Boxen : 10.000-Euro-Baby

Es soll der glänzende Abschluss der erstaunlichen Karriere von Regina Halmich werden. Die Boxerin Hagar Shmoulefeld Finer kann heute den Abschiedskampf verderben.

Martin Krauß[Karlsruhe]
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Die Unbekannte. Boxerin ohne Kampfnamen - Shmoulefeld Finer -Foto: dpa

Angst vor Regina Halmich hat Hagar Shmoulefeld Finer nicht. „Warum sollte ich?“, sagt die 23-jährige Boxerin, „ich kenne Regina ja gut.“ Vor ein paar Jahren war die Israelin Sparringspartnerin der deutschen Boxweltmeisterin. Am heutigen Freitagabend in Karlsruhe will sie Halmichs Weltmeistertitel, und sie ist optimistisch, dass ihr das gelingen wird. „Damals war ich ja noch Anfängerin“, erklärt sie. „Nun bin ich stärker geworden. Ich verändere mich ständig. Regina aber ist schon alt, sie verändert sich nicht mehr.“

Dabei weiß Shmoulefeld Finer genau, dass ihre Chancen gegen Halmich nicht die größten sind. „Ich hoffe auf faire Kampfrichter“, sagt sie, „die könnten ein Problem werden. Es ist schließlich Reginas letzter Kampf.“

Shmoulefeld Finer weiß, wovon sie spricht. Im Juni 2005 hatte sie in Budapest einen Weltmeisterschaftskampf gegen die Ungarin Reka Krempf – und verlor umstritten nach Punkten. Es sollte nicht ihre einzige seltsame Niederlage bleiben. Im Januar 2006 boxte sie in Hamburg gegen die Deutsche Julia Sahin – doch die Kampfrichter werteten mit 1:2 gegen sie. „Ich habe das Ding in Hamburg damals sehr viel anders gesehen“, sagt Jürgen Lutz, „nämlich für Hagar.“ Lutz war der erste Trainer von Regina Halmich und ist heute Vizepräsident des Profiverbandes WIBF. „Hätte der Kampf in Israel stattgefunden, wäre Hagar die Siegerin gewesen.“ Sogar Shmoulefeld Finers Gegnerin von damals, Julia Sahin aus Köln, sagt: „Das war wirklich nicht mein Tag gewesen. Ich war sehr müde und kaputt damals.“ Zum Kampf gegen Halmich sagt Sahin: „Ich traue ihr sogar einen K.-o.-Sieg zu.“ Das wäre das Größte, was der Kampfsporttrainerin aus Tel Aviv passieren könnte. „Seit fünf Jahren boxe ich“, sagt sie, „aber ich bin immer noch die einzige Profiboxerin in Israel.“ Die Medien nehmen sie so wenig ernst, wie Halmich vor zwölf Jahren in Deutschland ernst genommen wurde. Kein einziger israelischer Fernsehsender wird den Kampf live übertragen, angeblich wurden 2500 Euro pro Sendeminute verlangt. „Das zahlt in Israel keiner“, schimpft Shmoulefeld Finer. Immerhin, ein Sender wird ein Team schicken, das einen längeren Beitrag dreht.

Dann gäbe es wenigstens eigene Bilder, wenn Shmoulefeld Finer das Unmögliche schaffen sollte. Schon die Kampfbörse drückt aus, wie wenig man der Israelin heute zutraut: Eine Million Euro soll Halmich erhalten, 10 000 Euro Shmoulefeld Finer.

„Hagar kann für Israel so etwas werden, was Regina für Deutschland wurde“, sagt Jürgen Lutz. In Ermangelung eines eigenen Kampfnamens hat sich Shmoulefeld Finer bei Lutz bedient. „Nennen Sie mich doch ‚Super’“, sagt sie, „Jürgen ruft nämlich immer ‚super, super’, wenn er mich boxen sieht.“ Der Karlsruher Lutz unterhält schon seit Jahren Kontakte zur kleinen israelischen Profiboxszene. „Ein paar Talente im Frauenboxen habe ich schon gesehen“, sagt er, aber noch ist Hagar Shmoulefeld Finer die einzige, die international mithalten kann.

Den Titel eines WIBF-Intercontinental-Champs trägt sie, und auch bei ihren früheren Gegnerinnen hat sie Eindruck hinterlassen. „Hagar kann technisch sehr gut boxen“, sagt Julia Sahin aus Köln. „Bei dem Kampf gegen mich ist sie fast nonstop nach vorne marschiert.“ Vier Monate hat Shmoulefeld Finer auf diesen Freitagabend hintrainiert. „Es ist der wichtigste Kampf meines Lebens“, sagt sie. Sie weigert sich, einfach nur Staffage zu sein.

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