Botschafter Simon McDonald : Samstag war kein guter Tag für Fußballfans

Der Traum von der Weltmeisterschaft der Fußballerinnen ist für England ebenso wie für Deutschland geplatzt. Aber Großbritanniens Botschafter Simon McDonald hat nichts als Lob für die Gastgeber der WM.

Simon McDonald
Faye White verschießt. Der Start eines traurigen Samstags.
Faye White verschießt. Der Start eines traurigen Samstags.Foto: Reuters

Samstag war kein guter Tag. Zuerst ist England bei der Frauenfußball-WM ausgeschieden. Im Elfmeterschießen gegen Frankreich. 1990 war ich gerade in Bonn, als Englands Männer bei der WM in Italien das gleiche Schicksal gegen Deutschland ereilte. Und kaum hatte ich mich entschieden, dann eben zu Deutschland zu halten (schließlich lebe ich ja hier), da sind auch die deutschen Damen ausgeschieden, gegen ein Team, das Gruppenzweiter war. Aber wenn man so früh ausscheidet, hat man als Fan immerhin die Chance, auch das Drumherum der WM wahrnehmen, statt nur auf das Abschneiden der eigenen Nationalmannschaft zu schauen.

Die Organisation der WM war einfach hervorragend. Ich bin zu allen vier England-Spielen gefahren und an allen vier Austragungsorten wurde eine tolle Show geboten. Die kleinste Zuschauerzahl waren die 19.000, die sich am Montagnachmittag (noch vor dem Ende des Tagesschicht) im Wolfsburger Stadion eingefunden hatten. Mit jedem weiteren Spiel stieg die Zuschauerzahl, bis es in Leverkusen schließlich 26.000 waren.

Dresden und Augsburg hatten auch ein kulturelles Rahmenprogramm zur WM aufgelegt. Brasilien hat dabei in der Friedensstadt Augsburg den Peace Cup der Schüler gewonnen (vielleicht ein kleiner Trost dafür, dass sie im Viertelfinale ebenfalls gegen einen Gruppenzweiten ausgeschieden sind?).

Der britische Botschafter Simon McDonald ist nicht nur Royal-Wedding-Fan, sondern auch begeisterter Fußball-Anhänger.
Der britische Botschafter Simon McDonald ist nicht nur Royal-Wedding-Fan, sondern auch begeisterter Fußball-Anhänger.Foto: dpa

Alle vier Städte präsentierten voller Stolz ihre Stadien  – auf dem neuesten Stand der Technik, klimaneutral (so in Augsburg) und fit für die Bundesliga. Die Stimmung war überall gastfreundlich und entspannt. Und obwohl es bei unseren Spielen keine deutsche Beteiligung gab (vielleicht hätten wir wirklich Zweiter in unserer Gruppe werden sollen, um eine Begegnung mit den Mädels von Silvia Neid zu garantieren!), war das Publikum interessiert und mit Begeisterung dabei. Mit einer Ausnahme allerdings: Vermutlich waren wir in Leverkusen nahe genug an Frankreich, um das Stadion mit lautstarken Les-Bleus-Fans zu füllen – aber die Buhrufe und Pfiffe, unter denen die englischen Spielerinnen zu den Elfmetern antreten mussten, waren einfach nicht in Ordnung.

Die unvergesslichen Erinnerungen sind jedoch alles in allem überaus positiv. Das englische Team war sehr angetan von seinen Trainingsmöglichkeiten und der Hotelunterbringung – alles war auf Weltklasseniveau. Mit der WM ist auch das öffentliche Interesse am Frauenfußball gewachsen. Und wie ein erfahrener Kommentator meinte, hat die deutsche Mannschaft gar nicht schlechter gespielt als 2003 oder 2007, als sie Weltmeister wurde, es lag einfach daran, dass die anderen Mannschaften inzwischen so viel besser geworden sind.

Schön war auch, den Sportsgeist der Deutschen zu erleben, nachdem sie ausgeschieden waren. Kein Nachlassen der Zuschauerzahlen oder der Begeisterung – stattdessen ehrliche Jubelstimmung über die tollen sportlichen Leistungen der Spielerinnen. Und man muss wirklich anerkennen, dass Deutschland den Sport mit der Organisation dieser WM auf eine neue Ebene gehoben hat. Danke an Silvia , Steffi und Birgit, und das Heer der Helfer hinter euch!

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