Boxen : Boxpromoter Ahmet Öner in Hamburg angeschossen

Nach den Schüssen auf Ahmet Öner sind die Hintergründe der Tat noch unklar. Gefahndet wird nach zwei flüchtigen Männern.

Dieter Hanisch[Hamburg]
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Einsatz in Borgfelde. Ahmet Öner wird nach dem Angriff in ein Hamburger Krankenhaus gebracht. -Foto: dpa

Immer wieder gibt es sie, die Geschichten von kriminellen Machenschaften rund ums Boxen. Und seit der Nacht zu Mittwoch kommt aus Hamburg eine neue Episode dazu. Der 37-jährige Deutsch-Türke Ahmet Öner, der als internationaler Boxpromoter arbeitet, wurde kurz nach 22 Uhr auf einem Hinterhof im Stadtteil Borgfelde angeschossen. Die Hintergründe der Tat sind bislang unklar.

Die Hamburger Polizei bestätigte den Vorfall, der inzwischen vom Landeskriminalamt untersucht wird. Demnach hatte der frühere Boxprofi einen Sponsor seiner „Arena Boxpromotion“ besucht. Als Öner mit seinem Fahrer das Haus des Kaufmanns verließ, gaben Unbekannte offenbar gezielt mehrere Schüsse auf den Promoter ab. Er wurde dabei ins linke Bein getroffen und musste im Krankenhaus St. Georg operiert werden. Während seine Begleiter unverletzt blieben, gab Öner bereits am Krankenbett wieder Interviews. Selbstbewusst, wie es in der Sportart üblich ist, verkündete er: „Die Show geht weiter!“

Auch Öner selbst ist in der Vergangenheit mit dem Gesetz in Kontakt gekommen. Geboren in Bocholt, aufgewachsen in Duisburg, musste er mit 18 bereits wegen Drogendelikten ins Gefängnis. Erst mit 27 wurde er selbst Profi und zog für den Universum-Boxstall von Klaus-Peter Kohl in Hamburg die Boxhandschuhe an. Zum großen Durchbruch langte es nicht, vielmehr überwarfen sich beide. Mit dem Image als „Bad Boy“ ist Öner nicht unglücklich. Schlechte Schlagzeilen sind immer noch besser als gar keine. Immer wieder sorgt er bei Boxkämpfen mit Eskapaden für Wirbel, liefert sich Prügeleien und pöbelt, versucht Kampfrichter zu beeinflussen, so dass der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) ihm die Genehmigung entziehen wollte. Durch einen Austritt kam er dem zuvor, besorgte sich aber ersatzweise eine entsprechende Lizenz über den Verband in Lettland.

Öner werden Verbindungen ins Rotlichtmilieu sowie zu den Hells Angels nachgesagt. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, heißt es daher von der Polizei, die auch ein Verbrechen wegen Ehrverletzung nicht ausschließen will. Nach Zeugenaussagen konzentriert sich die Fahndung auf zwei flüchtige Männer. Ende Februar hatte die Staatsanwaltschaft Hamburg Öner wegen 16 verschiedenen Delikten angeklagt. Es geht um Bedrohung, Beleidigung, Körperverletzung, Erpressung, Nötigung und Widerstand gegen Beamte. Ende September soll er sich vor Gericht verantworten. Im Falle einer Verurteilung droht Öner ein abermaliger Gang hinter Gitter.

Finanziell sind die Geschäfte rund um den Boxring von der Zusammenarbeit mit TV-Sendern abhängig. Das Terrain ist klar abgesteckt: Die ARD arbeitet langfristig mit dem Sauerland-Boxstall aus Berlin zusammen, das ZDF mit Universum aus Hamburg. RTL interessiert sich, wenn überhaupt, nur für Highlights wie Klitschko-Kämpfe. Wilfried Sauerland oder Klaus-Peter Kohl von Universum arrangieren sich miteinander. Beide sind über Konkurrenz nicht unbedingt glücklich. Öner ist mit der Tochter von Boxtrainer Fritz Sdunek verheiratet, der seit 1994 bei Universum unter Vertrag steht – wo Öner Hausverbot hat.

Für „Arena“ und Öner jedenfalls blieb der Gang in die Türkei, wo er sich als Veranstalter gut bezahlen ließ, nachdem Profiboxen am Bosporus zwischenzeitlich fast 30 Jahre verboten war. Zudem verpflichtete er mehrere Exil-Kubaner, mit denen er sich in erster Linie in den Boxringen der USA den Durchbruch erhofft. Sein Zugpferd ist dabei Ex-Weltmeister Juan Carlos Gomez, der im März dieses Jahres Witali Klitschko herausforderte und in der neunten Runde aufgab. In Miami arbeitet Öner ebenso mit einem Trainingscamp zusammen wie in Duisburg und in Halle. Seit kurzem taucht auch Graciano Rocchigiani bei Öner als Trainer auf.

Inzwischen arbeitet Öner mit Eurosport zusammen, bei dem Spartensender soll aber mit Boxkämpfen kaum Geld zu verdienen sein. So wundert man sich, wie Öner „Arena“ finanziell über Wasser hält. Ein Immobiliensanierer hat ihn unterstützt. Andere Geldquellen sind Internetgeschäftemacher. Sein Gym in Hamburg hat Ahmet Öner wieder geschlossen.

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