Borussia Mönchengladbach : Mit Zornesröte im Gesicht

Nach dem spektakulären 3:3 gegen Lazio Rom in der Europa League am Donnerstagabend muss Borussia Mönchengladbach nur 41 Stunden später beim Hamburger SV in der Bundesliga antreten.

Gregor Derichs
Stich ins Tor. Lazio Roms Libor Kozak (links) köpft in der Nachspielzeit den Treffer zum 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach.
Stich ins Tor. Lazio Roms Libor Kozak (links) köpft in der Nachspielzeit den Treffer zum 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach.Foto: AFP

Mönchengladbach - Ein leichtes Training in der Schneelandschaft am Borussia-Park, viele warme Worte, Aufmerksamkeit und Verständnis, anschließend eine kurze Fahrt zum Flughafen: Am Tag nach dem unglücklichen 3:3 (1:0)-Unentschieden gegen Lazio Rom wurden die Spieler von Borussia Mönchengladbach von ihrem Trainerteam und den Betreuern in Watte gepackt. Aus Sorge, von dem Streik des Sicherheitspersonals am Rhein- Ruhr-Flughafen in Düsseldorf über Stunden in eine Warteschlange gezwungen zu werden, flogen die Borussen gestern mit einer Propeller-Maschine vom Provinz-Flugplatz in Mönchengladbach nach Hamburg. Nicht einmal 41 Stunden nach dem Abpfiff des kraftraubenden Hinspiels im Sechzehntel-Finale der Europa League gegen den Tabellendritten der italienischen Serie A muss die Mannschaft von Trainer Lucien Favre am heutigen Sonnabendnachmittag auswärts beim Hamburger SV antreten.

Mönchengladbachs Manager Max Eberl treibt das Thema bereits seit Tagen die Zornesröte ins Gesicht, er nennt die dichte Spielfolge eine „Katastrophe“ und kritisiert die Deutsche Fußball-Liga für ihre Unfähigkeit, mehr Flexibilität zu zeigen. Nach den internationalen Aufgaben wenigstens ein Heimspiel (wie Bayer Leverkusen) bestreiten zu dürfen, würde die Belastung ja schon ein wenig mildern. Die anderen deutschen Vertreter in der Europa League (Hannover 96 und der VfB Stuttgart) müssen in der Bundesliga erst am Sonntag ran. Lucien Favre reagierte verstockt, als er über den Dauerstress reden sollte. „Ich spreche jetzt nicht darüber. Aber bald werde ich etwas dazu sagen“, erklärte der Schweizer. Nichts Störendes, und dazu gehört ein wütender Trainer, wollte der 55-Jährige seinem Personal zumuten.

Während Mönchengladbachs Gegner Rom in der Serie A gegen Siena erst am Montag antreten muss, schwört das gehetzte Programm in der Bundesliga eine Wettbewerbsverzerrung herauf. Der Hamburger SV kann sich sogar über den Vorteil freuen, nach Borussia Mönchengladbach nächste Woche Samstag, nach den Rückspielen in der Europa League, mit Hannover 96 wieder auf einen Gegner zu treffen, der vom Duell gegen Anschi Machatschkala müde sein wird. Das Thema der Mini-Pause war aber nicht das einzige, das Favre ein wenig aus der Fassung brachte. Für die Behauptung, das Kapitel Europa League sei nach dem 3:3 für Gladbacher so gut wie beendet, hatte er gar kein Verständnis.

„Wir brauchen nächste Woche in Rom ein 1:0 oder ein 2:1. Dass das möglich ist, hat dieses Spiel gezeigt“, sagte Borussias Trainer. Die Ausgangslage sei nach dem Spektakel mit drei Foulelfmetern für die Gladbacher, einem Platzverweis für Lazios Verteidiger Andres Diaz und dem Gegentor zum 3:3 in der Nachspielzeit aber nicht allzu günstig, um noch das Achtelfinale gegen Stuttgart oder Genk zu erreichen. „Ein 4:4 wird es sicher nicht geben, also müssen wir gewinnen, um weiterzukommen“, sagte Favre.

Von den Auswärtstoren, die in den europäischen K.-o.-Spielen eine wesentliche Rolle spielen, hatten die Römer vor 46 279 Zuschauern im ausverkauften Borussia-Park auch ohne den verletzten Miroslav Klose einfach zu viele erzielen dürfen. Selbst das Novum, dass einem Team in der Europa League drei Foulelfmeter zugesprochen wurden, reichte nicht zum Sieg. Martin Stranzl verwandelte den ersten Strafstoß und vergab beim Stand von 1:2 den zweiten. Thorben Marx nutzte den dritten zum 2:2. Dann traf Juan Arango mit einem 30-Meter-Freistoß zum 3:2, doch abermals fanden die Römer durch Libor Kozaks Treffer eine Antwort.

„In letzter Sekunde das 3:3 gegen einen Gegner in Unterzahl zu bekommen ist bitter. Es ist ein Riesenunterschied, ob du ein Hinspiel 3:2 gewinnst oder 3:3 spielst“, sagte Verteidiger Roel Brouwers. Martin Stranzl aber hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: „Wir haben in Kiew und bei Fenerbahce gewonnen. Wir haben also auch bei Lazio eine Chance.“ Aber zunächst einmal müssen sie das Spiel in Hamburg überstehen. Gregor Derichs

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