Sport : Boxen als Musical

Wladimir Klitschkos Kampf gegen Samuel Peter ist ein gutes Geschäft – wenn der Richtige gewinnt

Bertram Job[Frankfurt am Main]
Bereit. Vor fünf Jahren boxte Weltmeister Wladimir Klitschko schon einmal gegen Samuel Peter und gewann knapp. Foto: dpa Foto: dpa
Bereit. Vor fünf Jahren boxte Weltmeister Wladimir Klitschko schon einmal gegen Samuel Peter und gewann knapp. Foto: dpaFoto: dpa

Inzwischen genießt er den Status annähernder Unbesiegbarkeit, doch es gab tatsächlich eine Zeit, als Wladimir Klitschko sich durchbeißen musste. Sie kulminierte im September vor fünf Jahren, als er sich in Atlantic City das Recht auf eine neue WM-Herausforderung erkämpfen wollte. Sein Gegner war ein gefürchteter Puncher namens Samuel Peter, der ihn während der fulminanten zwölf Runden drei Mal zu Boden schlug. Der Mann mit dem nachgesagten Glaskinn erhob sich jedoch immer wieder, um am Ende einen knappen, aber verdienten Punktsieg zu erhalten. Sechs Monate später wurde er zum dritten Mal Weltmeister im Schwergewicht.

Die Erinnerung an den letzten aufregenden Vergleich in Klitschkos denkwürdiger Karriere (54 Siege, 3 Niederlagen) kehrt nun zurück. Heute Abend bekommt es der 34 Jahre alte Titelträger von zwei der vier wichtigen Weltverbände (IBF, WBO) im Ring der Großarena in Frankfurt am Main erneut mit Samuel Peter zu tun – er ist wie sein Gegenüber um fünf Jahre gealtert. Während der Doktor der Sportwissenschaften aus Kiew sich seither etablieren konnte, ist der Nigerianer eine schwer einzuschätzende Randfigur. Nach einer erneuten Niederlage hat er über drei Jahre und elf Runden drei Namenlose und einen unerfahrenen Mitbewerber in die Horizontale gelegt.

Ob das ausreicht, den um 12 Zentimeter größeren Klitschko noch einmal in echte Verlegenheit zu bringen? Die letzten Romantiker in dem flamboyanten Sport würden nur zu gerne daran glauben. Der Außenseiter kündigt seinem Publikum auch schon an: „Ihr werdet einen ganz schnellen, wunderschönen K.o. erleben, der in die Geschichte eingeht.“ Dafür will er etliche Kilos abgespeckt und sechs Wochen lang geschwitzt haben – in diesem Sport eigentlich das Minimum.

Verdächtig oft hat auch das Lager des Favoriten die Brisanz des Gegners gerühmt. Von „wahnsinniger Schlagkraft“ und „unglaublichen Nehmerqualitäten“ ist die Rede; Trainer Emanuel Steward gibt gar kund, dass Peter seit dem Wechsel von Manager und Trainer „viel stärker als vor fünf Jahren“ einzuschätzen ist. So wird die Trommel für einen Termin gerührt, der zunächst anders besetzt war: Erst durch die dubiose Absage des bisher unbesiegten Russen Alexander Powetkin rückte Peter als Pflichtherausforderer der IBF nach.

Egal, das Geschäft mit der pompös inszenierten Vorstellung läuft auch so. Mitunter drängt sich Beobachtern sogar der Verdacht auf, dass sich der Mangel an sportlicher Brisanz für die neue Laufkundschaft am Ring eher beruhigend als nachteilig auswirkt. Die artig rausgeputzten Besucher nehmen die Klitschko-Galas als einen folgenlosen Event wahr, bei dem der Sieg des vermeintlich Guten eingebaut ist – wie auch in jedem anderen Musical. Dabei wird das gesellschaftliche Rahmenprogramm zum eigentlichen Star: Für ein paar hundert Euro pro Nase ist man Zaungast, Zeitzeuge und Vip zugleich.

Heute Abend ab 22 Uhr trägt Wladimir Klitschko seine dritte Stadionveranstaltung in Folge aus, sie wird kommerziell in jedem Fall erfolgreich sein. Von den 40 000 Karten waren vor ein paar Tagen 37 000 abgesetzt. Der Privatsender RTL fordert für die halbe Werbeminute zwischen den Runden rund 117 000 Euro und darf mit etwa zehn Millionen Live-Kunden rechnen.

Das ergibt in der Summe eine Landschaft von lauter Gewinnern, die nur eines zu fürchten haben: Dass Samuel Peter sich tatsächlich noch mal steigern kann.

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