Box-Weltmeister : Marco Hucks wilde Straßenkeilerei

Trainer Ulli Wegner war mal wieder restlos bedient von seinem Schützling Marco Huck. Der Box-Weltmeister hatte seinen Titel des Verbandes WBO im Cruisergewicht gegen den Amerikaner Brian Minto Samstagnacht in Oldenburg zwar erfolgreich verteidigt, die Art und Weise aber stieß Wegner übel auf.

Der 68-Jährige musste sich nach Hucks Sieg durch technischen K.o. zu Beginn der zehnten Runde auf die Zunge beißen. „Ich weiß, was noch alles mit Marco zu tun ist“, stöhnte der Trainer. „Er muss sich auch an die Taktik halten.“

An der Rechtmäßigkeit des Sieges gab es jedoch keinen Zweifel. Huck hatte seinen Herausforderer in der dritten, fünften und neunten Runde auf die Bretter geschickt. Doch der bullige Amerikaner, der vor knapp vier Jahren Publikumsliebling Axel Schulz bei dessen Comeback-Versuch deutlich geschlagen hatte, kehrte stets zurück. Wankend zwar, aber immer noch in der Lage, zurückzuschlagen. Zwischendurch verlor der 35-Jährige die Orientierung und setzte sich in der Rundenpause zum verblüfften Wegner in die Ecke. Erst vor der zehnten Runde hatte die Minto-Ecke mit ihrem torkelnden Kämpfer ein Einsehen und ließ den Kampf abbrechen, der mitunter an eine wilde Straßenkeilerei erinnerte. Vom feinen Boxen, das Wegner als hehres Ideal seit Erwerb seines DDR-Sportlehrerdiploms in den 60er Jahren predigt und lehrt, war Huck erneut meilenweit entfernt. Seine Brachialattacken begeisterten zwar die 3500 Zuschauer in der Weser-Ems-Halle, verpufften aber häufig.

Huck schlug gewaltige Luftlöcher, die jedoch immens Kraft kosteten. Mit seinen kompletten 90 Kilo warf sich der 25 Jahre alte gebürtige Serbe in die Schläge. Immer wieder forderte Wegner, den linken Jab zu bringen. „Mach doch, was ich dir sage“, fuhr er seinen schnaufenden Schützling an. „Hör mal zu: Du bist Weltmeister. Du musst schlauer boxen. Ist doch klar, dass du dumm boxt.“

Auch das half nicht. Huck boxte, wie Huck immer boxt: nicht schlau, aber gewaltig. „Lass das weg! Meine Fresse!“, rief Wegner. Huck ignorierte seinen Trainer. „Im Moment machst du 'ne sinnlose Schlägerei.“ Huck boxte in seiner ungestümen Art, bis der Gegner aufgab. Um das Arbeitspensum, das Wegner mit dem früheren Kickboxer noch vor sich hat, beneidete keiner der anwesenden Experten den Trainer. Axel Schulz befand, Huck habe sich zu sehr auf seine Schlagkraft verlassen und die Linke schleifen lassen. Nach dem Kampf fiel Huck wieder ein, was Wegner eigentlich wollte: „Man muss locker boxen“, sagte der Weltmeister. „Von Kampf zu Kampf steigere ich mich.“ (dpa)

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