Sport : Borussia Mönchengladbach und Rainer Bonhof müssen unbedingt wieder aufsteigen

Stefan Hermanns

Im Trainingslager der Fußballprofis von Borussia Mönchengladbach hat Rainer Bonhof zwei Sportjournalisten ein Versprechen gegeben: Also gut, wenn der Verein wirklich wieder in die Bundesliga aufsteige, so hat Bonhof zugesagt, werde er noch einmal den Tegtmeier machen. "Ich würde das gerne tun", sagt er. Erst vor ein paar Monaten war seine Interpretation des Kohlenpott-Originals Tegtmeier alias Jürgen von Manger noch einmal im Fernsehen zu sehen. Der Film wurde eingespielt, als Bonhof Gast im Aktuellen Sportstudio war. Allzu glücklich schien er darüber nicht gewesen zu sein. Vielleicht hat ihm die alte Frisur nicht mehr gefallen. Oder der hellblaue Trainingsanzug, den er damals trug. Ist auch schon lange her. 22 Jahre, genau gesagt. Borussia Mönchengladbach war gerade zum fünften Mal Meister geworden. Inzwischen sind die Ansprüche bescheidener.

Bonhof hat zuletzt wenig Gelegenheit gehabt, sein komödiantisches Talent zu beweisen: Zuerst schied er früher als erlaubt mit seinem Freund Berti Vogts und der deutschen Nationalelf bei der Weltmeisterschaft aus, kurze Zeit später wurde er arbeitslos, und als sich nichts Besseres fand, übernahm er einen Job, vor dem sich die meisten Kollegen gedrückt hatten: Bonhof sollte die Borussia vor dem Abstieg retten. Die lag zu jenem Zeitpunkt abgeschlagen am Tabellenende, hatte gerade in Folge 2:8 und 1:7 verloren und war zur Lachnummer geworden.

Als die Saison zu Ende war, lag Gladbach immer noch abgeschlagen am Tabellenende, und so ist aus dem vorigen Jahr vor allem Bohnhofs verkniffenes Gesicht in Erinnerung geblieben. Und dann war da noch diese blöde Geschichte mit Toni Polster, dem Liebling der Fans, den Bonhof nicht mehr mitspielen lassen wollte. Oder der Kleinkrieg mit Karlheinz Pflipsen, der die Saisonabschlussfeier im Zorn verließ, weil Bonhof ihn bei der Verabschiedung mit keinem Wort erwähnt hatte.

Bei seiner neuen Mannschaft, die ganz anders aussieht als die des Vorjahres, hat Bonhof den Eindruck, "dass das Klima sehr gut ist". Im vorigen Jahr sei es teilweise verbissener zugegangen. Ob das auch für ihn gelte? "Ja, natürlich. Jeder war angespannt", sagt er. Das letzte Jahr sei eine Lehre für alle gewesen. Auch deshalb soll Toni Polster bei den Borussen jetzt wieder regelmäßig im Sturm mitwirken dürfen.

Als Borussia noch groß war und die Spieler Netzer, Vogts und Heynckes hießen, wurden die Geschäfte des Vereins von Helmut Grashoff geführt. Grashoff lebte schon lange im Rheinland und war sogar einmal Karnevalsprinz gewesen. Trotzdem ist er Zeit seines Lebens ein nüchterner Hanseat geblieben. Der Gladbacher Manager hat damals gewarnt, wenn Borussia absteige - was seinerzeit so wahrscheinlich war wie die Wahl einer Frau zum Papst -, dann könne der Verein gleich die Lizenz abgeben und sich für die Oberliga anmelden. Grashoff konnte sich einfach nicht vorstellen, dass sich jemand in Mönchengladbach ein Zweitligaspiel anschauen würde. Jetzt, da der Schrecken Wirklichkeit geworden ist, beweisen die Borussen-Fans das Gegenteil. 8200 Dauerkarten hat der Verein verkauft, so viele wie kein anderer Verein der Liga.

Ein erfolgreicher Saisonstart "wäre gut fürs Gemüt", sagt Bonhof. Und er wäre gut für Rainer Bonhof, dessen Arbeitsplatz davon abhängt. Den Aufstieg, so sagt er, "kann keiner garantieren". Er muss es. Vier Spiele hat er Zeit, dann wird die Klubführung vielleicht erstmals über seinen Arbeitsplatz diskutieren. Bonhof sagt, dass die Zweite Liga so stark sei wie noch nie und dass Bielefeld im vergangenen Jahr nach miserablem Start doch noch den Aufstieg geschafft habe. Mit neuem Trainer. Das sagt Bonhof natürlich nicht. Er sehe die Sache "recht realistisch": Es werde ein ganz schweres Jahr, und wenn Borussia nicht aufsteigt, "wäre das sicherlich nicht angenehm".

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