• Borussia Mönchengladbach führt bei Tennis Borussia erfolgreich Fußball-Ökonomie vor

Sport : Borussia Mönchengladbach führt bei Tennis Borussia erfolgreich Fußball-Ökonomie vor

Karsten Doneck

Sein Abwehrschlag landete genau dort, wo er nicht hin sollte. In den Füßen von Marcel Witeczek nämlich. Der leitete den Ball gleich weiter auf Arie van Lent. Und der Torschütze zum 1:0 besorgte daraufhin auch noch das 2:1 für Borussia Mönchengladbach. Fußball-Zweitligist Tennis Borussia schaffte zwar am Montagabend im Mommsenstadion noch den erneuten Ausgleich zum 2:2 (1:1)-Endstand, doch Matthias Hamann konnte das kaum trösten. "Das ist unglaublich: Die Gegner kommen gegen uns mit null Aufwand zu ihren Torchancen", grollte der TeBe-Verteidiger. Ausgerechnet Hamann, der zurzeit für den gesperrten Uwe Rösler die Armbinde als Mannschaftskapitän trägt, hatte mit seinem unglücklichen Abspiel das zweite Gegentor eingeleitet. "Der Ball war nass, er ist mir ein bisschen weggerutscht", entschuldigte sich der 31-Jährige.

Hamann zählte zu Saisonbeginn gar nicht zur ersten Elf. Doch anstatt über seine Rolle zu klagen, kniete er sich nur umso verbissener ins Training. Derlei Überzeugungsarbeit registrierte Trainer Winfried Schäfer verständlicherweise weitaus wohlwollender, als die öffentlichen Nörgeleien anderer unzufriedener Reservisten. Im DFB-Pokal gegen Hertha BSC erhielt Hamann seine Chance, nutzte sie und ist nunmehr wieder - unter Vernachlässigung kleinerer Aussetzer wie gegen Gladbach - die wertvolle Kraft bei TeBe, die er schon in der vorigen Saison war.

Hinter Tennis Borussia liegen jetzt zwei Heimspiele in Folge. Die Chance, mit sechs Punkten die Aufstiegsambitionen zu untermauern, wurde leichtfertig vertan. Gegen Energie Cottbus (1:3) und Gladbach sprang nur ein Pünktchen heraus. Hamann will deshalb die Lage nicht gleich dramatisieren. Aber auch er richtet den Blick nicht mehr nach vorn in der Tabelle, sondern nach hinten. "Wir haben", sagt Hamann, "jetzt einen Punkt Vorsprung auf Platz vier." Seine Schlussfolgerung daraus: "Ganz klar: Unser nächstes Spiel bei Waldhof Mannheim müssen wir gewinnen. Und dann kommt Kickers Offenbach. Zwei Aufsteiger also." Was bei ihm unausgesprochen durchklingt: TeBe besitzt also wieder die Möglichkeit zu sechs Punkten aus zwei Partien - und vielleicht bleibt ja wenigstens diesmal mehr als nur ein einziger übrig.

Hans Meyer, der Gladbacher Trainer, hatte im Mommsenstadion freiwillig auf Toni Polster verzichtet. Der Stürmer aus Österreich tauchte nicht einmal im erweiterten Aufgebot auf. Polster und Meyer - da wächst offenbar nicht mehr zusammen, was ohnehin nicht zueinander passt. "Seit neun Wochen bin ich nun in Gladbach, und zu 50 Prozent muss ich nur über Toni Polster sprechen", fühlt sich Meyer von diesem Thema zunehmend genervt. Für Polsters Nichtberücksichtigung hat Meyer triftige Gründe. "Toni wird im März nächsten Jahres 36 Jahre alt", erzählt der Trainer. "Sein fußballerisches Können wird er auch mit Fünfzig noch haben. Aber wenn Fußball nicht auch mit Laufen zu tun hätte, würde sich heutzutage noch ein Wolfgang Overath in der Bundesliga von allen anderen positiv abheben."

Was dem Einen sein Polster, ist dem Anderen sein Sasa Ciric. Der TeBe-Stürmer war zum Reservisten geworden, trug sich deshalb mit Abwanderungsgedanken. Gegen Gladbach vertrat er Uwe Rösler. Seine Darbietung wirkte aber nur wie ein einziger Aufschrei, ihn doch bitte endlich freizugeben für einen anderen Klub. Nur: Das kommt nicht in Frage. "Wenn ich", so Winfried Schäfer, "dem Ciric sage, du darfst gehen, dann wäre das nicht gut für die Mannschaft. Dann kommt nämlich bald der Nächste." Wie Schäfer sich die Zukunft mit Ciric vorstellt? Ganz einfach. "Der Sasa wird sehr gut bezahlt bei TeBe. Dafür verlange ich, dass er sich auch den Hintern aufreißt."

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