Sport : Bosheiten zum Abschied

Nach dem Sieg in Leverkusen ärgert sich der FC Bayern – weil die Stürmer nicht öfter trafen

Erik Eggers

Leverkusen. Hohn und Spott ergossen sich über den TSV Bayer 04 Leverkusen, der noch vor sechs Wochen zur deutschen Meisterschaft greifen wollte. Vielleicht übertrafen sich auch deshalb die Beteiligten des FC Bayern München – gewollt oder ungewollt – mit Bosheiten, als ihr 3:1-Erfolg in der Bayarena endgültig feststand. „Wir haben es hier versäumt, etwas für das Torverhältnis zu tun“, sagte beispielsweise Bayerns Manager Uli Hoeneß. Auch der zweifache Torschütze Roy Makaay fand den Auftritt seiner Mannschaft schlichtweg souverän. Allein Trainer Ottmar Hitzfeld wollte sich – wie immer ganz Gentleman – nicht an diesen Sottisen beteiligen und schoss lieber rhetorische Spitzen gegen die Medien. „Totgesagte leben länger“, sagte der Trainer der Bayern lächelnd, „viele hatten uns ja schon abgeschrieben.“

Nach dem Erfolg von Leverkusen fliegt der FC Bayern nun mit breiter Brust zum Achtelfinal-Rückspiel der Champions League nach Madrid, um sich dort auch gegen Real durchzusetzen. Die Bayern strahlten Selbstbewusstsein aus, mit jedem Satz, mit jedem Blick, mit jeder Pore. Wie elend hingegen wirkten die Verlierer aus Leverkusene. Wortlos schlichen sie vom Platz: mit gesenkten Köpfen, von Pfiffen begleitet. Dass sich diese Mannschaft im vergangenen Herbst in eine Euphorie gespielt hatte, ist unfassbar angesichts der aktuellen Negativ-Serie. Erst einen Punkt hat Bayer verbuchen können in den bisher sechs Spielen der Rückrunde. Einen Uefa-Cup- Platz belegt Leverkusen nur noch dank des besseren Torverhältnisses gegenüber Schalke. Es sind freilich nicht nur Statistiken dieser Art, die Bayers Trainer Klaus Augenthaler verzweifeln lassen. Spätestens nach dem 2:0 hatte er das „Gefühl, dass die Mannschaft innerlich zerbricht“, Spieler wie Diego Placente, Franca und Bernd Schneider ergaben sich wehrlos in die Niederlage.

„Es ist dramatisch“

„Die Mannschaft glaubt momentan nicht an sich und auch nicht daran, dass sie ein Spiel umdrehen kann“, sagte Augenthaler kopfschüttelnd. „Es ist dramatisch“, sagte Nationalspieler Carsten Ramelow, der kurz vor dem 0:2 wegen eines Muskelfaserrisses ausgewechselt worden war, „wir sind dabei, alles zu verspielen.“ Am ersten Gegentreffer durch Makaay besaß Jens Nowotny einen entscheidenden Anteil. Zwar wollte der Kapitän den Flankengeber Zé Roberto stören. Doch Nowotny kam, weil er aufgrund einer Kniestauchung nur noch humpeln konnte, zu spät. So stand erneut die Frage im Raum, warum Augenthaler seinen Abwehrspieler nicht sofort nach der Verletzung ausgetauscht hatte.

Aber nicht nur die beinahe tragische Figur Nowotny bot sich als Sinnbild für die Krise an. Leverkusen besitzt zwar nach wie vor enormes spielerisches Potenzial, auch ohne den schmerzlich vermissten Gestalter Robson Ponte. Doch im Angriff fehlt es an Präzision und Effektivität, die das Münchner Spiel und den Torproduzenten Roy Makaay derzeit auszeichnet. Als der Niederländer etwa zehn Minuten vor seinem ersten Tor eine große Kopfballmöglichkeit vergab, ahnte jeder im Stadion: Eine weitere Chance dieser Qualität wird der nicht noch einmal vergeben.

Hitzfeld, sonst kein Mann der überschwänglichen Komplimente, lobte nach dem Spiel nicht nur die Quote seines Torjägers, der in seinem 21. Liga-Einsatz die Treffer 14 und 15 erzielte. Ihm hatte vor allem die hohe Spielintelligenz des Holländers gefallen. „Er hat sich weiterentwickelt, er kann jetzt auch das Spiel verlagern“, sagte Hitzfeld. Falls die Bayern am Mittwoch tatsächlich noch reüssieren sollten gegen den spanischen Rekordmeister, dann wird dies nicht nur verbunden sein mit der tadellosen Abwehrorganisation, mit der die Bayern in Leverkusen aufwarteten. Es wird auch etwas zu tun haben mit dem Namen Makaay.

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