Boxen : Begegnung mit dem Bösen

Wladimir Klitschko will sich mit einem Sieg über Brewster rehabilitieren. Vor drei Jahren erlebte er gegen den US-Amerikaner in Las Vegas ein Fiasko.

Michael Rosentritt[Köln]
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"Nacht der Wahrheit": Brewster gegen Klitschko. -Foto: dpa

Neulich in Leipzig hatte Wladimir Klitschko eine besondere Begegnung. Der Box-Weltmeister traf den Dalai Lama, das religiöse und politische Oberhaupt der Tibeter. Klitschko war mehr als angetan, die Begegnung habe sein Leben verändert. „Man muss positiv denken, diese Lehre habe ich gezogen“, erzählte Klitschko. „Alles Negative, Neid, Hass lassen einen verkrampfen. Weg damit!“ Vielleicht hängt die Eingebung des 31-jährigen Schwergewichtlers mit einer ganz anderen Begegnung zusammen. Heute nämlich trifft der Hüne aus Kiew auf Lamon Brewster. Dieser Herr ist für Klitschko so etwas wie ein Albtraum. Vor drei Jahren vermöbelte der US-Amerikaner den smarten Apoll so böse, dass der Ukrainer hinterher von Sabotage sprach.

Inzwischen hat sich Wladimir Klitschko berappelt. Er hat sechs Kämpfe erfolgreich absolviert. Aber einem schweren Knockout im Schwergewicht begegnet ein Boxer am konsequentesten mit einer direkten und erfolgreichen Revanche. „Ich habe mich seit drei Jahren vorbereitet. Ich freue mich wahnsinnig“, sagt Klitschko vor dem Kampf, der heute in der mit 20 000 Zuschauern ausverkauften Kölnarena steigt (ab 22 Uhr 25/RTL, Kampfbeginn 23 Uhr). „Für mich spielt die alte Geschichte keine Rolle mehr“, behauptet Klitschko.

Das kann er gerne, nur Ahnungslose werden ihm das abnehmen. Zu viel stand damals in Las Vegas auf dem Spiel. Ja fast seine Zukunft als Boxer. Denn dieser Kampf hatte eine bizarre Vorgeschichte. Ein paar Monate zuvor hatte der Hochgelobte seinen WBO-Titel in Hannover überraschend an einen Namenlosen der Szene verloren. Cornelius Sanders, ein damals schon 37-jähriger Polizist und Gelegenheitsboxer aus Südafrika, hatte ihn brutal ausgeknockt. Viermal war der frühere Olympiasieger zu Boden gegangen. Und dann das Fiasko gegen Brewster. Es schien dahin mit der ihm vorhergesagten Karriere. Klitschko werde das Schwergewicht auf Jahre hinaus beherrschen, hatte es lang geheißen. Nach der Niederlage gegen Brewster staunte die Fachwelt. „Er kann ja überhaupt nichts wegstecken“, sagte Mike Tyson. „Jetzt weiß jeder, wie er zu schlagen ist. Er hat keine Kondition und kein großes Herz“, sagte Roy Jones Junior, der damals beste Boxer überhaupt.

Insbesondere der Kampf gegen Brewster hatte Klitschko nachhaltig irritiert. Er verstieg sich in Verschwörungstheorien. Von K.-o.-Tropfen, die man ihm untergejubelt habe, war die Rede. Sogar seinen ehemaligen Trainer Fritz Sdunek zerrte er vor den Lügendetektor. Klitschkos Sabotagevorwürfe wurden nie bestätigt. Auswirkungen aber hatten sie. Brewster wurde von der amerikanischen Öffentlichkeit nicht als richtiger Weltmeister wahrgenommen, seine Kampfgagen fielen geringer als üblich aus. „Wladimir hat sich nicht als Sportsmann gegeben. Das tat mir und dem ganzen Boxsport weh“, sagt Brewster. Alle andere Fragen werde er im Ring beantworten.

„Wladimir ist vor seinem 52. Kampf in der Form seines Lebens. Er wird in der siebten Runde durch K. o. gewinnen“, posaunte derweil sein Trainer Emanuel Steward. Er ist überzeugt davon, dass sich sein Schützling die nötige Sicherheit im Ring zurückgeholt hat. Im April des vergangenen Jahres hatte Klitschko in Mannheim den WM-Titel nach IBF-Version von Chris Byrd erboxt. Der Amerikaner war auch schon im Oktober 2000 Gegner, als Wladimir Klitschko zum ersten Mal Weltmeister wurde, damals nach WBO-Version. Klitschko konnte davon ausgehen, dass ihm ein Gegner wie Byrd nicht wirklich gefährlich werden kann.

Von Lamon Brewster lässt sich das nicht behaupten. Der besitzt zwar lange nicht die boxerische Klasse, aber er kann gut einstecken und hart austeilen. Luan Krasniqi bekam das im September 2005 zu spüren, als er in Hamburg den Weltmeister herausgefordert und seine Unterlegenheit in Runde neun anzuerkennen hatte. Besonders friedvoll wird es auch im Kölner Ring nicht werden.

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