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Borussia Mönchengladbach : Lucien Favre tritt gegen den Willen des Klubs zurück

Lucien Favre hat "nicht mehr das Gefühl, der perfekte Trainer für Borussia Mönchengladbach zu sein" - und ist von seinem Posten zurückgetreten.

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Nach fünf Niederlagen zu Saisonbeginn war es für Lucien Favre an der Zeit, das "Amt als Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach niederzulegen".
Nach fünf Niederlagen zu Saisonbeginn war es für Lucien Favre an der Zeit, das "Amt als Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach...Foto: dpa

Lucien Favre hat in diesem Sommer einen recht gelösten Eindruck gemacht. Der Trainer von Borussia Mönchengladbach schien mit sich im Reinen, hatte sich offenbar auch mit den Gesetzmäßigkeiten der Branche weitgehend arrangiert; zuletzt zum Beispiel hat er einigermaßen gefasst darüber philosophiert, dass seinem Klub auch künftig wieder die besten Spieler weggekauft werden würden, dass er aber damit klar kommen werde. Immer unterstellt, Favre hat nicht geschauspielert, dann muss sich seine Gelassenheit in den vergangenen Wochen, ach was, Tagen in rasendem Tempo verflüchtigt haben.

Am Sonntagabend erklärte Favre nach 1678 Tagen als Trainer von Borussia Mönchengladbach völlig unvermittelt seinen Rücktritt. Und das auch noch gegen den ausdrücklichen Willen des Vereins.

„Ich habe nicht mehr das Gefühl, der perfekte Trainer für Borussia Mönchengladbach zu sein“, teilte der 57-Jährige mit. Obwohl die Gladbacher Letzter der Fußball-Bundesliga sind, mit fünf Niederlagen zu Saisonbeginn einen neuen Vereinsnegativrekord aufgestellt haben und zuletzt am Samstag das rheinische Derby beim 1. FC Köln verloren haben, kam die Nachricht von Favres Aus vollkommen überraschend. Borussias Sportdirektor Max Eberl hatte den Trainer noch vor wenigen Tagen als „unrauswerfbar“ bezeichnet und selbst nach der Derby-Niederlage gesagt: „Wir gehen da gemeinsam durch.“

Favre hatte offenbar schon länger Rücktrittsgedanken

Es war auch nicht der Klub, der die Nachricht verbreitete, sondern Favre selbst – über die Deutsche Presseagentur und am Verein vorbei. Borussias Präsident Rolf Königs sagte, Favre habe mit seinem öffentlich gemachten Rücktritt Fakten geschaffen, „die uns bis ins Mark treffen“. In zwei Gesprächen hatten die Gladbacher dem Schweizer am Sonntag zu verstehen gegeben, dass man diesen Schritt nicht akzeptieren werde. Favre aber ließ sich nicht mehr umstimmen: „Es ist jetzt an der Zeit und die beste Entscheidung für den Verein und die Mannschaft.“

Favre hatte offenbar schon länger Rücktrittsgedanken mit sich getragen. Mehr als viereinhalb Jahre war er bei der Borussia im Amt; länger wirkten in Mönchengladbach nur die Vereinslegenden Hennes Weisweiler und Jupp Heynckes. Auch Favre hat sich bei Borussias Anhang längst Legendenstatus erarbeitet. Als er im Februar 2011 Michael Frontzeck als Trainer ablöste, war die Mannschaft Tabellenletzter und galt gemeinhin bereits als so gut wie abgestiegen. Favre aber schaffte über die Relegation die Rettung, führte die Mannschaft im Jahr darauf auf Platz vier und – trotz diverser personeller Veränderungen – in vier Spielzeiten insgesamt dreimal in den Europapokal. Der Höhepunkt war Platz drei in der vorigen Saison und damit die direkte Qualifikation für die Champions League.

Favre musste die Mannschaft neu erfinden, was er auch schaffte

Sein einsamer Entschluss zum Rücktritt dürfte seinem durch und durch positiven Bild nun aber ein paar dunkle Schatten zugefügt haben. Favres Begründung, er habe der Mannschaft und dem Klub helfen wollen, werden wohl nur die wenigsten akzeptieren. Denn die Hoffnungen auf eine Wende auch in der aktuell schwierigen Situation gründeten vor allem auf ihm und seiner Arbeit. Auch in den erfolgreichen Jahren hatte es immer mal kritische Phasen gegeben. 2012/13 nach dem Weggang von Dante, Marco Reus und Roman Neustädter war die Situation ähnlich kompliziert wie im Moment. Favre musste die Mannschaft ein bisschen neu erfinden, was er letztlich auch schaffte. Aber schon damals war er bei Borussias Vereinsführung mehrmals mit Rücktrittsgedanken vorstellig geworden, ließ sich aber jedes Mal wieder umstimmen.

„Lucien Favre ist der perfekte Trainer für Borussia Mönchengladbach“, hat Sportdirektor Eberl nicht nur einmal gesagt. „Aber Borussia Mönchengladbach ist auch der perfekte Verein für Lucien Favre.“ Der Nachsatz war speziell an Favre selbst gerichtet, von dem viele befürchtet haben, dass er bei einem interessanten Angebot, von den Bayern zum Beispiel, schwach werden könnte. Dass sich diese Befürchtung als unbegründet erwiesen haben, ist den Gladbachern seit Sonntagabend irgendwie auch kein Trost mehr.

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