Boxen : Das deutsche Amateurboxen hat die Kurve gekriegt

Nach sieben Jahren gewinnt mit Abass Baraou wieder ein Deutscher Gold bei der EM im olympischen Boxen. Das könnte Signalwirkung haben. Ein Kommentar.

Abass Baraou freut sich mit seinem Trainer Ralf Dickert über den Gewinn der Europameisterschaft.
Abass Baraou freut sich mit seinem Trainer Ralf Dickert über den Gewinn der Europameisterschaft.Foto: Beatrice Bastian/Deutscher Boxsport-Verband/dpa

Falls Sie es nicht mitbekommen haben: Deutschland hat wieder einen Europameister im Boxen, also im richtigen Boxen, dem olympischen. Abass Baraou heißt der junge Mann. Der gebürtige Aalener, Sohn togoischer Eltern, trainiert seit Jahren in Berlin bei Trainer Ralf Dickert. Sieben Jahre lang hatte zuvor kein Deutscher mehr EM-Gold gewonnen. Das olympische Boxen lag hierzulande jahrelang am Boden, weil alle die, die eine passable rechte Gerade schlagen konnten, zu den Profis wechselten, des Geldes und der öffentlichen Wahrnehmung wegen.

Falls Sie es nicht mitbekommen haben: Ende August finden sogar Box- Weltmeisterschaften in Deutschland statt, in Hamburg. Der Deutsche Boxsportverband hat das bisher weitgehend geheim gehalten. Aber vielleicht hilft der Erfolg Abass Baraous, ein wenig Aufmerksamkeit zu entfachen, wie es schon bei Artem Harutyunyan war, dessen dritter Platz vor einem Jahr in Rio die erste olympische Medaille für Deutschland seit zwölf Jahren bedeutete.

Bei beiden in der Ringecke steht Michael Timm, der selbst mal Europameister war, Trainer wurde und viele Jahre bei den Profis zig Weltmeister formte – Jürgen Brähmer oder Felix Sturm etwa. 2012 wechselte Timm wieder die Seiten und leitet heute mit Erfolg den Olympiastützpunkt in Schwerin.

Das letzte Mal, dass Deutschland eine Box-WM ausrichtete, liegt 22 Jahre zurück – so alt ist Europameister Baraou heute. Damals holten deutsche Boxer sagenhafte zehn Medaillen, darunter die Berliner Thomas Ulrich, Oktay Urkal, Dirk Krüger und René Monse. Ihr Trainer war Ulli Wegner. Anschließend zog es auch sie zu den Profis.

Den Profis fehlt heute der Nachschub. Beide Lager, Profis und Amateure, haben längst begriffen, dass es nur zusammen gehen kann. Seit diesem Jahr gehen sie gemeinsame Wege. Das deutsche Amateurboxen scheint die Kurve gekriegt zu haben. Zwei Boxer haben internationale Klasse. Es wird sich herumsprechen.

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