Borussia Mönchengladbach : Nur 0:0 in Darmstadt: Aufbruch ist anders

Borussia Mönchengladbach spielt beim Debüt von Trainer Hecking nur 0:0 beim Tabellenletzten Darmstadt - und zieht trotzdem Mut aus der Begegnung.

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Sehen so Sieger aus? Eher nicht. Auf Borussia Mönchengladbach wartet noch viel Arbeit in dieser Saison.
Sehen so Sieger aus? Eher nicht. Auf Borussia Mönchengladbach wartet noch viel Arbeit in dieser Saison.Foto: dpa

Max Eberl setzte zu seiner Antwort an, stockte, überlegte noch einmal, holte Luft, nahm gewissermaßen Schwung und sagte dann: „Ich bin mit der Berichterstattung nicht zufrieden.“ Medienschelte will gut bedacht sein, erst recht, wenn man sie, so wie Eberl, vor einem Millionenpublikum äußert. Der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach saß am späten Samstagabend als Gast im Aktuellen Sportstudio des ZDF und gerade war der Bericht über das 0:0 seiner Mannschaft bei Darmstadt 98 abgespielt worden. Tenor: Schon seltsam, dass die Gladbacher sich inzwischen mit einem torlosen Unentschieden beim Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga zufrieden geben.

Eberl hatte den Unterton des Beitrags als „despektierlich“ empfunden – dem Gegner gegenüber. Und auf den Einwand, dass die Darmstädter vor dem Spiel nur acht Punkte gehabt hätten, entgegnete er: „Wir hatten auch nur 16.“ Angesichts dessen könne man nicht mit der Arroganz nach Darmstadt fahren zu denken: Wir schießen die aus dem Stadion. Davon war die Borussia im ersten Spiel ihres neuen Trainers Dieter Hecking in der Tat weit entfernt. Die Gäste hatten am Böllenfalltor zwar mehr und die besseren Chancen als die biederen Darmstädter; weil die Begegnung aber vor allem viel Leerlauf zu bieten hatte, fühlte sich das 0:0 am Ende irgendwie treffend an – und für beide Mannschaften durchaus erträglich.

„Mit dem ersten Auftritt mit meiner neuen Mannschaft bin ich einverstanden“, sagte Dieter Hecking. Sportdirektor Eberl sprach von einem klaren Schritt nach vorne, einer stabilen, ordentlichen Leistung. Bezugsgröße für solche Deutungen ist weniger das Potenzial des Kaders, der vor der Saison von vielen als der beste der jüngeren Vereinsgeschichte identifiziert worden war. Bezugsgröße ist der Ist-Zustand des Klubs, der das Jahr 2016 als Vierzehnter mit gerade drei Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone beendet hatte, so dass sich Eberl kurz vor Weihnachten zum Wechsel auf der Trainerposition gezwungen sah. Den vom Publikum als zunehmend erratisch empfundenen André Schubert ersetzte er durch den geradlinigen Dieter Hecking.

Die Gladbacher haben sich darauf eingestellt, dass die Saison kompliziert wird

Seitdem ist das Umfeld hin- und hergerissen zwischen biederem Realismus und trotzigem Optimismus. „Die Mannschaft ist heiß“, sagte Mittelfeldspieler Jonas Hofmann nach dem Spiel in Darmstadt. Die ganz Optimistischen haben sogar schon daran erinnert, dass Borussia Dortmund vor zwei Jahren noch den Sprung von Platz 17 in den Europapokal geschafft hat. Nach dem Auftritt am Böllenfalltor benötigt man allerdings eine Menge Fantasie, um sich auch von den Gladbachern eine solche Aufholjagd vorzustellen. Eberl weigert sich zwar, vom Abstiegskampf zu sprechen. Aber sich möglichst schnell und geräuschlos aus der Gefahrenzone zu entfernen, wird für die Mannschaft schon schwer genug. Ein 0:0 beim Tabellenletzten ist jedenfalls nicht unbedingt das, was allgemeine Aufbruchsstimmung erzeugt, auch wenn es für die Gladbacher der erste Auswärtspunkt seit dem vierten Spieltag war. „Wir haben uns darauf eingestellt, dass es noch eine schwere Saison wird“, sagte Verteidiger Tony Jantschke.

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Seit drei Wochen ist Hecking nun im Amt. „Er hat der Mannschaft Stabilität gegeben und eine klare Ansprache gefunden“, sagte Eberl. Die Gladbacher wirkten in Darmstadt zumindest nicht mehr so verunsichert wie in den letzten Spielen vor der Winterpause, auch wenn die spielerische Leichtigkeit nicht über Nacht zurückgekehrt ist. „Zum Teil war die Mannschaft noch zu verspielt“, sagte der neue Trainer. „Sie muss zielstrebiger werden. Dann wäre in der einen oder anderen Situation vielleicht noch mehr möglich gewesen.“

So wurde vor allem die defensive Stabilität des Teams als positiv empfunden – gegen einen Gegner allerdings, der seit nunmehr fünf Spielen kein Tor mehr geschossen hat. Die beste Chance hatten die Darmstädter eine Viertelstunde vor Schluss, als Verteidiger Aytac Sulu nach einer Ecke frei zum Kopfball kam. Mitte Dezember, bei der letzten Auswärtsniederlage in Augsburg, hatten die Gladbacher auf genau diese Weise das Tor zum 0:1-Endstand kassiert. Vielleicht geht es ja wirklich voran.

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