Boxen : Brähmer geht fast k.o. und siegt noch

Jürgen Brähmer musste bei seiner ersten Titelverteidigung als WBO-Champion im Halbschwergewicht bis über die Schmerz- und Willensgrenze hinausgehen, um sich zu behaupten.

Schwerin - Am rechten Auge mit acht Stichen genäht, das linke stark geschwollen und in ungesundem Rot-Blau schimmernd – Jürgen Brähmer sah alles andere als weltmeisterlich aus, als er kurz vor 3.00 Uhr in der Früh aus dem Krankenhaus zurückkehrte. Der Profiboxer aus Schwerin musste in der Nacht zum Sonntag bei seiner ersten Titelverteidigung als WBO-Champion im Halbschwergewicht bis über die Schmerz- und Willensgrenze hinausgehen, um sich gegen den Russen Dmitri Suchotski zu behaupten. In der zehnten Runde fast k.o. kam der schwer gezeichnete Profi noch einmal zurück. Einstimmiger Punktsieg (118:110, 116:12, 116:112) lautete das Urteil der Punktrichter. „Das ist Boxen und nicht Rudern“, bilanzierte der 31 Jahre alte Brähmer, als er nach einer erbittert geführten Zwölf-Runden-Schlacht schließlich seinen 35. Sieg im 37. Kampf errungen hatte.

In der zehnten Runde wurde Brähmer zum Entsetzen der knapp 7000 Zuschauer in der ausverkauften Schweriner Sport- und Kongresshalle mit einem Schlaghagel des Russen eingedeckt und stand vorm K.o. Die Entscheidung des Ringrichters, den stark blutenden Riss am rechten Auge vom Arzt begutachten zu lassen, brachte Brähmer die nötige Zeit zur Erholung. Danach kam der Schützling von Trainer Michael Timm mit einer Energieleistung zurück und sicherte seinen Punktvorsprung. „Es gibt nur ganz wenige Boxer in der Welt, die so eine Runde überstehen“, lobte Promoter Klaus-Peter Kohl seinen Lieblingsschüler. „Das war nicht der Kampf, den ich mir vorgestellt hatte“, sagte Brähmer. Eigentlich wollte er eher gepflegt boxen denn brachial schlagen. Doch irgendwann sei ihm aufgestoßen: „Den Gegner musst du kaputt spielen.“

Seinen Titel als Interims-Champion des WBC im Mittelgewicht behielt Brähmers Stallgefährte Sebastian Zbik. Der 27-Jährige setzte sich gegen Emanuele Della Rosa mit 2:1-Richterstimmen (120:109, 117:111, 113:115) durch. dpa

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