Boxen : Klein und stark

Arthur Abraham boxt erstmals in einer höheren Gewichtsklasse – beim neuen Turnier „Super Six“.

Ingo Schmidt-Tychsen
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Die Deckung steht. Arthur Abraham präsentiert sich locker in Berlin. -Foto: dpa

Berlin - Arthur Abraham legt die Hand auf die Schulter seiner Mutter. Klickklickklickklick, die Kameras der Fotografen produzieren einen Sound ohne Rhythmus. Der Boxer lächelt. Dann soll er doch bitte noch einmal den Mantel anziehen, mit dem er am Samstag vor dem Kampf gegen Jermain Taylor in der Arena am Ostbahnhof einlaufen wird. Es ist warm auf der vollen Pressekonferenz im Bauche der Arena. Das pompöse, golden glänzende Gewand ist schwer und so ziemlich das Gegenteil von atmungsaktiv. Minutenlang posiert der 29 Jahre alte Boxer, sein Lächeln bleibt geschmeidig. Klickklickklickklick. Kein Problem. Der Deutsch-Armenier ist ein Vollprofi.

Bei Abrahams Kampf im Supermittelgewicht gegen Taylor wird es noch nicht unmittelbar um einen Weltmeister-Titel gehen. Der Fight ist der Auftakt zu einem Turnier mit sechs Boxern, an dessen Ende der Superchampion der Verbände WBC und WBA gekürt werden soll. Die Promoter sprechen in diesem Zusammenhang von der Champions League des Boxens, der „Super Six“. Das Besondere an dem neuen Modus ist, dass es keine einfachen Kämpfe geben wird, keine Titelverteidigungen gegen zweitklassige Gegner, die in erster Linie die Taschen der Funktionäre füllen sollen. „Es gibt kein Fallobst mehr“, sagt Promoter Kalle Sauerland, der Sohn von Wilfried Sauerland.

Die Vorbereitung auf das Turnier unterscheide sich aber nicht von der auf einen einzelnen Kampf, sagt Arthur Abraham. Einen bedeutenden Unterschied habe es diesmal aber gegeben: Abraham tritt erstmals im Supermittelgewicht an. Hier darf er rund dreieinhalb Kilogramm mehr wiegen als in seiner alten Klasse, dem Mittelgewicht. Für seine vergangenen Kämpfe hatte Abraham immer wieder „abkochen“ müssen, wie es in der Fachsprache heißt. Wenig trinken, viel schwitzen. „Da sind wir schon manchmal aneinandergeraten“, erzählt Abrahams Trainer Ulli Wegner mit seiner kratzig-rauen Stimme. Manchmal habe Abraham ihm richtig leidgetan, „aber da durfte ich nicht immer meine Gefühle zeigen“. Wegner musste hart bleiben. Diesmal sei es einfacher gewesen. „Ich bin jeden Tag gut gelaunt, weil ich kein Gewicht mehr machen muss“, sagt Abraham.

Nun ist er am Samstag mit 1,78 Meter zwar etwa sieben Zentimeter kleiner als sein Gegner Taylor, seine Schlagkraft im rechten Arm von etwa 380 Kilogramm dürfte allerdings auch im Supermittelgewicht von Vorteil sein. „Es gewinnt nicht der Stärkere, sondern der Schlauere. Kopf, Kraft, Technik und Taktik sind gleichermaßen entscheidend“, sagt Abraham zurückhaltend. Im Mittelgewicht jedoch konnte er sich regelmäßig auf seinen außergewöhnlich harten Punch verlassen, mit dem er 24 seiner 30 gewonnen Profikämpfe vorzeitig beendete.

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