Boxen : Marco Huck: K.o. für die Karriere?

Marco Huck verliert gegen Krzysztof Glowacki seinen WM-Titel und erlebt bei seiner US-Premiere ein Debakel. Nun droht sogar das Aus als Boxer.

Hartmut Scherzer
Bodenhaftung zurückgewonnen. Marco Huck, der vor dem Kampf noch groß getönt hatte, geht gegen den Polen Krzysztof Glowacki (l.) in der elften Runde k.o.
Bodenhaftung zurückgewonnen. Marco Huck, der vor dem Kampf noch groß getönt hatte, geht gegen den Polen Krzysztof Glowacki (l.) in...Foto: AFP

Rücklings, lang ausgestreckt, hängt Marco Huck buchstäblich in den Seilen. Der Kopf ragt über das unterste Seil hinaus. Über dem Kampfunfähigen wedelt Ringrichter David Fields mit beiden Armen und signalisiert das Ende: Technischer K.o.. Daneben reißt Krzysztof Glowacki in rot-weißer Boxerhose die Fäuste zur Siegerpose hoch. Das polnischstämmige Publikum im Prudential Center in Newark, New Jersey rastet aus. Es sind 2:39 Minuten der elften Runde vergangen, in denen der Pole einen nach Punkten bereits verlorenen Kampf noch dreht und der Traum Marco Hucks von einer Karriere in den USA jäh endet.

Selten ist ein Großmaul derart brutal gestopft geworden. Den Ringboden wollte der gebürtige Serbe mit dem deutschen Pass mit seinem kaum bekannten polnischen Herausforderer aufwischen. Er sei eine „Zertrümmerungsmaschine“, habe „immer noch Lust, Zähne auszuschlagen“, hatte der WBO-Weltmeister im Cruisergewicht getönt.

Dann die große Überraschung in der Nacht zum Samstag mit dem ebenso sensationellen wie demütigenden Schluss-Szenario: Mit einem linken und einem rechten Kopftreffer hämmerte der Rechtsausleger den Titelverteidiger zu Boden. Huck rappelte sich wieder auf, war noch völlig benommen, als Glowacki über ihn herfiel, den Champion mit einer Serie von acht Schlägen in die Seile prügelte, bis er abermals zusammenbrach. Das Ende. Nach der zehnten Runde hatte Huck bei allen drei Punktrichtern geführt: 96:93, 96:93, 95:94.

In den ersten fünf Runden war Glowacki der Aggressor – ungewohnt für Huck, der mit der Rechtsauslage nicht zurechtkam. Das Publikum skandierte „Glowacki, Glowacki“. Dann das Drama in der sechsten Runde: Mit einem linken Haken an die Schläfe schlug Huck den Herausforderer schwer zu Boden. Glowacki schaffte es gerade noch, sich zu erheben. Der Kampf wurde nun zur Schlacht, die Huck weitgehend kontrollierte. „Das war großes Fernsehen“, sagte Hucks amerikanischer Promoter Lou DiBella. Der am meisten respektierte Box-Experte der USA, Dan Rafael von ESPN, nannte das Duell „einen Kandidaten für den Kampf des Jahres“, die sechste Runde als Anwärter auf die „Runde des Jahres“. Der 25-jährige Glowacki, der auch seinen 25. Profikampf gewann, sagte überglücklich: „Das ist die größte Nacht in meinem Leben. Ich wusste, dass ich im zweiten Teil hinten lag, weil ich anfangs ein zu hohes Tempo gegangen war. Ich musste alles auf die Karte K.o. setzen.“

Marco Huck war nach dem Kampf nicht ansprechbar. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. 350 000 Dollar sind ein kümmerliches Schmerzensgeld (Glowackis Börse: 60 000 Dollar). Mit der dritten Niederlage in 42 Kämpfen, dem zweiten K.o., büßte Marco Huck für seine Selbstherrlichkeit, sich von Sauerland Event und damit von seinem väterlichen Trainer Ulli Wegner zu trennen, um als sein eigener Promoter die Geschäfte zu regeln. Der Bruch nach zehn Jahren, der fremde Don House statt des vertrauten Ulli Wegner als Trainer und das schrille Las Vegas anstelle des idyllischen Kienbaum als Trainingsstätte – all das hat sich bitter gerächt. Die Zukunft des 30-Jährigen? Ungewiss. Vielleicht liegt sie nicht mehr im Ring, sondern im Käfig der UFC (Ultimate Fighting Championship). Kontakte hatte Marco Huck schon vor dem Desaster in Newark mit UFC-Präsident Dana White geknüpft. Ulli Wegner blutete als Sky-Experte vor Ort das Herz: „Es tut mir unheimlich weh. Da wieder rauszukommen, wird für Marco ganz, ganz schwer.“

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