Situation gewachsen?

Was auch immer sich Dardai von diesem Wechsel erhofft hatte, es war umgehend hinfällig. Mit dem ersten Angriff der zweiten Hälfte bauten die Dortmunder ihre Führung aus: Erik Durm zog von der rechten Seite nach innen und schlenzte den Ball mit links zum 2:0 ins Tor. Torhüter Thomas Kraft sank auf den Boden und hob flehend die Hände zum Himmel. Allein mit irdischen Mitteln waren die Berliner ihrem Gegner, der im Anschluss sogar noch einige Konterchancen vergab, an diesem Nachmittag nicht gewachsen.

Inzwischen drängt sich auch immer mehr die Frage auf, ob Hertha der sich zuspitzenden Situation gewachsen ist, vor allem mental. „Wir haben alles in eigener Hand“, sagte Peter Pekarik. „Wir verfallen nicht in Panik.“ Allerdings hat sich die Mannschaft mit nun fünf Spielen ohne Sieg selbst in eine psychologisch interessante Lage gebracht. Nachdem die Berliner vor fünf Wochen bereits gerettet schienen, melden sie sich jetzt im Abstiegskampf noch einmal deutlich zu Wort: Hallo, wir wollen auch wieder mitmachen. Nur noch drei Punkte sind es bis zum Relegationsplatz.

„Wir haben in den letzten Spielen bewiesen, dass wir’s können“, sagte Nico Schulz. „Insofern müssen wir uns keine Sorgen machen.“ Eine solche Aussage spricht nicht unbedingt dafür, dass sie bei Hertha erkannt haben, wie ernst die Lage inzwischen ist.

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