Borussia Mönchengladbach : Fußball mit 13 Mann

Mönchengladbach spielt überragend und tritt mit neuem Selbstverständnis auf.

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Zorro kommt zu spät. Auch der Schalker Benedikt Höwedes (l.) konnte Mike Hanke und Gladbach nicht stoppen. Foto: dpa
Zorro kommt zu spät. Auch der Schalker Benedikt Höwedes (l.) konnte Mike Hanke und Gladbach nicht stoppen. Foto: dpaFoto: dpa

Immerhin ein Gladbacher nahm am Samstag Rücksicht auf die Gäste aus Gelsenkirchen. Jünter, das riesige Maskottchen der Borussia, tapste nach dem 3:0 (3:0)- Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen den Tabellennachbarn FC Schalke etwas ungelenk durch den Spielertunnel und hätte dort um ein Haar Horst Heldt über den Haufen gerannt. Im letzten Moment machte Fohlen Jünter aber einen halbwegs eleganten Bogen um den kleinen Schalker Manager, der sich prompt mit ein paar wohlwollenden Worten über den Gegner revanchierte. „Zeitweise hatte ich das Gefühl, dass Gladbach mit zwölf oder dreizehn Mann auf dem Platz steht“, sagte Heldt über das atemberaubend schnelle Spiel der Gastgeber vor der Pause. „In der zweiten Hälfte haben sie uns dann ein bisschen mitspielen lassen.“

Allerdings durfte Schalke nur so viel mitspielen, dass die phänomenale Defensivquote der Gladbacher – zwölf Gegentore in 21 Spielen – nicht beschmutzt wurde. „Ich denke, unsere erste Halbzeit war fast perfekt“, befand Roman Neustädter. „Das ist unglaublich, was hier im Moment passiert.“ Die unglaublichen Vorgänge in Mönchengladbach hindern den 23 Jahre alten Mittelfeldmann aber nicht daran, im Sommer zum FC Schalke zu wechseln – zu jenem Klub, bei dem Mike Hanke, eine der besonders strahlenden Figuren des Mönchengladbacher Mirakels, vor zehn Jahren ins Profigeschäft einstieg. Ein Baustein in der Vita des 28-Jährigen, der bis heute nachwirkt.

Im Hause Hanke wohnen ausschließlich Schalke-Fans, die Hanke selbst am Samstag unter anderem mit einem doppelten Doppelpass – erst mit Patrick Herrmann, dann mit Juan Arango – inklusive vollendetem Abschluss zum 2:0 traktierte. Im 13. Versuch war es Hankes erster Treffer gegen seinen früheren Klub. „Ein fantastisches Tor, das hat uns totales Selbstvertrauen gegeben“, sagte Gladbachs Coach Lucien Favre. „Tut mir leid für meine Familie, die vor dem Fernseher gelitten hat. Aber vielleicht freuen sie sich auch ein bisschen für mich“, sagte Hanke.

Vor allem, da der innerfamiliäre Brandstifter neuerdings sogar mit der deutschen Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wird. Am Samstag schaute Hans-Dieter Flick, Co-Trainer des Nationalteams, ihm vor Ort auf die Füße. Und zu den staunenswerten Dingen in Gladbach gehört auch, dass Hanke, der zwischen 2005 und 2007 bereits zwölf Länderspiele bestritten hat, jetzt erklärt: „Das liegt nicht an mir. Das müssen letztlich Jogi Löw und das Trainerteam entscheiden.“

Der künftige Dortmunder Marco Reus, der die Berufung ins aktuelle Nationalteam bereits hinter sich hat, würde Hankes Einsatz in der Nationalmannschaft natürlich begrüßen. Aber sowieso machte Borussias Top-Scorer (13 Saisontreffer) deutlich: „Wir haben auch mit Gladbach noch viel vor.“ Selbst Lucien Favre verzichtet mittlerweile auf den Hinweis, dass dieselbe Mannschaft, die nun den Dortmundern und Münchnern gefährlich wird, vor neun Monaten noch Relegationsspiele gegen Bochum bestritten hat.

Nach dem Sieg über Schalke erklärte der Schweizer Coach stattdessen: „Es ist keine Überraschung, wir haben schon oft sehr gut gespielt. Der Sieg ist klar verdient.“ Das neue Gladbacher Selbstverständnis findet auch in den Worten des Sportchefs Ausdruck. „Wir stehen völlig berechtigt in diesen Tabellenregionen“, sagt Max Eberl. Abgerundet wurde Borussias Fußballglück am späten Samstagabend zudem durch die rechte Hand der verletzten Nationalspielerin Kim Kulig, die den Gladbachern für das Pokal-Halbfinale im März das gewünschte Heimspiel zuloste – gegen Bayern München.

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