Borussia Dortmund : Torlos gereift

Borussia Dortmund sucht und findet trotz vieler vergebener Chancen Bestätigung aus der Nullnummer von Malaga.

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Wirst du wohl reingehen! Mario Götze und der ihm sonst so zugetane Ball durchlebten in Malaga eine kleine Beziehungskrise. Foto: AFP
Wirst du wohl reingehen! Mario Götze und der ihm sonst so zugetane Ball durchlebten in Malaga eine kleine Beziehungskrise.Foto: AFP

Das Lächeln wirkte leicht gequält. Mario Götze fühlte sich noch lange nach diesem 0:0 beim FC  Malaga nicht wirklich wohl in seiner Haut. Der Nationalspieler hätte sich legendär schießen können im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League. Am Ende ging er doch leer aus im Estadio La Rosaleda. Götze sprach davon, er habe „keine 50-Prozent-Dinger vergeben, das waren ganz große Chancen. Ich hätte der Mannschaft mit einem oder zwei Toren helfen können.“ Und Dortmunds Mittelstürmer Robert Lewandowski, der zu Beginn der zweiten Halbzeit ebenfalls eine riesige Möglichkeit leichtfertig hergeschenkt hatte, ergänzte: „Zu Hause in Dortmund werden wir mehr Glück haben und das Spiel gewinnen.“

Es gibt wahrlich schlechtere Ausgangspositionen als dieses 0:0 von Malaga, und dennoch dürfen sich die Dortmunder mit Fug und Recht über dieses torlose Remis ärgern. Weil es vollkommen unnötig war. Nach dem Schlusspfiff dieser 90 Minuten, die wesentlich unterhaltsamer waren, als es das Resultat vermuten lässt, wurde Dortmunds Trainer gefragt, ob sich dieses Unentschieden wie eine Niederlage anfühle. Da hat Jürgen Klopp erst einmal innegehalten und dann gesagt: „Wenn man die größeren Chancen hat, wenn man mehr Chancen hat, dann mag sich das erst einmal so anfühlen.“ Aber erst einmal sei es doch wichtig, auf des Gegners Platz nicht verloren zu haben. In diesem Sinne wertete Klopp die Nullnummer als weitere Etappe auf dem Weg zum internationalen Reifezeugnis. Er erinnerte an die vergangene Saison, als der BVB die Partie in Marseille ebenfalls mit erdrückender Dominanz gestaltet hatte – und am Ende 0:3 verlor.

Ein solches Schicksal bleibt der Mannschaft in diesem Jahr erspart, weil sie dazugelernt hat. „Einerseits ist es bedauerlich, dass wir aus unseren vielen Möglichkeiten nicht mehr gemacht haben“, dozierte Klopp. „Andererseits haben wir aber nicht den Faden verloren und das Gegentor kassiert, wie uns das auch schon passiert ist.“

Und doch war es ärgerlich, dass die Borussia so viele hervorragende Chancen liegen ließ. Anstatt das Viertelfinal-Duell einfach im Hinspiel mit zwei oder drei Toren zu entscheiden, gehen die Dortmunder nun mit einer schmucklosen Nullnummer ins Rückspiel. Es fühlte sich nicht wirklich gut an, im Stadion des Gegners über 90 Minuten die klar bessere Mannschaft zu sein und dann doch sieglos die Heimreise antreten zu müssen.

So war es ein Abwägen der Vor- und der Nachteile, das ein solches Resultat mit sich bringt. Dem vagen Glücksgefühl nachzugeben, auch im neunten Champions-League-Spiel dieser Saison nicht besiegt worden zu sein. Oder mit der verpassten Siegchance zu hadern.Das war die Gefühlslage, mit der sich die Dortmunder aus Malaga verabschiedeten. Aus dem Munde von Klopp hörte sich das so an: „Mit der einen Null bin ich sehr glücklich, mit der anderen nicht unbedingt unglücklich, denn so etwas kann nun mal vorkommen.“

Beim BVB im Allgemeinen und bei Mario Götze im Speziellen geht es nun mal um einen Reifeprozess. Spiele wie die in Malaga seien „wichtig für die Entwicklung“, sagte Götzes routinierter Kollege Sebastian Kehl. Natürlich sei Götze nach dem Spiel geknickt gewesen. „Jetzt müssen wir ihn wieder aufbauen.“ Das sollte gelingen, schließlich stehen die Chancen für ein Erreichen des Halbfinales denkbar gut. „Wir haben Malaga mit unserem Auftritt beeindruckt“, sprach Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Noch einmal 90 Minuten, in denen wir dermaßen überlegen sind und keine Tore schießen, wird es mit Sicherheit nicht geben.“

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