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Box-Legende : Muhammad Ali ist tot

Der "Größte aller Zeiten": Muhammad Ali war einer der prägendsten Sportler des 20. Jahrhunderts. Er starb nach jahrelanger Parkinson-Krankheit. Der Champ wird in seiner Heimatstadt beerdigt.

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Gezeichnet, aber mit funkelnden Augen: Muhammad Ali im Jahr 2006.
Gezeichnet, aber mit funkelnden Augen: Muhammad Ali im Jahr 2006.Foto: Andreas Meier

Muhammad Ali ist tot. Der größte Boxer der Geschichte starb am Freitag (Ortszeit) in einem Krankenhaus bei Phoenix. „The Greatest“ wurde 74 Jahre alt.

Ali starb an einer Blutvergiftung in Folge unspezifizierter natürlicher Ursachen. Die Komplikationen seien auf die jahrzehntelange Parkinson-Erkrankung Alis zurückzuführen gewesen, sagte der Pressesprecher der Familie, Bob Gunnell, am Samstag in Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona. 

Gunnell bestätigte, dass Ali dort am Freitagabend um 21.10 Uhr (Ortszeit) gestorben sei und zuvor die letzte Stunden seines Lebens im engsten Familienkreis verbracht habe. „Er hat nicht gelitten“, hieß es weiter. Viele Freunde Alis seien extra eingeflogen, um sich zu verabschieden. „Aber sie respektierten die Familie und gingen nicht in den Raum“, sagte Gunnell.

Die Trauerfeier für Ali ist für Freitag in seiner Heimatstadt Louisville im US-Bundesstaat Kentucky angesetzt. Bei der öffentlichen Zeremonie soll auch der frühere US-Präsident Bill Clinton eine Trauerrede halten, sagte Gunnell. Vor der Feier soll es einen Trauerzug durch die Stadt geben. „Eine große Prozession wird Ali durch die Straßen Louisvilles führen, damit jeder aus der ganzen Welt, der dabei sein möchte, sich von ihm verabschieden kann“, sagte Gunnell weiter. Um 14 Uhr (Ortszeit) beginne dann die von Geistlichen verschiedener Religionen geleitete Zeremonie im Yum Center, einer rund 20.000 Menschen fassenden Veranstaltungsarena im Stadtzentrum.

Der dreimalige Schwergewichtsweltmeister war am Donnerstag wegen Atemproblemen in das Krankenhaus eingeliefert worden. Sein Sprecher sagte daraufhin, er werde von einem Ärzteteam betreut und befinde sich in guter Verfassung. Es sei mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt zu rechnen.

Ali wurde am 17. Januar 1942 in Louisville als Sohn eines Plakatmalers geboren. Seine Weltkarriere als Boxer begann mit seinem Olympiasieg 1960 in Rom. Damals hieß er noch Cassius Clay. Im Februar 1964 wurde er zum ersten Mal Schwergewichtsweltmeister, als er Sonny Liston bezwang. Seinen eleganten Boxstil beschrieb er danach mit den Worten: „Float like a butterfly, sting like a bee.“ („Schweb wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene.“ Nach seinem Sieg trat er zum Islam über und nahm den Namen Muhammad Ali an.

Auch sprachlich schlagfertig

Sein Wortwitz, seine Schlagfertigkeit machten ihn zu einer Ausnahmeerscheinung. Immer wieder lieferte er sich Verbalduelle mit dem legendären amerikanischen Sportkommentator Howard Cosell, jenem Mann, der selbst in die TV-Geschichte einging, als er 1980 den Tod John Lennons im Fernsehen verkündete. Auch seinen Gegnern trat Ali mit überragender Schnelligkeit gegenüber - und hatte vorher schon prognostiziert, wann sie zu Boden gehen würden. Tänzelnd bewegte Ali sich durch den Ring, schnell flogen die Fäuste, während die Füße zum "Ali Shuffle" ansetzten. Eine Pop-Ikone wie Elvis und die Beatles. Jahrelang war Ali nicht zu besiegen.

Muhammad Ali - seine besten Sprüche
"Ich bin nicht der Größte, ich bin der Doppel-Größte! Ich knocke sie nicht nur aus, sondern sage auch noch die Runde voraus." - Das Bild zeigt Muhammad Ali nach seinem Sieg über Sonny Liston 1965.Weitere Bilder anzeigen
1 von 23Foto: AFP
04.06.2016 14:03"Ich bin nicht der Größte, ich bin der Doppel-Größte! Ich knocke sie nicht nur aus, sondern sage auch noch die Runde voraus." -...

Erst durch ein Politikum verlor Ali seinen Titel. 1967 weigerte er sich, zum Wehrdienst anzutreten und als Soldat nach Vietnam zu gehen - auch unter Verweis auf die fehlende Gleichberechtigung für Schwarze in den USA. Drei Jahre blieb er gesperrt, 1970 durfte Ali wieder boxen - und holte sich den Gürtel zurück.

Mit "Rope-a-Dope"-Taktik schlägt er sensationell den jüngeren Foreman

In diesen zweiten Teil seiner Karriere fielen unvergessliche Kämpfe. Beim „Rumble in the Jungle“ in Kinshasa (Zaire, heute Kongo) durchbrach er die Box-Regel "They never come back" und wurde wieder Weltmeister. Gegen den jüngeren George Foreman galt er als chancenlos. Doch während der bullige Champion sich im Trainingslager mit Schäferhund abschottete, suche Ali die Nähe zur afrikanischen Bevölkerung. Angefeuert vom Publikum stieg er in den Ring - und überraschte die Boxwelt. Statt zu tänzeln, lehnte er sich immer wieder in den Seile und ließ sich scheinbar verprügeln. Doch er verbarg seinen Kopf hinter einer Doppeldeckung, ließ Foreman soviel schlagen, bis dieser müde wurde. Das "Rope-a-Dope" war erfolgreich: In der 8. Runde schlug Ali Foreman K.O.

Mehrfach trat Ali auch gegen den agilen Joe Frazier an. 1975 lieferten sich die beiden beim „Thrilla in Manila“ einen der besten Boxkämpfe der Geschichte. Beide Boxer gingen an die Grenzen ihrer physischen Belastbarkeit - bis Frazier vor Beginn der 15. und letzten Runde aufgab.

Der letzte Kampf gegen Berbick - eine Schande

Trotz seiner Rücktrittsankündigung im Juni 1979 zog es Ali noch einmal in den Ring. Er hörte nicht auf die Warnungen von Ärzten und trat im Oktober 1980 gegen Larry Holmes an. Ali verlor nach Kampfabbruch. Seinen 61. und letzten Profi-Kampf (56 Siege) bestritt er ein gutes Jahr später. Wieder verlor Ali, Gegner am 11. Dezember 1981 in Nassau war damals Trevor Berbick - ein Kampf, der allgemein als Schande empfunden wurde.

Im Jahr 1984 wurde bei Ali Parkinson diagnostiziert. Doch selbst zum Ende seiner sportlichen Laufbahn gab es jedoch schon Anzeichen auf die Erkrankung, insbesondere seine Äußerungen fahren immer wieder ungewohnt fahrig. Als er 1996 schon gezeichnet von seiner Krankheit das Olympische Feuer entzündete, sorgten die Bilder weltweit für Ergriffenheit.

In der Öffentlichkeit zeigte sich Ali in den vergangenen Jahren immer seltener. Zuletzt war er wegen gesundheitlicher Beschwerden mehrfach im Krankenhaus behandelt worden.

Ende 2014 wurde zunächst eine leichte Lungenentzündung diagnostiziert, nach ein paar Tagen stellten die Mediziner jedoch eine schwere Harnwegsinfektion fest. Kurz nach seiner Entlassung hatte sich Ali zur Nachsorge erneut ins Krankenhaus begeben müssen. Nach einer Nacht war er wieder entlassen worden.

Ende 2015 erhob er zum letzten Mal seine Stimme. Die anti-islamischen Ausfälle Donald Trumps im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur ließ er dem Milliardär nicht durchgehen. Nachdem Trump ein Einreiseverbot für Muslime in die USA gefordert hatte, forderte Ali, Politiker sollten ihre Position lieber nutzen, um darüber aufzuklären, wie Terroristen den Islam pervertierten. Zugleich verurteilte er die Taten von Paris und San Bernardino. Unschuldige Menschen zu töten und anderen die Religion aufzwingen zu wollen, richte sich gegen die Lehren des Islam. (mit dpa, AFP)

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