Boxen : Endlich mal ein großer Kampf

40 Jahre nach Ali gegen Frazier kommt es im Schwergewicht zu einem neuen Gipfeltreffen: Klitschko trifft auf Haye.

Michael Rosentritt

Man kann den Klitschkos einiges nachsagen, nicht aber, dass sie kein Gespür für die große Geschichte ihrer Branche hätten. Heute jährt sich zum 40. Mal ein Jahrhundertereignis: der Kampf zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier. An jenem 8. März 1971 traten im Madison Square Garden erstmals in der Geschichte des Schwergewichtsboxens zwei ungeschlagenen Weltmeister gegeneinander an. Noch heute gilt dieser Kampf als „Fight of the Century“.

Was das alles mit den Klitschkos zu tun hat? Passend zum historischen Jubiläum leistete Wladimir Klitschko seine Unterschrift unter einen bedeutenden Kampfvertrag. Der 34 Jahre alte Weltmeister der Verbände IBF und WBO wird gegen den britischen WBA-Champion David Haye (30) antreten. Es ist also ein Titelvereinigungskampf, der am 25. Juni oder am 2. Juni stattfinden wird. Als Austragungsorte werden neben den Fußballstadien in Dortmund, Kaiserslautern und Gelsenkirchen auch zwei ausländische Optionen geprüft, hieß es gestern bei Klitschkos KMG-Promotion. Den vierten bedeutenden Schwergewichtstitel, den des WBC, hält Wladimirs Bruder Witali Klitschko. Der 39-Jährige setzt seinen Titel bereits am 19. März in Köln gegen den kubanischen Olympiasieger von 2004, Odlanier Solis, aufs Spiel – auch das ein interessantes Duell.

Es kommt Bewegung in die Königsklasse des Boxens. Vor allem der Kampf zwischen Wladimir Klitschko und Haye wird auf weltweites Interesse stoßen. 25 Millionen Euro soll das Duell einspielen, die zu gleichen Teilen an beide Lager aufgeteilt werden. Es ist endlich mal ein sogenannter logischer Kampf, nicht eine beliebige freiwillige Titelverteidigung gegen einen weitgehend unbekannten Boxer. Von solchen Kämpfen gab es in der Vergangenheit zu viele, was auch dazu führte, dass die Klitschkos, die seit einigen Jahren die Schwergewichtsszene dominieren, nicht jene Anerkennung genießen wie die Helden von einst. Das internationale Schwergewichtsboxen hängt in den Seilen. In Deutschland ließen sich die Kämpfe der Klitschkos noch prima vermarkten, im einstigen Box-Mekka USA aber erzeugten sie Langeweile. Dort träumt man von den goldenen Zeiten der Alis, Fraziers und Foremans. Dafür können die Klitschkos nur wenig. „Sie sind die Besten, weil nichts anderes da ist“, heißt es in der Szene. „Es ist nicht ihre Schuld, dass es bis jetzt keine Boxer mehr gegeben hat, die sie unter Druck setzen“, sagte unlängst George Foreman, allerdings hätten sie in den vergangenen fünf Jahren „keine richtigen Konkurrenten“ mehr gehabt: „Ich bewundere sie, aber wo sind ihre Gegner?“

Der bislang letzte große Schwergewichtskampf war der WM-Kampf zwischen Witali Klitschko und dem Briten Lennox Lewis, den Klitschko – in Führung liegend – verletzungsbedingt nicht zu Ende führen konnte. Das ist jetzt sieben Jahre her.

40 Jahre her ist der beste Kampf aller Zeiten. Im April 1967 war Ali der Titel aberkannt worden, weil er sich geweigert hatte, in den Vietnam-Krieg zu ziehen. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, durfte aber auf freien Fuß bleiben. Nur boxen durfte er drei Jahre lang nicht. Nach zwei Aufbaukämpfen stellte er sich im März 1971 den inzwischen zum Champion aufgestiegenen Frazier. Frazier gewann den Kampf nach 15 kräftezehrenden Runden; es war Alis erste Niederlage. Beide späteren Duelle mit Frazier gewann Ali, im Frühjahr 1974 und schließlich am 1. Oktober 1975 auf den Philippinen, ein Kampf, der als „Thrilla in Manila“ in die Historie des Boxen einging. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

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