Boxen : Arthur Abraham: Knockouts statt Kaviar

Boxer Arthur Abraham kehrt konzentriert zurück. In der Nacht zum Sonntag boxt er im Rahmen des Super-Six-Turnier in Los Angeles das Halbfinale gegen WBA-Weltmeister André Ward.

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Berlin - Als die Welt von Arthur Abraham noch in Ordnung war, war er für fast jede Ablenkung zu haben. Mal ließ er sich mit seinem weißen Kaninchen im Hinterland des Charlottenburger Schloss filmen, er nahm in Talk-Shows Platz und überhaupt – alles diente Ruhm und Reichtum. In der Zwischenzeit ist die Welt von Arthur Abraham durcheinandergeraten. Der einst als unbezwingbar geltende Profiboxer verlor zwei Kämpfe nacheinander, weshalb nicht nur seine Karriere in den Seilen hing. Uli Wegner, sein langjähriger Trainer stellte ihn vor die Wahl: Boxen oder Zirkus.

Arthur Abraham hat sich wieder auf das Kerngeschäft konzentriert. Vielleicht gerade noch rechtzeitig. In der Nacht zum Sonntag (Live-Übertragung ab 1.15 Uhr in der ARD) boxt er im Rahmen des Super-Six-Turnier in Los Angeles das Halbfinale gegen WBA-Weltmeister André Ward (USA). Abraham ist Außenseiter.

Das war mal anders. Der 31-Jährige aus Berlin war selbst mal Weltmeister, wenngleich auch eine Gewichtsklasse tiefer, im Mittelgewicht. Weil er dort keine Gegner mehr fand, war er ins Super-Mittelgewicht aufgestiegen. Den ersten Kampf des Super-Six gewann er, die beiden folgenden gingen verloren. Trotzdem reichte es für die Halbfinalteilnahme. „Die Karten werden neu gemischt“, sagt Abraham nun. Das sei das Schöne am Boxen: „Auf einen Schlag kann sich alles ändern.“

Abraham weiß, wovon er spricht. Er war selbst ganz oben, bevor es ihn erwischte. Nach den vielen Siegen, oft durch Knockout, war ihm sein schneller Aufstieg wohl zu Kopfe gestiegen, wie Trainer Wegner kritisierte. Abraham wurde unkonzentriert und träge. Der inzwischen 69 Jahre alte Trainer stellte seinem Schützling die Sinnfrage. Er würde die Arbeit mit ihm nur fortsetzen, wenn Arthur Abraham sein Leben zwischen den Kämpfen optimiere. Denn der gebürtige Armenier, der inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, bastelte parallel an verschiedenen Karrieren. Zu den Ablenkungen zählten vielerlei geschäftliche Betätigungen. Mal kümmerte er sich um den Kaviarhandel des Vaters, mal um den Friseursalon der Mutter. Zwischendrin gab es ein paar Immobiliengeschäfte abzuwickeln und den Aufbau einer Fluglinie in seiner alten Heimat voranzutreiben.

„Der Trainer hatte ja Recht“, sagte Arthur Abraham vor dem Abflug in die USA. „Für mich geht es jetzt um alles. Meine Fans versöhnen und endlich wieder Weltmeister werden – der erste deutsche Weltmeister seit Schmeling, der in Amerika den Titel geholt hat.“

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