Sport : Borussia Dortmund: Manchmal lobt Sammer auch

Felix Meininghaus

Matthias Sammer drückt die Dinge oft ein wenig anders aus als die üblichen Zeitzeugen. Als der Trainer von Borussia Dortmund am vorigen Wochenende nach dem fulminanten 4:0-Sieg im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg auf die Leistungen seiner Abwehrrecken Jürgen Kohler, Christian Wörns und Stefan Reuter angesprochen wurde, sagte der Trainer, die Routiniers hätten "alles in allem ganz ordentlich gespielt".

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Das war grob untertrieben. De facto präsentiert sich der gesamte Abwehrverband des Bundesliga-Spitzenreiters derzeit in überragender Form. Vier Spiele hat der BVB in dieser Saison bislang bestritten und dabei sowohl in den drei Erstliga-Partien als auch in der Champions-League-Qualifikation gegen Donezk nicht einen Gegentreffer hinnehmen müssen. Eine erstaunliche Bilanz, denn vor Saisonbeginn waren Stimmen laut geworden und hatten angemahnt, der Meisterschaftsanwärter habe den Fehler begangen, sich nur in der Abteilung Angriff zu verstärken. Die Defensive, so die Kritiker, sei dabei sträflich vernachlässigt worden.

Tatsächlich fällt auf, dass bei der Borussia vorne mit den Tschechen Rosicky und Koller sowie dem Brasilianer Amoroso drei Hochkaräter wirbeln, für die der Weltpokalsieger von 1997 insgesamt rund 100 Millionen Mark hingeblättert hat, während hinten das altgediente Stammpersonal Gegentreffer verhindert. Die gegnerische Torflaute freut Manndecker Jürgen Kohler "vor allem für Jens Lehmann". Der Nationaltorhüter war noch vor wenigen Wochen bei einem Testspiel in Neheim-Hüsten von Fans übel beschimpft und sogar körperlich attackiert worden. Vieles sprach dafür, dass die wiederholten Mobbing-Aktionen den früheren Schalker vergraulen würden. Aber auch dieses Problem scheint gelöst: Die Rädelsführer von Neheim erhielten Stadionverbot. Im Westfalenstadion hat sich das Klima zwischen den Fans und dem ungeliebten Torwart verbessert. Der unnahbare Lehmann wird von der mächtigen Südtribüne zwar nicht geliebt, aber als Teil der Mannschaft respektiert.

Auch dieser Umstand mag eine Rolle dabei spielen, dass Dortmunds Abwehr derzeit so schwer zu knacken ist. Aber Sammer wäre nicht Sammer, wenn er in die allgemeine schwarz-gelbe Hochstimmung einstimmen würde. "Fußball ist ein Tagesgeschäft", sagte er nach dem Sieg gegen Wolfsburg, "schon Samstag kann im Spiel bei Hansa Rostock alles ganz anders aussehen."

In Dortmund wissen sie genau, wie wichtig es ist, einen Mann wie Sammer in ihren Reihen zu haben. Der ehemalige Abwehrstratege setzt ganz bewusst einen Gegenpol zu der fast an Hysterie grenzenden Euphorie rund um das Westfalenstadion. "Manchmal lobt uns der Trainer auch", sagte Lehmann lächelnd, nachdem er zum vierten Mal seinen Kasten sauber gehalten hatte. "Ich kann mich allerdings nicht mehr erinnern, wann das zum letzten Mal der Fall war."

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