Borussia Dortmund : "Mit 30 bist du froh über einen Stammplatz"

Patrick Owomoyela über die jungen Dortmunder und die Rolle von Jürgen Klopp

Interview von Felix Meininghaus
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Patrick Owomoyela, 30, hat 127 Bundesligaspiele für Arminia Bielefeld, Werder Bremen und Borussia Dortmund absolviert. Zwischen...ddp

Herr Owomoyela, Ihr Job als Fußballprofi muss im Moment riesigen Spaß machen.

Generell macht mir der sowieso Spaß. Aber es stimmt, derzeit besonders. Wenn du so gute Ergebnisse erzielst, ist das Leben als Fußballer noch schöner.

Über die „jungen Wilden“ bei Borussia Dortmund wird derzeit viel geschrieben. Wie ist es für Sie als Routinier mit sechs Spielern im Team, die vor kurzem noch Teenager waren?

Das ist eigentlich gar nicht so richtig zu greifen. Die Jungs machen einen so abgeklärten Eindruck, als wären sie seit Jahren in der Liga. Und wenn du als Mannschaft so gut zusammen spielst, ist es sowieso egal, wie alt der Einzelne ist.

Gibt der BVB mit seinem Jugendstil einen Trend vor?

Ich denke schon. Mit 30 musst du ja heute schon froh sein, einen Stammplatz zu haben. Zu meiner Zeit war es selbst in den unteren Ligen etwas Besonderes, wenn einer mit 18 oder 19 den Sprung geschafft hat. Mittlerweile gibt es in jeder Mannschaft zwei, drei von den Jungen, die sich richtig gut einfügen. Ich finde das toll, weil es zeigt, dass im Nachwuchsbereich gut gearbeitet wird.

Wer in Dortmund konkrete Ziele formuliert – so scheint es – wird geteert und gefedert. Doch der Blick auf die Tabelle zeigt, was möglich ist.

Na klar, wir sind doch keine Hinterwäldler. Allerdings sind wir bislang sehr gut damit gefahren, den Fußball, den wir als Mannschaft präsentieren wollen, von Spiel zu Spiel zu gestalten. Am Ende werden wir sehen, was wir davon haben.

Welche Rolle spielt Jürgen Klopp?

Wenn Sie fragen, warum ein Schiff sicher im Hafen angekommen ist, werden Sie den Kapitän als Verantwortlichen ausfindig machen, obwohl jemand anderes am Steuer stand oder die Maschine betrieben hat. Bei uns ist es Jürgen Klopp, der alles koordiniert, der das Training leitet und uns die richtige Vorgehensweise für den jeweiligen Gegner an die Hand gibt.

Sie haben Klopp als autoritären Trainer beschrieben. Das verwundert, weil er diese kumpelhafte Attitüde hat.

Autorität hat nichts mit Furcht und diktatorischen Zügen zu tun. Sondern damit, dass einer authentisch rüberkommt und den Leuten vermitteln kann, was wichtig ist. Ein Trainer muss Ahnung von der Materie haben und den richtigen Weg kennen. Dann folgen ihm die Leute, auch wenn er nicht ständig mit der Faust auf den Tisch haut. Diese Autorität hat Jürgen Klopp.

Sie sind in Bremen und im Nationalteam durch ein tiefes Tal gegangen. Wie sehr hat es Sie getroffen, als Jürgen Klinsmann Sie für die WM 2006 strich?

Für mich war das eine sportliche Tragödie. Wenn du kurz vor der Abfahrt des Zugs nicht mit drauf darfst, trifft dich das unheimlich hart. Ich bin der Meinung, dass all die Verletzungen danach eine Folge davon waren. Ich war mental einfach nicht auf dem Damm. Erst in Dortmund hat man mir die Zeit gegeben, alles richtig aufzuarbeiten. Jetzt ist mein Fahrgestell wieder völlig in Ordnung, und ich kann Gas geben.

Haben Sie die Nationalmannschaft noch im Hinterkopf?

Je mehr du mit dir herumschleppst, desto größer ist der Ballast. Wenn das Interesse irgendwann wieder da sein sollte, wäre ich heilfroh darüber. Bis dahin beschäftige ich mich nicht mit dem Thema.

Interview: Felix Meininghaus

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