Borussia Dortmund : Mit schweren Beinen nach Berlin

Das Ergebnis klingt klarer, als das Spiel war. Borussia Dortmund zieht durch ein mühsames 3:0 gegen Carl Zeiss Jena ins Finale des DFB–Pokals ein.

Felix Meininghaus
Jena
Das Spiel Dortmund gegen Jena war hart umkämpft. -Foto: ddp

DortmundBorussia Dortmund hat seinen Teil dafür getan, durch die Hintertür in den Europapokal einzuziehen: Vor 80 708 Zuschauern schlugen die Dortmunder am Dienstagabend im Halbfinale des DFB-Pokals Zweitliga-Schlusslicht Carl Zeiss Jena mit 3:0 (1:0). Nun müssen sie darauf hoffen, dass die Bayern heute Abend die zweite Begegnung der Vorschlussrunde gegen Wolfsburg für sich entscheiden und am Ende der Saison in die Champions League einziehen. Dann wäre der Platz im Uefa-Cup sicher, ganz gleich, wie das Endspiel in Berlin ausgeht.

Der BVB hat also seine Pflichtaufgabe erfüllt und sich gleichzeitig eine riesige Blamage erspart. Denn genau das hätte ein Ausscheiden gegen den Tabellenvorletzten der 2. Liga bedeutet. Entsprechend groß war die Angst, die vor dem Halbfinale in Dortmund deutlich spürbar war. Er sei „heilfroh, wenn dieses Spiel vorbei ist“, hatte der Schweizer Nationalspieler Alexander Frei verkündet und damit auch den Umstand gemeint, dass die Bundesliga in der Stadt nur noch als Randerscheinung wahrgenommen wird, weil sich der Klub und sein gesamtes Umfeld vorwiegend mit der Möglichkeit beschäftigt, eine missratene Saison auf elegantem Weg zu einem gütlichen Abschluss zu bringen. Ein klares Indiz, wie groß die Befürchtungen waren, die riesige Chance aus den Händen zu geben, war der Umstand, dass BVB-Trainer Thomas Doll die Leistungsträger Sebastian Kehl und Alexander Frei beim Punktspiel in Hamburg geschont hatte. Gegen Jena liefen beide auf – und erlebten so aus nächster Nähe mit, wie Dortmund den letzten Schritt nach Berlin machte.

In der ersten Spielminute holte der Gast einen Eckball heraus, danach übernahm der BVB die Initiative. Bereits nach 13 Minuten wurde der Offensivdrang belohnt: Nach einer Flanke von Dede war Mladen Petric mit dem Kopf zur Stelle. Jenas weißrussischer Torhüter Vasili reagierte zwar prächtig, doch den Abpraller musste Tinga aus zwei Metern nur noch zum 1:0 über die Linie drücken. Dortmund jubelte, und Dede sank vor Erleichterung auf die Knie. Der Vorsprung machte Doll aber nicht glücklich, immer wieder tauchte er an der Seitenlinie auf, um seine Akteure zu mehr Engagement aufzufordern. Zu wenig Tempo, zu viel Ballgeschiebe – so kam Jena immer besser ins Spiel. Ab der 30. Minute war der krasse Außenseiter das bessere Team, kurz vor der Pause hatte Jan Simak die Chance zum Ausgleich, sein Weitschuss bereitete BVB-Keeper Marc Ziegler arge Probleme.

Auch nach dem Seitenwechsel sorgte der Tscheche für die erste auffällige Aktion. Innerhalb weniger Augenblicke sah Simak Gelb und Gelb-Rot, weil er sich gegenüber Schiedsrichter Manuel Gräfe im Ton vergriffen hatte. Doch selbst in Überzahl gelang es den Dortmundern nicht, dominant zu agieren. Im Gegenteil: Das tapfere Team aus Thüringen erspielte sich auch dezimiert Chancen zum Ausgleich, ohne sie nutzen zu können.

Stattdessen schlug der BVB ein zweites Mal zu: Das 2:0 war eine Koproduktion der eingewechselten Florian Kringe und Diego Klimowicz. Die Erleichterung, den müden Kick zu einem glücklichen Ende gebracht zu haben, war spürbar. Das 3:0 durch Mladen Petric fiel, als die Partie längst entschieden war. Dortmund erlebte trotz des Einzugs ins Finale keinen großen Fußballabend. Die spielerische Armut, die regelmäßig in der Bundesliga zu sehen ist, konnten die Männer in schwarz-gelb auch gestern nicht ablegen.

Dennoch dürfen sie froh sein, den Pokalwettbewerb zu haben, denn dank des Sieges könnten bessere Zeiten anbrechen. Heute Abend werden die BVB-Profis und ihre Fans den ungeliebten Münchner Bayern kollektiv die Daumen drücken – das gibt es in der Reviermetropole nicht alle Tage. Doch wenn das der Preis ist, um auf die internationale Bühne zurückzukehren, werden ihn die Dortmunder mit Kusshand zahlen.

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