Sport : Borussia Dortmund: Verständigung mit den Füßen

Felix Meininghaus

Was haben sie bei Borussia Dortmund nicht alles getan, um den Weltpokalsieger von 1997 wieder in den Kreis der ersten europäischen Fußballadressen zu hieven: Sie sind an die Börse gegangen, den Zuschauern bieten sie das schönste Stadion der Bundesliga, und zuletzt investierten sie auch noch 100 Millionen Mark in die Abteilung Sturm. Alles mit dem Anspruch, der am professionellsten geführte Klub hierzulande zu sein. Eine Kleinigkeit haben die Borussen jedoch vergessen: Am Samstag nach dem Bundesligaauftakt gegen den 1. FC Nürnberg warteten die Journalisten vergeblich auf einen Dolmetscher, der die Worte von Marcio Amoroso übersetzen konnte.

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Online-Umfrage: Gucken Sie Bundesliga zukünftig lieber auf Premiere? Dabei waren die Statements des Brasilianers, der vor Saisonbeginn für die Bundesliga-Rekordsumme von 50 Millionen Mark vom AC Parma ins Ruhrgebiet gewechselt war, die mit Abstand begehrtesten. Schließlich hatte der 27-Jährige nicht nur wegen seiner beiden Treffer beim 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg eine traumhafte Premiere abgeliefert. "Wendig, dribbelstark und sicher im Abschluss", so urteilte das Fachblatt "Kicker" über die Vorstellung des neuen Dortmunder Lieblings. Dessen Leistung rief auch die Wortakrobaten des Fernsehsenders Sat 1 auf den Plan, die von "Glamoroso" und "Amoroso Fabuloso" fabulierten. Dortmunds Manager Michael Meier schwärmte ebenfalls von Amorosos Galaauftritt. "So etwas habe ich zuletzt im Zirkus gesehen." Der gefeierte Held genoss die Ovationen und erklärte seine Leistung damit, "dass heute brasilianisches Wetter war. Aber in der zweiten Halbzeit war es selbst mir zu heiß." Am Samstag, wenn Hertha BSC gegen Dortmund antritt, können ihn die Berliner Zuschauer zum ersten Mal sehen.

Der gute Einstand des teuersten Bundesligaspielers aller Zeiten war erstaunlich. Seit zwei Jahren quält sich der frühere Torschützenkönig Italiens mit Verletzungen, nach einem Bandscheibenvorfall und einem Kreuzbandriss konnte er kaum spielen. Derzeit ist Amoroso noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, was bei seiner Verpflichtung manche Kritiker auf den Plan rief. Nun ist sich Meier sicher, "dass diese Stimmen verstummen werden". Obwohl der Einkauf von Victor Ikpeba, der nur noch auf der Tribüne sitzt, sich als Flop erwies, ließ sich Dortmund nicht beirren. Man investierte weiter in die Offensivabteilung. 25 Millionen für Tomas Rosicky, 21 Millionen für dessen tschechischen Landsmann Jan Koller und nun 50 Millionen für Amoroso.

Zweifellos ein Wagnis, denn die Laufbahn des begnadeten Fußballers Marcio Amoroso verlief schon immer mit Höhen und Tiefen. 1994 war der damals 20-Jährige als Alternative zum brasilianischen Superduo Romario und Bebeto gesetzt. "Er ist ein Spieler, wie man ihn sich nur wünschen kann", lobte Auswahltrainer Mario Zagallo. "Ich habe Marcio fest in meinem Konzept eingeplant." Doch eine Knieverletzung stoppte Amoroso, und er musste tatenlos zuschauen, wie Brasilien in den USA den vierten Weltmeistertitel holte. Später wechselte Amoroso in die italienische Seria A, wo er zunächst in Udine als Vorbereiter für den Liga-Torschützenkönig Oliver Bierhoff fungierte und später für 70 Millionen Mark zum AC Parma wechselte. An neuer Wirkungsstätte begann für Amoroso eine Zeit des Leidens, weil ihn langwierige Verletzungen immer wieder zurückwarfen.

Nun spielt der hoch Gelobte in der Bundesliga. Und wie: Erst nach dem Spiel haperte es mit der die Verständigung. Schließlich stieß ein Ordner seinen Kollegen an: "Dein Vatter is doch Italiener, mach du dat doch." Und so löste ein beleibter Goldkettchenträger das Kommunikationsproblem. Später übernahm der ebenfalls italienisch-stämmige Stürmer Giuseppe Reina den Übersetzer-Job, und schnell wurde klar, dass Amoroso auch außerhalb des Platzes jede Menge Spielfreude ausstrahlt. Er sei glücklich, mit Spielern wie Rosicky in einem Team spielen zu können. Und dann sagte der Brasilianer noch: "Diese Mannschaft ist eine Einheit, wir können den Titel holen."

Wenn der Stürmer erst mal richtig fit ist und mit Ehefrau Raquele und Söhnchen Giovane (3) das neue Haus in Schwerte vor den Toren Dortmunds bezogen hat, soll er noch stärker aufspielen. Michael Meier ist jetzt schon davon überzeugt, dass die Liaison zwischen dem BVB und seinem neuen Star leidenschaftlich wird: "Den Amoroso", sagt Dortmunds Manager, "kriegen sie hier nicht mehr weg."

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