Borussia Dortmund : Jürgen Klopp: Streicheln für den Auftritt bei Hertha BSC

Nach dem Gruppensieg in der Champions League redet Dortmunds Trainer Jürgen Klopp seine Fußballer vor dem Spiel am Sonnabend in Berlin gegen Hertha BSC stark.

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Gruppensieger. Dortmunds Spieler konnten sich über das 1:1 in der Champions League gegen Anderlecht nur bedingt freuen. Wichtiger ist derzeit die Bundesliga.
Gruppensieger. Dortmunds Spieler konnten sich über das 1:1 in der Champions League gegen Anderlecht nur bedingt freuen. Wichtiger...Foto: dpa

Oliver Kirch stand in der zugigen Durchfahrt unter der Osttribüne des Dortmunder Stadions, die an Champions-League-Abenden immer zur Gesprächszone mit den Journalisten umfunktioniert wird. Monatelang hatte der Mittelfeldspieler verletzt zuschauen müssen, doch nach seinem Comeback in der Schlussphase der Begegnung gegen den RSC Anderlecht mochte der Routinier nicht über seine Leidenszeit sprechen.

Es gibt derzeit Wichtigeres bei Borussia Dortmund als die Befindlichkeiten Einzelner. Gemeint ist die prekäre Situation in der Bundesliga. Und so referierte Kirch in erster Linie über das anstehende Meisterschaftsspiel am Samstag bei Hertha BSC und nicht über das soeben absolvierte 1:1 gegen den Belgischen Meister, mit dem sich die Dortmunder als Gruppensieger für die K.-o.-Phase qualifizierten. Es sei „augenscheinlich, dass heute Spieler geschont wurden“, sagte Kirch: „Aber wir haben ja auch den Kader, um solche Möglichkeiten zu nutzen.“ Dortmunds Trainer Jürgen Klopp hatte seine Mannschaft im Vergleich zum Sieg gegen Hoffenheim auf sechs Positionen umgebaut. Damit verordnete er angeschlagenen oder müden Stammkräften wie Hummels, Piszczek, Kehl, Bender oder Aubameyang eine Pause und verhalf im Laufe der 90 Minuten mit Sahin, Kirch und Blaszczykowski auch noch drei Langzeitverletzten zur Rückkehr auf den Rasen.

Nuri Sahin, der nach sieben Monaten Absenz mal wieder gegen den Ball treten durfte, findet es „durchaus gut, dass rotiert wurde, weil die nächsten drei Spiele wichtiger für uns sind. Unter anderem das gegen Hertha.“ Es ist also anzunehmen, dass die Dortmunder Mannschaft am Samstag im Olympiastadion ein anderes Gesicht haben wird.

Dann geht es um schnöden Abstiegskampf im Kerngeschäft Bundesliga. Welche Erkenntnisse er aus dem zuvor Erlebten für die kommende Aufgabe ziehen könne, wurde Klopp gefragt. „Die Mannschaft ist in der Spur“, antwortete er, „viele Jungs sind in guter Verfassung, und wir haben bis Berlin vier Tage Zeit. Das Spiel hat uns heute geholfen.“

Klopp lobt Immobile: "Er ist ein Kämpfer und entwickelt sich gut"

Klopp geht es allerdings nicht nur um Erholung, sondern auch um Kontinuität und Stabilität. Und da hilft es, seinem Personal den Rücken zu stärken. Zum Beispiel Ciro Immobile. Der Stürmer war vor der Saison für eine Ablösesumme von rund 20 Millionen Euro als Torschützenkönig der italienischen Liga nach Dortmund gekommen. Doch in der neuen Heimat hat er noch nicht richtig Fuß gefasst, zuletzt fremdelte er so sehr, dass er meist auf der Bank saß. Gegen Anderlecht spielte Immobile nicht nur deswegen stark, weil ihm ein Tor gelang. „Ciro ist ein richtiger Stürmer“, lobte Klopp, „er ist immer gefährlich. Er ist ein Kämpfer und entwickelt sich gut.“

Auch der Italiener hat verinnerlicht, was beim BVB in Krisenzeiten wirklich zählt. Bis zur Winterpause wünsche er sich, „dass wir die letzten drei Spiele in der Bundesliga gewinnen. Dann können wir alle etwas entspannter Weihnachten feiern.“ Nach den Eindrücken vom Dienstag könnte es durchaus sein, dass Immobile eine weitere Bewährungschance erhält. Für den ehemaligen Herthaner Adrian Ramos würde das bedeuten, dass er aus der Startformation rutscht.

Im Tor wird wohl erneut Mitch Langerak den Vorzug vor Roman Weidenfeller erhalten. Als Klopp gefragt wurde, wie ihm der Australier gefallen habe, antwortete der Trainer: „Er muss mich nicht überzeugen, ich weiß, dass er gut ist. Er muss da sein, wenn er gebraucht wird.“ Klopp verteilte viele Streicheleinheiten. Richtig ausführlich wurden die Ausführungen, als die Sprache auf Dortmunds größtes Sorgenkind kam: Henrich Mchitarjan rannte, grätschte und schoss, doch er traf trotz bester Gelegenheiten mal wieder das Tor nicht. „Er arbeitet wie ein Tier“, sagt Klopp. „Der Tag wird kommen, da nutzt er seine Chancen alle.“ Vielleicht schon am Samstag in Berlin.

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