Sport : Boxen: Mehr Stars vor die Fäuste

Hartmut Scherzer

Ist Orlin Norris sauber? Die Frage ist vor dem Kampf des einstigen Weltmeisters im Cruisergewicht gegen Witali Klitschko am Sonnabend in München berechtigt, seit der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) vor wenigen Tagen eine skandalöse Statistik bestätigte: Neun amerikanische Boxer waren in den letzten drei Jahren bei ihren deutschen Ringauftritten gedopt. Demnach wurde jeder dritte Amerikaner nach einem Kampf in Deutschland um die Weltmeisterschaft oder einen interkontinentalen Titel positiv getestet (Nandrolon oder Ephedrin). Anders als bei Mike Tyson verliefen die "deutschen" Dopingfälle in den USA im Sande. "Strafmaßnahmen der zuständigen Boxbehörden in Amerika sind uns nicht bekannt", sagt BDB-Vizepräsident Hans Högner. Alle neun erwischten Kämpfer, darunter auch Gegner der Gebrüder Klitschko, so Högner, hätten verloren. Da regt sich niemand weiter auf.

Auch der 35-jährige Norris ist kein Siegertyp mehr. Die Riesen aus der Ukraine fordern daher die Berühmtheiten der Schwergewichtsszene heraus. Der wie sein großer Bruder promovierte Wladimir Klitschko (24) verlangt jetzt, "dass nun bald die großen Gegner Tyson, Lewis oder Holyfield folgen." Wunschdenken. Selbst wenn Europameister Witali Klitschko Norris besiegen und Wladimir am 24. März seinen WBO-Titel gegen Derrick Jefferson behalten sollte. Die drei schillerndsten Figuren des Schwergewichts sind erst einmal ausgebucht und in einem Alter, in dem der Abschied naht. Lennox Lewis (35), Champion der Verbände IBF und WBC sowie weltweit aller Boxfans, verkündete unlängst, nur noch zwei Kämpfe auszufechten. Dann sei Schluss mit Boxen. Die erste Titelverteidigung ist für den 21. April in Las Vegas gegen Hasim Rahman (USA) geplant. "Danach will ich nur noch gegen Mike Tyson kämpfen, und zwar noch in diesem Jahr", sagte Lewis mit. Evander Holyfield (38) riskiert seinen WBA-Titel am 3. März in Las Vegas erneut gegen seinen Landsmann John Ruiz, mit dem der alternde Adonis aus Atlanta vor fünf Monaten beim Punktsieg größte Mühe hatte. Tyson (34) ist zwar die Nummer eins des WBC, redet aber auch von Rücktritt. Zunächst einmal ist der Bösewicht für drei Monate wegen verweigerter Dopingkontrolle gesperrt.

Die Klitschkos drängen nach Amerika. Nur dort winken wahrer Ruhm und Reichtum. Und das ist ein Grund für die jüngsten Differenzen über die Vertragssituation mit ihrem Manager und Promoter Klaus-Peter Kohl. Der ältere Klitschko sagt: "Vertragsende ist der 1. April 2001. Über die Option müssen wir noch verhandeln." Kohls Universum Box-Promotion widersprach in einer Pressemitteilung: "Witali und Wladimir Klitschko sind aufgrund der bestehenden Vereinbarungen bis zum 30. April 2004 in sämtlichen die Vermarktung und die sportliche Karriere betreffenden Angelegenheiten exklusiv an Universum Box-Promotion gebunden."

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