Sport : Boxen: Aus dem Garten in den Ring

Ingo Wolff

Torsten Schmitz wirkt gelöst. Der Boxtrainer steht vor dem traditionellen Wiegen inmitten eines Gartenlokals alleine auf dem Podium und flachst mit einem Kamerateam rum. Der sonst eher ruhige und zurückhaltende ehemalige Weltklasseboxer posiert zum Spaß für die Kamera, küsst dabei in alter Boxer-Manier sogar seinen Bizeps. Dabei hätte er eigentlich allen Grund ein wenig Anspannung zu zeigen, schließlich steht sein Schützling Thomas Ulrich heute beim Kampfabend im Neuköllner Estrel Hotel (Beginn 18.30 Uhr) als Hauptakteur im Ring.

Doch Ulrich boxt nicht wirklich um einen großen Titel. Der Berliner Halbschwergewichtler misst sich nur in einer Interkontinentalen Meisterschaft des Welt-Boxverbandes WBO. Sein Duell als Hauptereignis zu titulieren, war eher eine Notlösung für die kurzfristige verletzungbedingte Absage von Witali Klitschko. Dennoch trifft Ulrich mit Glencoffe Johnson auf einen achtbaren Gegner. Der Jamaikaner ging 1999 in einem WM-Kampf gegen Sven Ottke über die volle Rundenzahl und dürfte für Ulrich die passende Prüfung vor anstehenden größeren Aufgaben sein. Denn der Boxstall Universum hat mit dem 26-Jähigen noch einiges vor.

Boxpromoter Klaus-Peter Kohl hat erst am Donnerstag mit dem ZDF einen Fünfjahresvertrag ab August 2002 unterzeichnet. Damit sich die 40 Millionen Mark Investitionen für den öffentlich-rechtlichen Sender lohnen, müssen neben den Klitschko-Brüdern neue - wennmöglich deutsche - Stars bei Universum aufgebaut werden. Dazu gehört auch Ulrich, da Dariusz Michalczewski (33) als Weltmeister in der gleichen Gewichtsklasse ein wenig in die Jahre gekommen ist und erst kürzlich seinen Abschied angekündigt hat. Zudem ist er trotz aller Erfolge nie so ein Publikumsliebling geworden, wie Henry Maske. Michalczewski wird am 15. September seinen WBO-Titel zum 20. Mal verteidigen. Das könnte vielleicht das letzte Mal sein, vor dem Duell mit seinem potenziellen Nachfolger Ulrich. Universum zögert den Kampf natürlich raus. Denn: Noch ist Ulrich für diese Herausforderung nicht reif. "Wenn ich gegen Dariusz um die WM kämpfe, will ich auch gewinnen. Daher brauche ich noch ein bisschen Zeit, noch zwei schwere Kämpfe gegen harte Gegner", sagt Ulrich. Doch das Duell wird kommen, vielleicht noch in diesem Jahr. Immerhin steht er in der Rangliste der WBO auf Platz eins und ist somit Pflichtherausforderer. Bis dahin darf noch ein wenig geflachst werden.

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