Borussia Dortmund : Mit Jürgen Klopp bis 2020

Dortmund will mit seinem Trainer eine Ära beginnen – und das Team greift die Spitze an

Felix Meininghaus[Dortm]

Jürgen Klopp hat viel Lob bekommen in den vergangenen Wochen, doch die Eloge, die Dortmunds Trainer nach dem 4:0 (1:0) gegen den Karlsruher SC gehört hat, war ihm dann doch ganz schön unangenehm. Der Karlsruher Kollege Edmund Becker wollte sich gar nicht mehr einkriegen, als er die Vorstellung des BVB gegen seine Mannschaft rühmte. Der Sieg sei auch in dieser Höhe verdient, es gelte, ein „absolutes Kompliment“ an Jürgen Klopp auszusprechen, „wie gut er seine Truppe in Schuss hat“. Das sei nun wahrlich keine Lobhudelei, ergänzte Becker, Dortmund sei wesentlich stärker als Mannschaften wie Leverkusen oder Schalke, gegen die Karlsruhe besser ausgesehen habe. Klopp nahm die warmen Worte zur Kenntnis und lächelte.

Was soll Klopp auch sagen zum Höhenflug seiner Borussia? Die Zahlen sprechen für sich. Sieben Siege in Folge hat der BVB in der Rückrunde geschafft, das ist eine Bilanz, auf die noch nicht einmal die großen Dortmunder Trainer Ottmar Hitzfeld oder Matthias Sammer vorweisen. Und unter ihnen hatten die Dortmunder noch die Meisterschaft und die Champions League gewonnen. Und so hat Klopp im Jahr des hundertjährigen Vereinsjubiläum zumindest für einen kleinen Eintrag ins Geschichtsbuch der Borussia gesorgt.

Es ist erstaunlich, wie gut das von Klopp geführte Team am Ende dieser Saison funktioniert. Hochkonzentriert und immer mit dem Blick für das Wesentliche spielten die Dortmunder gegen den KSC und ließen sich auch von der Aussicht, gegen den Tabellenletzten ein vermeintlich leichtes Spiel zu haben, nicht davon abhalten, sehr motiviert aufzutreten. Die Folge waren vier wunderbar herausgespielte Tore von Blaszczykowski, Sahin, Santana und Frei.

Dreimal geht es in dieser Spielzeit noch um Punkte, und es ist nach den jüngsten Eindrücken damit zu rechnen, dass die Borussia auch beim angeschlagenen Tabellenführer aus Wolfsburg, daheim gegen Bielefeld und in Mönchengladbach Siegchancen hat. Dortmund setzt die Konkurrenz aus Hamburg, Stuttgart und Berlin unter Druck.

Dortmunds Erfolg hat viel mit dem Geschick eines Trainers zu tun, der es geschafft hat, mit Realitätssinn und unaufgeregtem Handeln eine Mannschaft zu formen, die ganz schwer zu schlagen ist. Dortmund hat nur viermal in dieser Saison verloren, das ist Ligaspitze. Wie groß der Vertrauensbonus für Klopp ist, zeigt der Umstand, dass sein Vertrag zu einem Zeitpunkt verlängert wurde, als der BVB acht Spiele nicht gewonnen hatte. Dass in dieser Phase keine große Unruhe aufkam, hat wohl auch mit Klopps unerschütterlichem Optimismus zu tun: „Wir haben uns das Recht rausgenommen, all die Unentschieden als halbe Siege zu werten. Und nicht als halbe Niederlagen.“

In Dortmund sind sie inzwischen überzeugt, mit Klopp eine Ära bestreiten zu können. „Wir wollen ihn möglichst so lange halten, wie es Werder Bremen vorexerziert“, hat Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke unlängst betont. Zur Erinnerung: Otto Rehhagel arbeitete an der Weser 14 Jahre, Thomas Schaaf hat gerade sein zehnjähriges Dienstjubiläum auf der Bremer Bank gefeiert. Wenn es die Dortmunder Führungskräfte ernst meinen, hat Klopp also bis mindestens ins Jahr 2020 einen sicheren Arbeitsplatz.

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