Boxen : Klitschko verbreitet Langeweile

Beim WM-Kampf in Mannheim war Wladimir Klitschkos Gegner Hasim Rahman nicht WM-tauglich.

Susanne Rohlfing
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Ungleicher Kampf. Klitschko bedrängt Rahman, der sich nicht mal wehrt.Foto: ddp

Schon in der dritten Runde versucht Hasim Rahman es mit einem Trick. Seine Verzweiflung muss groß sein, denn der Trick ist uralt und könnte für Wladimir Klitschko kaum ungeeigneter sein. Rahman hängt in den Seilen wie ein wehrloses Opfer, verschanzt sich hinter seiner Deckung und hofft, dass Klitschko die Geduld verliert. Ausgerechnet Wladimir Klitschko, der Schlachten meidet und das Schwergewichtsboxen gern in eine präzise, aber emotionslose Kunst umfunktioniert.

Natürlich drischt Klitschko nicht unvorsichtig und mit aller Kraft auf seinen Herausforderer ein. Natürlich eröffnet er diesem keine Konterchance. Auf die Probe wird allein die Geduld der 13.000 Zuschauer in der Mannheimer SAP-Arena gestellt. Doch ihre Pfiffe verhallen. Am Ende eines einseitigen Kampfes bleibt Klitschko Weltmeister der Verbände IBF und WBO, er siegt durch Technischen K. o. in der siebten Runde.

„Ich musste nicht verrückt spielen“, erklärt der 32-Jährige später. Fritz Sdunek, der Trainer des älteren der ukrainischen Brüder, mag Aufwärtshaken vermisst haben. Klitschko selbst ist zufrieden damit, Ruhe und seine Titel bewahrt zu haben. Witali Klitschko, Weltmeister des WBC, versucht noch, das ungleiche Duell schön zu reden: „Das war kein einfacher Kampf, das war ein sehr starker Gegner.“ Sdunek hatte jedoch genauer hingesehen, ihm war aufgefallen, dass die wichtigste Zutat für einen aufregenden Boxkampf gefehlt hatte: „Da kam ein bisschen wenig Gegenwehr.“

Wladimir Klitschko ahnt, dass er mit Kämpfen wie diesem sein Publikum nicht bei Laune halten kann. Deshalb verspricht er: „2009 wird ein ganz tolles Jahr.“ Doch wer soll das sein, der in diesen mageren Schwergewichts-Zeiten einen Wladimir Klitschko fordert? Vielleicht ist David Haye einer. Der ehemalige Cruisergewichts-Weltmeister hat der britischen Ausgabe von „Men''s Health“ gesagt, dass er sich den Kopf von Wladimir Klitschko holen wolle. Das Resultat ist eine Fotomontage, die eben dies bebildert.

„Ein großartiges Bild“, sagt Haye. Klitschko sieht das anders. „Ich habe eine Gänsehaut bekommen“, sagt er und starrt wütend zu Haye, der in Mannheim am Ring saß und sich im Gegensatz zu Hasim Rahman später auch blicken ließ. „Da wurde eine Grenze überschritten, dafür wird David Haye bestraft, und zwar von mir.“ Haye ist das recht. „Warum soll ich den kleinen Bruder nehmen, wenn ich den großen, gefährlichen kriegen kann?“ Wladimir Klitschko hört das nicht gern. Er blickt rüber zu seinem Bruder und sagt: „Ich möchte Haye schon gern selbst treffen.“

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